Laues Lüftchen: Mezcal Alipús »San Luis del Rio« im Test

(Titelfoto: ibz_omar / Flickr)

Von Hand geerntete Espadín-Agaven, gekocht in einem Erdofen, gemahlen in einer chilenischen Mühle, die von einem Esel gezogen wird… Wohl kaum eine Spirituose ist schon von der Produktion her so reich an Bildern wie Mezcal. Es steckt einfach immer noch viel Handwerk in der Herstellung des Agavenbrandes. Hat sich die Mühe im Fall des San Luis del Rio aus der Reihe Mezcal Alipús gelohnt?

Es ist typisch für Mezcals, dass sie nach dem Namen des Dorfes heißen, aus welchem sie stammen. Auch hier spiegelt sich wieder die ländliche Tradition wieder: „Welchen trinkst du?“„Ach den aus San Luis del Rio…“ Schaut man sich den Ort auf der Landkarte an, stellt man fest, dass er gut 1.000 Meter über dem Meeresspiegel liegt und von gewaltigen Bergmassiven umgeben ist. Nur rund 440 Einwohner leben hier. Einer von ihnen ist Baltazar Cruz Gómez, welcher in seinen zwei Kupferbrennblasen den örtlichen Mezcal brennt.

Er nutzt hierfür 100 % Espadin-Agaven, welche nicht wild wachsen, sondern vor Ort angebaut werden. Die Fermentation erfolgt natürlich in Kiefernholzfässern über einen längeren Zeitraum. Eine doppelte Destillation in Kupfer-Brennblasen (so genannten Alembics) erzeugt dann die Spirituose, welche ohne Fasslagerung in die Flasche kommt.

Das Etikett erinnert etwas an einen Kartoffeldruck: Mezcal Alipús San Luis del Rio (Foto: Hersteller)
Das Etikett erinnert etwas an einen Kartoffeldruck: Mezcal Alipús San Luis del Rio (Foto: Hersteller)

Der Mezcal heißt so wie das Dorf

Da sich jemand wie Baltazar Cruz Gómez aus einem kleinen Dorf heraus natürlich nicht um den weltweiten Vertrieb seines Mezcals kümmern kann, gibt es mittlerweile Vertriebsfirmen, welche die Destillate verschiedener Dörfer unter ihrem Label herausbringen. So gibt es unter dem Namen Mezcal Alipús auch noch die Abfüllungen San Andrés, San Baltazar, San Juan und Santa Ana. Bei den ganzen heiligen Namen kann man schon mal durcheinander kommen… Auf den ersten Blick lassen sich die Flaschen wohl am besten über die Farbe des Etiketts unterscheiden. Diese ist bei jedem der genannten Mezcals unterschiedlich. Wer also einen „Mezcal Alpús“ empfohlen bekommt, sollte als erstes fragen: Welchen? Denn obwohl natürlich eine Qualitätskontrolle und eine gewisse Vorauswahl stattfindet, muss es nicht sein, dass einem jede Abfüllung eines solchen Labels gefällt.

Etwas vergleichbares gibt es übrigens auch bei Del Maguey, welche zum einen den Del Maguey Vida herausbringen, zum anderen auch eine Single Village-Serie haben, die Mezcals einzelner Dörfer erst in die Flasche und dann zu uns Genießern und Fans nach Deutschland bringt.

Probieren geht also vor: Und genau das wollen wir mit dem San Luis del Rio jetzt tun. Korken ab und Tassen hoch, jetzt kommt der Mexikaner ins Verkostungsglas!

Mezcal Alipús »San Luis del Rio« im Tasting

Wie riecht er?

Ein leichter und reiner Duft, der einen süß-fruchtigen Grundton hat. Wie der Geruch eines gekochten Essens, welches am Tag danach noch in der Küche hängt. Die Agave ist nur sehr dezent, dafür gibt es etwas Limettenschale, eine mineralische Note und eine Spur Rauch. Alles in allem aber doch recht unverfänglich und nicht so ausdrucksstark wie manch anderer Mezcal.

Wie schmeckt er?

Für einen Mezcal ist der San Luis del Rio auch im Mund eher zurückhaltend. Süß, fruchtig und unscheinbar schlurft er über den Gaumen. In jedem Fall ein leichtes und junges Aroma mit Anklängen ins Mineralische. Als würde man einen Lehmziegel abschlecken. Im Abgang kommt leider der bittere Geschmack des Alkohols immer wieder deutlich durch. Hinten mit Rauch und etwas Pfeffer im ansonsten kurzen Abgang.

Mezcal Alipús San Luis del Rio
Gestaltung & Story56
Geruch62
Geschmack57
Preis-Leistung53
57
Enttäuschend
Fazit
Ein leichter und unkomplizierter Mezcal mit typischen Noten: Mineralisch, erdig und leicht rauchig. Im Geschmack kommt immer wieder der Alkohol deutlich bitter durch. Alles in allem ein durchschnittlicher Mezcal. Die aufgerufenen gut 50 Euro pro Flasche kann man besser anlegen.

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