Der Louche-Effekt am Beispiel von Raki: Pur ist die Anis-Spirituose klar, mit Eis/Wasser wird sie milchig trübe (Foto: Alkoblog)
Der Louche-Effekt am Beispiel von Raki: Pur ist die Anis-Spirituose klar, mit Eis/Wasser wird sie milchig trübe (Foto: Alkoblog)

Ob griechischer Ouzo, türkischer Raki, italienischer Sambuca oder französischer Absinth und Pastis – alle Anis-Spirituosen sind in der Flasche klar und transparent. Mischt man sie aber mit Wasser oder gibt einen Eiswürfel ins Glas, dann trüben sich die Destillate blitzschnell ein und werden trübe. Warum ist das so und was sagt die Eintrübung über die Qualität von Ouzo, Raki & Co. aus?

Der Louche-Effekt einfach erklärt

Als Louche-Effekt bezeichnet man die milchige Eintrübung von Anis-Spirituosen, wenn sie mit Wasser gemischt oder stark gekühlt werden. Anis enthält ätherische Öle, welche schlecht oder gar nicht wasserlöslich sind. In der Mischung mit Wasser bilden die Öle des Anis unzählige winzige Tropfen, welche das Getränk milchig und trübe aussehen lassen.

Auch bei niedrigen Temperaturen schlägt der Louche-Effekt eiskalt zu: Die ätherischen Öle lösen sich schlechter als bei Zimmertemperatur und der Ouzo, Raki oder Sambuca werden milchig.

Der Begriff Louche ist übrigens Französisch und bedeutet übersetzt so viel wie verschleiert, trübe oder undurchsichtig. Der Begriff passt also ziemlich gut für das, was da im Glas passiert.

Du hast keine Zeit und willst schnell verstehen, worum es geht? Wir haben ein kleines Video zum Louche-Effekt erstellt, welches dich in 44 Sekunden auf Stand bringt:

Anethol – der Stoff, der Ouzo, Raki & Co. trübe macht

Jeder Anisée – so bezeichnet man anishaltige Spirituosen wie z.B. Ouzo, Raki, Pastis oder Absinth – enthält etwa 1 Gramm Anethol. Dieser Stoff ist der Hauptbestandteil der ätherischen Öle, welche den Geschmack der Spirituose ausmachen.

Dabei kann es sich neben Anissamen (Anis und Sternanis) auch um Öle aus verschiedensten Kräutern wie Fenchel, Minze, Koriander oder Melisse handeln. Sie bringen nicht nur den Geschmack in die Spirituose, sondern enthalten auch das Anethol.

Wie schon erwähnt löst sich Anethol nicht sonderlich gut in Wasser, sodass eine Emulsion entsteht. Denselben Effekt kann man beobachten, wenn man beispielsweise einen Tropfen Öl oder Butter ins Nudelwasser gibt oder eine kräftige Hühnerbrühe kocht, auf der dann Fettaugen schwimmen. Öl und Wasser verbinden sich einfach einfach nicht gerne.

Obwohl der Louche-Effekt schon recht lange bekannt ist, gibt es seit 2003 zusätzlich den Begriff Ouzo-Effekt. Er steht für die „spontane Emulsionsbildung“ in anishaltigen Spirituosen, welche ohne Zuführung von Energie oder zusätzlichen „grenzflächenaktiven Substanzen“ stattfindet. Beide Begriffe können für das beschriebene Phänomen verwendet werden.

 

Bei niedrigen Temperaturen werden Anisées wie Raki milchig trübe (Foto: Yeni Raki)
Bei niedrigen Temperaturen werden Anisées wie Raki milchig trübe (Foto: Yeni Raki)

 

Bekanntes Ritual: Tröpfchenweise wird der Absinth milchig

Gibt man das Wasser als einzelne Tröpfchen in den Anisée, dann ist auch die milchige Trübung nur von kurzer Dauer. Es bilden sich feine Schleier, die sich jedoch wieder auflösen. Doch mit jedem Tropfen steigt der Anteil an Wasser in der Mischung und der Louche-Effekt setzt immer stärker ein – und lässt sich auch nicht mehr umkehren.

Wer gerne hochwertigen Absinth genießt, der wird vielleicht das folgende Ritual kennen: Mit Hilfe einer so genannten Absinthe-Fontaine – einem Glasflakon mit vier kleinen Wasserhähnen – kann tropfenweise Wasser ins Glas gegeben werden. Mit jedem Tropfen Wasser wird der Absinth langsam trüber.

Zugleich hilft die Verdünnung dabei, die häufig sehr hochprozentige Anis-Spirituose leichter genießbar zu machen. Durch die Zugabe von Wasser in Absinth lösen sich die Aromen besser und es können bei der Verkostung neue Geschmacksnuancen erfasst werden. Während der Louche-Effekt im Glas einsetzt, steigt durch dieses Absinth-Ritual zugleich der Genussfaktor. Hier ein stimmungsvolles Beispiel wie das Absinth-Ritual mit Fontaine aussehen kann:

Was sagt der Louche-Effekt über die Qualität einer Anis-Spirituose aus?

Viele Genießer sind überzeugt davon: Der Louche-Effekt kann auch bei der Beurteilung der Qualität eines Anis-Destillats helfen. Und es stimmt: Je trüber sich ein Ouzo oder Raki im Glas färbt, desto höher ist der Anisgehalt.

Insbesondere günstige Sorten enthalten viel neutralen Alkohol und weniger des (im Vergleich teureren) Rohstoffs Anis oder Sternanis. Doch diese Unterschiede in der Qualität würde man auch bei der geschmacklichen Verkostung im Mund bemerken. Der Louche-Effekt dient in diesem Sinne als erster Anhaltspunkt, sollte aber unbedingt im Tasting überprüft werden. Denn letztens Endes sagt ein besonders hoher Anis-Gehalt im Ouzo, Raki oder Pastis noch nicht unbedingt aus, dass diese Spirituose einem persönlich am besten schmeckt.

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