50 Shades of Bourbon: Jim Beam Single Barrel im Test

Eine Sache, die mir von unserer letzten Reise durch Kentucky als besonders prägend in Erinnerung geblieben ist, ist das fast überall anzutreffende Streben der Amerikaner nach Konsistenz. Ein Bourbon einer bestimmten Marke soll immer gleich schmecken. Ob ich einen Whiskey in einer szenigen Bourbon-Bar in Louisville oder in einer verrauchten Kneipe in Buxtehude bestelle – ich habe stets die Gewissheit, eine absolut identisch schmeckende Spirituose ins Glas zu bekommen (außer vielleicht die Flasche in Buxtehude war schon lange offen).

Zwar gibt es diese Denkweise der Konsistenz in Schottland auch: Man denke nur an Scotch Blends wie Johnnie Walker, Ballantines oder Chivas Regal, die ebenfalls Konstanz im Geschmack versprechen. Und natürlich soll sich auch ein Single Malt von Jahr zu Jahr bitte nicht allzu sehr unterscheiden (groß ist der Aufschrei der Whisky-Fans, wenn er es doch tut!) Aber die Lieblingsstücke vieler schottischer Brennmeister sind ohnehin die Single Cask Whiskys. Ein einzelnes Fass wird in Flaschen abgefüllt. Der Whisky dieses Fasses muss für sich stehen und überzeugen. Keine Vermählung mit anderen Fässern kann ihn retten.

Ein Single Cask Whisky ist das Gegenteil von Konsistenz. Denn natürlich hat jedes Fass seine eigene Historie: Es lag an einer bestimmten Stelle im Warehouse, hat sich im Sommer mehr oder weniger stark erwärmt, das Holz hat dem Whisky Aromen gegeben, seine Ecken und Kanten geschliffen und sich intensiv mit ihm ausgetauscht. Jedes Einzelfass wird also anders schmecken. Es können 50 Schattierungen sein, in denen die Barrels voneinander abweichen oder 100 oder noch viel mehr. Niemand kann die Nuancen von Einzelfässern verlässlich zählen.

Nach 223 Jahren gibt es zum ersten Mal einen Jim Beam Single Barrel

Wenn man darum weiß, wie wichtig den Amerikanern die Konsistenz ihres Lieblingsbourbons ist, dann kann man ein Stück weit verstehen, warum sie sich mit Single Barrels eher schwer tun. Und so hat es lange gedauert bis sich der Gigant unter den Bourbon-Herstellern dazu durchgerungen hat, einen Single Barrel unter dem eigenen Markennamen herauszubringen. Anno 2018 ist es zum ersten Mal in der 223-jährigen Firmengeschichte soweit: Ein Single Barrel von Jim Beam kommt in die Regale. Ganz so unbedarft ist man an die Sache aber natürlich doch nicht herangegangen: Von Knob Creek aus dem gleichen Hause gibt es schon seit einigen Jahren eine Single Barrel-Abfüllung.

Sechs Jahre im Kentucky-Fass entsprechen 20 Jahren in Schottland?

Die Fässer für den neuen Jim Beam Single Barrel sind wie bei allen Bourbon Whiskeys aus amerikanischer Weißeiche und wurden ausgebrannt. Sie lagern fünf bis sechs Jahre im Lagerhaus. Laut Pressemitteilung ist der Whiskey durch das wärmere Klima in Kentucky mit 20 Jahre alten schottischen Single Malts vergleichbar – wir sind da naturgemäß etwas skeptischer. Unsere Erfahrung in der Verkostung zeigt vielmehr, dass ein Whisk(e)y bei hohen Temperaturen zwar schneller reift, aber nicht unbedingt die gleiche Tiefe und Komplexität in der kürzeren Zeit gewinnt.

Wert legt Jim Beam auch auf die Feststellung, dass nur ein Prozent der eingelagerten Fässer für den Single Barrel in Frage kommen. Die Auswahl trifft Master Distiller Fred Noe angeblich persönlich – wobei er sicher Hilfe von anderen Verkostern haben wird. Andererseits verriet Noe schließlich schon im Alkoblog-Interview freimütig: „Ich probiere jeden Tag ein bisschen!“

Jede Flasche Jim Beam Single Barrel wird von Hand nummeriert (Foto: Beam Suntory)
Jede Flasche Jim Beam Single Barrel wird von Hand nummeriert (Foto: Beam Suntory)

Dieser Jim Beam kommt mit 47,5 % Alkohol in die Flasche

Aus jedem ausgewählten Fass werden etwa 200 Flaschen mit einem erhöhten Alkoholgehalt von 47,5 % abgefüllt und von Hand nummeriert. Durch das Kürzel auf dem Etikett lässt sich also jede einzelne Flasche Jim Beam Single Barrel einem bestimmten Fass zuordnen. Dennoch dürfte es bei den hergestellten Mengen sicher nicht ganz einfach werden, eine zweite Flasche eines gefundenen Lieblingsfasses noch einmal wiederzufinden.

Leider fehlte auf unserer Tastingprobe die Fassangabe und so können wir euch diese spannende Information leider nicht liefern. Es kann also gut sein, dass euer Jim Beam Single Barrel ganz anders schmeckt als unserer. Wobei – und da sind wir uns fast sicher – Fred Noe als waschechter Amerikaner sicher doch auf etwas Konsistenz bei seinen Einzelfässern achten wird und sicher kein ganz schräger Whiskey in die Flaschen kommen wird.

Unser Tasting des Jim Beam Single Barrel

Wie riecht er?

Die Eröffnung bestreitet „Jimmy Single“ mit ganz klassischen Bourbon-Aromen: Da ist die Süße, die an Zuckerguss und Popcorn erinnert. Und die Vanille, die hin und wieder in Richtung Milchkaramell tendiert. Nach dem Smalltalk wird die Unterhaltung mit Jimmy würziger, eine ganz leicht säuerliche Note von Roggen (Rye) führt uns zu Schwarzbrot und einer Spur Muskatnuss. Doch die Würzigkeit ist nicht das große Thema des Jim Beam Single Barrel. Sie blitzt gegen Ende in Form von etwas Holz noch einmal auf, aber der Gesamteindruck dieses Bourbons ist geprägt von Milde und Süße.

Wie schmeckt er?

Sehr mild und weich legt sich dieser Jim Beam auf die Zunge. Ganz anders als der kantige White Label, dieser Bourbon spielt ganz klar in einer anderen Liga. Aber auch im Vergleich zum Jim Beam Double Oak ist der Single Barrel von Beginn an glatter, geschliffener und weniger würzig. Wir schmecken deutlich Vanille und Biskuitboden, aber auch süßes Popcorn. Diese Noten nehmen viel Raum ein. Dann erst wird es nussig: Erdnüsse hinterlassen eine Spur Salz im Mund. Dazu die Bitterkeit von Zitronenschalen und ein frischer Hauch Pfefferminz. Das alles hört sich jetzt komplexer an, als es ist. Der Jim Beam Single Barrel gleitet trotz der Einzelaromen weitgehend ohne Kanten weich und zugleich überaus angenehm durch den Mund.

Jim Beam Single Barrel
Gestaltung & Story85
Geruch73
Geschmack71
Preis-Leistung90
80
Gelungen
Fazit
Mit dem Single Barrel wagt Jim Beam jetzt eine Spur Individualität im Reich der Konsistenz. Unsere Abfüllung setzte auf ganz klassische Bourbon-Aromen (Vanille, Zucker, eine Spur Roggen) und war eine Spur zu harmlos, um uns komplett aus den Socken zu hauen. Es wäre spannend zu sehen, wie stark die verschiedenen Single Casks voneinander abweichen und ob es am Ende nicht doch wieder eine Art Konsistenz gibt. Alles in allem ein sehr gelungener Bourbon Whiskey zum Pur genießen und mit rund 35 Euro pro Flasche überaus fair im Preis.

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Jim Beam Single Barrel Whiskey (1 x 0.7 l)
  • Jim Beam Single Barrel ist eine Einzelfassabfüllung und wird nicht aus mehreren vermählt.
  • Im Vorfeld werden die Fässer von Master Distiller Fred Noe handverlesen.
  • So wird ein einzigartiges Geschmackserlebnis und außergewöhnliche Premium-Qualität gewährleistet.

Letzte Aktualisierung am 12.12.2018 um 13:13 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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