Glenmorangie Spios Private Edition No. 9 im Test (Foto: Alkoblog)
Glenmorangie Spios Private Edition No. 9 im Test (Foto: Alkoblog)

Ein Single Malt, der in amerikanischen Bourbon-Fässern lagert: Nichts besonderes. Ein Malt, der in amerikanischen Rye-Whiskey-Fässern gereift wurde: Eine Seltenheit! Glenmorangie hat für seine Private Edition das Experiment gewagt und seinem beliebten Highland-Malt eine vollumfängliche Rye-Behandlung verpasst. Heute wird der Glenmorangie Spios offiziell veröffentlicht – wir haben ihn für euch exklusiv vorab probiert!

Rye Whiskeys sind bekannt für ihren würzigen, robusten Charakter. Die säuerliche Note von Estragon und frischem Brot, dazu kräuterige Aromen – das macht für mich einen gelungenen amerikanischen Roggenwhiskey aus. Ich habe gerne abends mal einen Rye „on the rocks“ im Glas. Er trinkt sich sehr angenehm nebenbei und ich habe nicht ständig das Gefühl noch Tasting Notes mitschreiben zu müssen. Es ist diese Unkompliziertheit amerikanischer Whiskeys, die sie für mich zum entspannten und dennoch keineswegs langweiligen Feierabendbegleiter macht.

Würzig, robust, säuerlich – man kann sich schon vorstellen, warum es nicht allzu viele Single Malts gibt, die schon mal ein Rye-Whiskey-Fass von innen gesehen haben. Schnell bügelt so ein rustikaler Rye einem milden Schotten seine Aromen über. Ein Touchdown made in Kentucky! Auch stelle ich es mir schwierig vor, eine Harmonie der Aromen im fertigen Whisky herzustellen, wenn das Fass einen solch markanten Eigengeschmack mitbringt, wie bei der Vorbefüllung mit Roggenwhiskey.

Stimmung wie im luxuriösen Saloon: Der Glenmorangie Spios lagerte im amerikanischen Rye-Whiskey-Fass (Foto: Hersteller)
Stimmung wie im luxuriösen Saloon: Der Glenmorangie Spios lagerte im amerikanischen Rye-Whiskey-Fass (Foto: Hersteller)

Kein Finish, sondern komplette Lagerung im Rye-Barrel

Umso mehr überrascht mich, dass Glenmorangie seinen Malt für den Spios nicht nur mit einem Rye-Finish versehen hat – nein, der Scotch wurde sogar komplett in Roggen-Whiskey-Barrels gelagert. Die hat Dr. Bill Lumsden, der erst letztens in einem Interview mit dem Alkoblog behauptet hatte, dass das Alter für seine Whiskys nicht wichtig sei, in den 90er Jahren in Kentucky für Glenmorangie gekauft. Damals war Rye Whiskey auch in den USA noch nicht hip, die Renaissance klassischer Cocktails wie Manhattan, Sazerac oder Old Fashioned mit dem Roggendestillat als Grundzutat sollte erst noch kommen.

Es spricht natürlich für jemanden wie Dr. Bill Lumsden, wenn er so vorausschauend überall auf der Welt außergewöhnliche Fässer einkauft, um sie dann in Tain, unweit der Ostküste Schottlands in den nördlichen Highlands, mit dem milden Glenmorangie zu befüllen. Es ist auch ein Risiko: Ist der Rye zu stark, ist der Glenmorangie vielleicht zu schwach. Immerhin kann man das schon mal nicht von den Prozenten sagen: 46 % hat Lumsden der neunten Private Edition spendiert.

Rätselhafter Name: Was bedeutet Spios?

Bleibt noch zu klären, was Spios eigentlich bedeutet. Beim Googeln gerade eben bin ich über einen Eintrag zu „superparamagnetischen Eisenoxidpartikeln“ gestolpert. Ich traue Dr. Lumsden ja allerhand zu, aber dass diese schrägen Teile im neuesten Glenmorangie stecken, halte ich dann doch für eher unwahrscheinlich. Falls doch, wird meine Zunge vermutlich gleich hypermagnetisiert und ich bleibe am Türrahmen hängen. Unschön wäre das… Daher wünsche ich euch lieber jetzt schon viel Spaß mit dem Glenmorangie Spios und passt gut auf eure gustatorischen Organe auf!

Diese edle Tasting-Box macht Lust auf den Glenmorangie Spios Private Edition (Foto: Alkoblog)
Diese edle Tasting-Box macht Lust auf den Glenmorangie Spios Private Edition (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Glenmorangie Spios (Private Edition No. 9)

Wie riecht er?

Eine markante Rye-Note markiert den Auftakt. Fein-säuerlich wie ein guter Essig in einer Vinaigrette. Frisches Brot mit grober Leberwurst. Dazu ausgeprägte würzige Aromen, die nach hinten hin in Eichenholz übergehen. Der Duft von After-Eight-Minzschokolade, eine Spur Sauerkirschen und frische Note, die mich an gerade gemähtes Gras erinnert.

Wie schmeckt er?

Der Roggen drückt diesem Whisky seinen Stempel auf! Würzig und holzig, mit dieser leichten Schärfe, wie sie viele holzbetonte Malts haben. Etwas Karamell, aber dennoch eher ernst im Charakter und nicht süß oder gar fruchtig. Eine Spur Muskatnuss und dann im Abgang viel Holz. Dieses Eichenaroma bleibt lange im Mund zurück. Der Glenmorangie Spios wirkt insgesamt dennoch eher jung. Er ist eher unkompliziert, als besonders komplex – ganz wie sein amerikanisches Vorbild. Mit seiner Eleganz und dem eher leichten Körper trägt er durchaus die Merkmale von Glenmorangie in sich, ist von den Aromen her aber eigenständig.

Glenmorangie Spios
Gestaltung & Story77
Geruch74
Geschmack79
Preis-Leistung65
74
Gelungen
Fazit
Ein Single Malt aus dem Rye-Fass ist eine ziemliche Rarität. Zu Unrecht, wie der Glenmorangie Spios beweist. Das würzige Rye-Aroma dominiert den Highland-Malt zwar ziemlich, aber im Ergebnis lässt sich die neunte Ausgabe der Private Edition doch sehr angenehm genießen. Zumindest wenn man holzbetonte und ernste Whiskys zu schätzen weiß. Mit 85 Euro hat der junge Experimental-Whisky allerdings seinen Preis.

1 Kommentar

  1. Als jetzt macht mal halblang: Johnnie Walker Batch Red Rye. gibts schon länger und auch etwas preiswerter…(16-17€), ookeeh, ist kein SINGLE Malt

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