Kontraste im Gegenlicht: Glendronach 12 Jahre im Test (Foto: Alkoblog)
Kontraste im Gegenlicht: Glendronach 12 Jahre im Test (Foto: Alkoblog)

Glendronach war für uns die Entdeckung beim letzten Whisky-Herbst in Berlin. Der Glendronach 18 Jahre rockte als Sherrymonster aus den östlichen Highlands unsere Nosing-Gläser und wir erlebten einen vielschichtigen Whisky, der von Sherrynoten durchzogen war, aber nie völlig von ihnen dominiert wurde. Denn das ist ja genau das Kunststück gelungener sherryfassgelagerten Whiskys: Sie tragen die besten Aromen des spanischen Weins in sich und haben dennoch ihre eigenen scotch-typischen Charakteristika. Keine Frage deshalb, dass wir noch einen weiteren Malt aus der Glendronach-Riege probieren wollten.

Die Whiskys von Glendronach im Überblick

Unsere Wahl fiel auf den Glendronach 12 Jahre. Er bildet den klassischen Einstieg in die Welt von Glendronach, denn die Highland-Destillerie hat erfreulicherweise darauf verzichtet, sich ihr Sortiment mit unzähligen NAS-Knallerbsen mit ulkigen Namen zuzuschütten. Bei Glendronach ist das Sortiment noch ganz traditionell aufgebaut, wobei mit dem 8 Jahre alten „The Hielan'“ ein ungewöhnlich junger Malt die Basis bildet. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die meisten neugierigen Whisky-Einsteiger wohl eher mit dem 12 Jahre alten „Original“ starten werden. Aufbauend folgen Allardice 18 Jahre und Parliament 21 Jahre. Ein Glendronach Peated aus getorfter Gerste gehört ebenfalls zur „Core Range“ der Destillerie. Natürlich gibt es auch noch Jahrgangsabfüllungen und eine Reihe besondere Finishes – sie alle vorzustellen würde an dieser Stelle zu weit führen. Hier gibt es den kompletten Überblick über die aktuellen Glendronach-Whiskys.

Malerisches Destillerie-Gebäude: Hier wird seit 1826 - wenn auch nicht durchgängig - Whisky gebrannt (Foto: Wolf Gang / Flickr)
Malerisches Destillerie-Gebäude: Hier wird seit 1826 – wenn auch nicht durchgängig – Whisky gebrannt (Foto: Wolf Gang / Flickr)

Fast alle Glendronach-Whiskys waren mal im Sherryfass – so auch der 12er

Wer über Glendronach spricht, muss auch über Sherry reden: Denn praktisch alle regulären Whiskys der Highland-Destillerie verbringen zumindest einen Teil ihrer Reifezeit in Sherry-Fässern. Der Glendronach 12 Jahre reift sogar ausschließlich in Pedro Ximenez und Oloroso-Fässern und hat somit mehr als ausreichend Zeit sowohl die süßen, als auch die herb-fruchtigen Noten des verstärkten spanischen Weins in sich aufzunehmen.

Ruhe ist auch sonst das Motto. Denn Glendronach liegt im 4.768-Seelen-Ort Forgue by Huntly – und dort laufen die Uhren etwas langsamer. Quasi auf der Rückseite der Cairngorms gelegen, verirren sich nur wenige Touristen hierher. Schade, denn die denkmalgeschützten Feldsteingebäude der Destillerie (gegründet 1826) sind überaus sehenswert und machen Glendronach trotz eines moderneren Anbaus zu einer der malerischsten Brennereien der Highlands.

Die Glendronach-Whiskys werden in bauchigen Brennblasen hergestellt - hier zu sehen Spirit Still No. 2 (Foto: Stéphane Damour / Flickr)
Die Glendronach-Whiskys werden in bauchigen Brennblasen hergestellt – hier zu sehen Spirit Still No. 2 (Foto: Stéphane Damour / Flickr)

Nicht gefiltert, nicht gefärbt: Der 12-jährige Glendronach gibt sich ganz natürlich

Der Glendronach 12 Jahre kommt mit 43 % in die Flasche, eine erfreuliche Abwechslung zu den vielen Einsteiger-Malts mit nur 40 %. Als weitere Besonderheit kommt der Whisky ungefiltert und ungefärbt in die Flasche. Ein ganz natürlicher Malt also, was ihm erste Sympathiepunkte einbringt. Denn man hat nicht den Eindruck, dass dem Glendronach 12 durch den Verzicht auf Filterung irgendwelcher Schwebeteilchen und den fehlenden Zusatz von Karamellfarbe irgendetwas fehlen würde. Ganz im Gegenteil: dieser Whisky lässt sich in der Verkostung nicht lange bitten!

Unser Tasting des Glendronach 12 Jahre

Wie riecht er?

Fruchtig, süß und voll – der Glendronach 12 macht sich sofort breit und versucht mit jedem ins Gespräch zu kommen. Wir riechen reife Birnen und Himbeeren. Auch der Sherry ist deutlich dabei mit Noten von Wein, Waldfruchtmarmelade und Rosinen.

Wie schmeckt er?

Ein prickelndes Mundgefühl ist der erste Eindruck, den der 12-jährige Glendronach hinterlässt. Ansonsten eher leicht und süß, dabei aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Das hier ist kein Ausflug zum Rummelplatz mit Zuckerwatte & Vanillestangen! Wir schmecken vielmehr Rosinen, dunkle Schokolade, Orangenmarmelade und Trockenfrüchte (Kirschen?). Über allem liegt deutlich erkennbar der Sherry, der dennoch wie schon beim 18-jährigen den Whisky-Aromen dennoch genug Raum gibt und sie nicht völlig überlagert. Der Abgang ist leicht pfeffrig-scharf und trocken. Die Erinnerung an Rosinen verbleibt noch kurze Zeit im Mund, dann lädt der Glendronach 12 zum nächsten Dram.

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Glendronach 12 Jahre
Gestaltung & Story85
Geruch82
Geschmack85
Preis-Leistung88
85
Großartig
Fazit
Glendronach bedeutet so viel wie "Tal der Brombeerhecken". Und in dieser Hecke steckt ein echter Sherry-Bomber, der uns mit einem ganzen Arsenal an spannenden Aromen einen heißen Empfang bereitet. Wer einen günstigen Einstieg in die Welt der sherrybetonten Whiskys sucht, findet hier für unter 40 Euro eine großartige Flasche. Und auch fortgeschrittene Whisky-Genießer werden den Glendronach 12 gerne als Gast in ihrer Heimbar begrüßen wollen.

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