Kentuckys romantischster Bourbon: Woodford Reserve Distillers Select im Test

Eine hügelige einsame Landstraße in Kentucky, links und rechts säumen alte Bäume den Weg. Hin  und wieder taucht eine ausladende Weide am Rande der Straße auf. Fast könnte man sich schon an Schottland erinnert fühlen, doch dafür sind hier eindeutig viel zu wenige Schafe unterwegs. Nur uns neugierige Pferde begrüßen uns an den charakteristischen Zäunen.

Mit diesen Bildern im Kopf, wird uns schon auf dem Hinweg zur Destillerie klar, dass Woodford Reserve in einer der schönsten Ecken von Kentucky liegt.

Typische Landschaft im Hinterland von Kentucky. Im Bild sind Pferde auf einer Koppel in der Nähe der Woodford Reserve Distillery zu sehen. (Foto: Alkoblog)
Typische Landschaft im Hinterland von Kentucky. Im Bild sind Pferde auf einer Koppel in der Nähe der Woodford Reserve Distillery zu sehen.
(Foto: Alkoblog)

Alte Geschichte, junge Destillerie

Die Destillerie und den Bourbon-Whiskey unter dem Namen Woodford Reserve, gibt es eigentlich erst seit dem Jahr 1996. Zwar gab es an diesem Standort bereits seit dem Jahr 1812 eine Whiskey-Destillerie, aber erst zum Anfang der Neunziger-Jahre kaufte der große Getränkekonzern Brown-Forman (zu dem auch Jack Daniel´s gehört) die damalige Labrot & Graham Destillerie, restaurierte sie und begann 1996 mit der Produktion von Whiskey.

Da der frisch produzierte Whiskey vor der Abfüllung noch reifen musste, wurde zwischen 1996 und 2002 Old Forester Whiskey aus der Early Times Destillerie unter dem Namen Woodford Reserve verkauft. Da die Marke erfolgreich und schon gut etabliert war, behielt man den Namen auch nach der Abfüllung des ersten „eigenen“ Whiskeys bei.

Im Gärbottich wird die Mash Bill durch Hefekulturen vergoren. (Foto: Alkoblog)
Im Gärbottich wird die Mash Bill durch Hefekulturen vergoren. (Foto: Alkoblog)

Hoher Rye-Anteil in der Mash-Bill des Woodford Reserve

Die Mash-Bill von Woodford Reserve Bourbon setzt sich zu 72% aus Mais, 18% Rye (Roggen) und 10% gemälzter Gerste in der Maische zusammen. Im Vergleich zu anderen Bourbon-Whiskeys ist der Roggenanteil in dieser Mash-Bill vergleichsweise hoch. Durch den höheren Roggenanteil wird auch der Bourbon kräftiger und würziger. Mehr allgemeine Informationen über den Einfluss der Mash Bill auf den Bourbon-Geschmack findet ihr im verlinkten Artikel.

Pott Stills in der Woodford Reserve Distillery. (Foto: Alkoblog)
Pott Stills in der Woodford Reserve Distillery. (Foto: Alkoblog)

Woodford Reserve und die Legende von den Pot Stills

Bei einem Besuch der Woodford Reserve Distillery werden einem während der Tour viele alte Destillerie-Gebäude, Warehouses und auch das Still-House mit den drei Pot Stills gezeigt. Tatsächlich stammt allerdings nur ein sehr kleiner Teil des Woodfords Reserve Whiskeys aus dieser Destillerie und diesen Pot Stills. Streng genommen ist die Destillerie nämlich eher  ein sehr großes Besucherzentrum.

Der weitaus größere Teil des Whiskeys von Woodford Reserve wird nicht in der malerisch gelegenen Destillerie, sondern in einer ungenannten anderen Destillerie gebrannt. Vermutlich handelt es sich dabei um die Early Times Distillery, welche im nahegelegenen Shively liegt. Dort wird der Whiskey dann auch nicht aufwendig in den schönen Pot Stills, sondern im großen Stil,  im effizienten und industriellen Column-Stil-Verfahren produziert.

Erfindungsreichtum in der Bourbon-Produktion

Auch anderen Tricks und Kniffen der Whiskey-Produktion ist man bei Woodford Reserve nicht vollkommen abgeneigt. So sind die fünf Warehouses (weitere sind aktuell in Planung)  beheizbar.  Nicht weil dem Bourbon im Winter kalt wird, sondern um die Reifung des Whiskeys zu beschleunigen.

Normalerweise zieht der lagernde Whiskey im Sommer durch die wärmeren Temperaturen in das Holz des Fasses wobei er Aromen aufnimmt. Im Winter sinkt der Druck im Fass und der Whiskey zieht sich aus dem Fassholz zurück, wobei er die Aromen „mitnimmt“. Durch das Beheizen der Warhouses im Winter kann dieser natürlichen Reifezyklus simuliert und auf diese Weise beschleunigt werden. Pro Warehouse werden in dieser Art etwa 50.000 American Standard Barrels, mit je 200 Litern Bourbon-Whiskey gelagert.

Hoch gestapelt. Lagerung von Bourbonfässern bei Woodford Reserve. (Foto: Alkoblog)
Hoch gestapelt. Lagerung von Bourbonfässern bei Woodford Reserve. (Foto: Alkoblog)

Lagerung zwischen 6 und 7 Jahren und Abfüllung in Batches

Der Distiller´s Select wird vor der Abfüllung zwischen sechs und sieben Jahren gelagert. Durch die besonderen Lagerungsbedingungen soll er jedoch reifer schmecken. Die Abfüllung erfolgt in Batches, das Batch und die Flaschenzahl sind jeweils auf dem Etikett vermerkt. Pro Batch werden 139 Fässer miteinander verblendet und schließlich mit 43,2% abgefüllt. Kann der Woodford Reserve im Tasting-Glas überzeugen?

Unser Tasting des Woodford Reserve Distillers Select

Wie riecht er?

In der Nase tritt direkt ein Geruch von milder Süße hervor. Helles Karamell, Erdbeermarmelade, grüner Apfel und würzige Eichenholznoten sind erste Assoziationen. Darüber hinaus rieche ich auch würziges Gebäck wie Spekulatius, Marzipan, Vanille und Zitronenschale. Dazu kommen kühle Menthol-Noten. Ein nicht übermäßig komplexer Geruch aber rund in der Gesamtkomposition.

Wie schmeckt er?

Im Antritt schmecke ich Eichenholz, Roggen, dunkles Karamell und erdige nussige Noten, die mich an Nougat erinnern, erst dann kommt die Süße mit Vanille durch. Im Mitteteil kommt der Geschmack von Zitronenschale, Orangen und zum Abgang Zartbitterschokolade hervor. Auch etwas Minze und Zimt sind zu schmecken. Im Nachklang leicht holzig und erdig-kohlig mit würzigen Noten von Rosmarin.

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Woodford Reserve Distillers Select
Gestaltung & Story84
Geruch82
Geschmack80
Preis-Leistung84
83
Fazit
Der Woodford Reserve Distiller`s Select ist ein schöner Feierabend-Bourbon. In Nase und Mund bringt er ordentlich Schwung mit, daher kann man ihn auch im Tumbler mit großem Eiswürfel genießen und ihn so etwas abmildern. Auch in edlen Spirit-Forward-Cocktails setzt er sich durch seine kräftigen Aromen gut durch. Mit knapp über 30 Euro fair bepreist.

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