Whisky

Veröffentlicht am 8. Mai 2016 | Foto: Anataman / Flickr

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Hungry like the wolf: Wolfburn First General Release im Test

In touch with the ground
I’m on the hunt down I’m after you
Smell like I sound I’m lost in a crowd.
And I’m hungry like the wolf. – Duran Duran in Hungry like the Wolf (1982)

Ja, hungrig wie die jungen Wölfe waren wir! Kaum hatten wir vom ersten, offiziellen Release von Wolfburn gehört, schon standen wir beim deutschen Importeur auf der Matte: „Bitte, bitte gebt uns ein Sample vom neuen Whisky“, heulten wir jungen Wölfe. Und zogen erst bei Morgengrauen ab, als wir endlich ein kleines Fläschchen des neuen Whiskys erbeutet hatten…

So markentreu wir Whisky-Genießer häufig auch sind – sobald wir einmal über den Glasrand schauen, sehen wir doch schnell eine Destillerie, vor der das Gras auf der Wiese doch noch etwas grüner erscheint. Und schon sind wir da, wir Whisky-Wölfe und wollen unseren Anteil haben am frischen Destillat.

Ein neuer Wolf im hohen Norden: Die Wolfburn-Destillerie in Thurso

Wolfburn ist eine der jüngsten Destillerien Schottlands und wurde erst 2012 in Thurso gegründet. Thurwo?

Thurso liegt an der Nordküste von Schottland. Von hier kann man mit der Fähre auf die Orkney-Inseln übersetzen. Der Highland-Highway A9 endet hier, nachdem er die Cairngorms durchquert, die Speyside gestreift und so bekannte Namen wie Dalmore und Glenmorangie hinter sich gelassen hat. Thurso ist gewissermaßen Endstation. Oder Beginn – je nachdem von welcher Seite man es betrachtet.

Von der alten Destillerie aus dem Jahre 1821 war nicht mehr viel übrig. Und so bauten die privaten Investoren gut 350 Meter vom alten Standort entfernt eine neue Destillerie nach modernsten Standards auf. Im Januar 2013 floss der erste New Spirit aus den Brennblasen – Wolfburn was born!

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Drei Jahre ist es her: Shane Fraser und Iain Kerr füllen den ersten Whisky in Fässer. (Foto: Wolfburn)

Zwischendurch gab es immer mal wieder Tasting Notes und kleinere Proben des New Make im Rahmen von Festivals – nur Whisky durfte sich das ganze da noch nicht nennen: Erst nach 3 Jahren Lagerung im Fass ist ein Scotch ein Scotch. Umso gespannter waren wir, was Shane Fraser (zuvor bei Royal Lochnagar, Oban, Glenfarclas) und Iain Kerr (Balmenach Distillery, Allt a Bhainne Distillery, Glenlivet) mit ihrer Erfahrung aus dem jungen Whisky gemacht haben.

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Nagelneu: Die kupfernen Brennblasen von Wolfburn in Thurso (Foto: Wolfburn)

Ex-Quarter-Casks von Laphroaig für mehr Rauch und Torf

Die Fakten lesen sich schon mal gut: Das Wolfburn First General Release wurde in Ex-Bourbon-Fässern gelagert. Viele davon waren wohl ehemalige Quarter Casks von Laphroaig und dementsprechend reich an rauchig-torfigen Noten. Mit 46 % wurde der junge Single Malt abgefüllt und hierfür weder gefärbt noch kühlgefiltert. Dementsprechend blaßgelb schimmert er im Glas. Das alles lässt ein natürliches Whisky-Erlebnis erhoffen.

Und doch: Ist dieser Wolfburn ein echter Wolf oder nur ein schwarzes Schaf?

Unser Tasting des Wolfburn First General Release

Wie riecht er?

Ja, der New Make ist noch gut zu riechen. Fast hat man das Gefühl im Stillhouse von Wolfburn zu stehen, mit den glänzenden Brennblasen und einfach mal kräftig einzuatmen. Ahhh, was für ein Duft! Mich erinnert er vor allem an Hefeteig und krosses Laugengebäck.

Schön malzig und salzig ist dieser Geruch. Dabei zugleich frisch mit einem Hauch Zitronenschale. Über allem liegt ein feiner Rauch, wie der Geruch eines Grills, der tags zuvor an war und dessen Aschereste jetzt vor sich hinschlummern. Hinten ist der Wolfburn Single Malt eher kurz und trocken und erinnert mich an trockenen Weißwein. Es ist ein Geduldsspiel mit diesem Whisky, der seine Aromen eher fein ausbreitet und nicht wie ein Wolf gleich herausheult. Und doch lohnt es sich dranzubleiben: So kommt nach einigen Minuten Standzeit noch eine Mandeltarte zum Dessert, die ich anderenfalls wohl verpasst hätte.

Wie schmeckt er?

Erster Eindruck: Dieser Wolf ist eine erstaunlich runde Sache! Breit aufgestellt bei den Getreidenoten, erinnert mich an Schwarzbrot und Pumpernickel. Dabei strukturiert genug, um nicht eintönig zu werden. Da ist die feine Salzigkeit, die erneut an Laugengebäck, aber auch an die Küste erinnert. Da sind die nussigen Noten, die dezent durchkommen. Hinten ist der junge Wolfburn würzig und hinterlässt einen verbrannten Nachgeschmack auf der Zunge. Diese rauchig-torfige Note bleibt noch minutenlang im Mund zurück und macht klar: Das ist hier definitiv kein weichgespülter Mainstream-Whisky, sondern ein Jungwolf, der schon bald die etablierten Destillerien attackieren könnte.

Danke an Corinna Schwarz von Alba-Import für das Sample des Wolfburn General Release.

Alkoblog.de Whisky-Test:

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Dieser Wolf hat echt Biss! Wolfburn zeigt, was ein Whisky mit der richtigen Lagerung in den ersten drei Jahren erreichen kann. Klar kommt der New Make noch durch, aber der salzige, malzige und leicht rauchig-torfige Charakter diesese Whiskys hat uns überzeugt. Ein starker Start für einen jungen Wolf! Nur die Preis-Leistung (50-60 Euro pro Flasche) verhindert eine bessere Wertung. Wer junge Whiskys liebt, kann trotzdem zuschlagen! Wir freuen uns jedenfalls schon auf den ersten Wolfburn 10 Jahre.

3.7



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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