Die Begeisterung für Whisky, eine der traditionsreichsten und vielschichtigsten Spirituosen der Welt, ist bis heute ungebrochen. Doch zugegeben: Für den Whisky-Einsteiger ist oft schwierig zwischen den unzähligen Destillerien, Jahres- und Herstellungsbezeichnungen sowie Abfüllungen den Überblick zu behalten. In diesem Artikel halten wir es einfach und erläutern wie ihr euch sinnvoll eine erste kleine Whiskysammlung aufbauen könnt.

Erster Schritt zur Whiskysammlung: Überblick & eigene Vorlieben

Wer die ersten Schritte zur eigenen Whiskysammlung geht, muss dabei keinesfalls besonders tief in die Tasche greifen. Doch es sollen natürlich nicht wahllos einzelne Flaschen gekauft, sondern gezielt der eigene Geschmack erkundet werden. Entscheidet man sich für schottische Whiskys, so empfiehlt es sich Flaschen aus verschiedenen Whiskyregionen zu erwerben, die jede für sich eine eigene Charakteristik aufweisen.

So schmecken die kräftigen und stark getorften Islay-Whiskys mit ihren salzigen, manchmal medizinischen Aromen vollkommen anders als die eher fruchtigen, blumigen und eleganten Whiskys der Highlands oder der Speyside. In Schottland werden fünf Whiskyregionen unterschieden: Highlands, Lowlands, Speyside, Islands und Islay. Entscheidend für den Geschmack sind neben der Herkunft aber vor allem die verwendeten Rohstoffe, das handwerkliche Geschick, die Art und Länge der Lagerung, die verwendeten Fässer und weitere Faktoren. Obwohl zum Brennen von Single Malts ausschließlich gemälzte Gerste und Wasser verwendet werden darf, existiert so eine große Bandbreite ganz unterschiedlicher Whiskys mit den verschiedensten Aromen.

Die Spezialabfüllungen können warten

Für den Anfang ignoriert ihr am besten die vielen (und häufig teuren) Spezialabfüllungen der Destillerien, da sie den Blick auf das Wesentliche verstellen und orientiert euch an den jüngeren Standardabfüllungen der entsprechenden Hersteller. Ein guter Whisky muss nicht unbedingt besonders alt sein. Es gibt sehr gute jüngere Whiskys – und sehr alte schlechte. Gleichwohl gewinnen viele Whiskys durch die längere Fassreifung an Komplexität hinzu und bilden andere Aromen heraus. Doch als Einsteiger wird man diese kaum vollständig würdigen können. Schon für relativ wenig Geld sind hervorragende Basis-Abfüllungen erhältlich, die einem einen ersten Überblick über verschiedene Geschmacksrichtungen geben können. In unserer Liste gute Whiskys für unter 50 Euro haben wir einige davon zusammengestellt.

Entscheidet man sich zum Beispiel:

hat man schon eine breite Palette aus verschiedenen Whiskyregionen probiert und für etwas mehr als 100 Euro Gesamtpreis einige der bekanntesten Destillerien Schottlands kennengelernt. Wer nicht gleich mit ganzen Flaschen einsteigen möchte, kann sich auch Miniaturen mit 50 ml Inhalt holen, die viele der großen Whisky-Hersteller im Angebot haben. Diese weisen zwar einen deutlich höheren Literpreis auf, allerdings kann man so einen potenziell interessanten Whisky ohne großes Risiko vorkosten. Wenn der Whisky gefällt, kann er immer noch in der großen Version nachgekauft werden. Wenn nicht, verstaubt wenigstens keine ungeliebte Flasche in der Hausbar. Eure Freundin oder Frau wird es euch danken.

Frauen und die eigene Whiskysammlung

Ohnehin: Frauen und die Whiskysammlung ist ein Thema, welches einen eigenen Artikel verdient hätte. So ist festzustellen, dass der Besitz von 1-3 Flaschen durchaus noch Interesse beim anderen Geschlecht weckt. Sobald mehr Flaschen die Schrankwand im Wohnzimmer schmücken, sinkt das Verständnis rapide. „Trinkst du die auch mal aus?“ – „Noch eine Flasche? Du hast doch schon so viele“, sind noch einige der harmloseren Bemerkungen, denen sich passionierte Whiskysammler ausgesetzt sehen. Manchmal hilft es an dieser Stelle, den Charakter der Sammlung und die markanten Unterschiede zwischen jeder Flasche zu erklären. Früher oder später empfiehlt sich aber ohnehin der Umzug des Whiskys in ein eigenes Regal oder eine separate Hausbar.

Zweiter Schritt: Sammlung ergänzen und gezielt Highlights einkaufen

Hat man den Einstieg geschafft, die Liebste vom emotionalen Wert einer Whiskysammlung überzeugt und sich und seinen eigenen Geschmack etwas besser kennengelernt, kann man zunehmend dazu übergehen auch einzelne Highlights des höheren Preissegments zu erwerben. Hat man bereits eine Lieblingsdestillerie gefunden, so kann man sich zum Beispiel einmal an einer älteren Abfüllung (zum Beispiel 15 Jahre oder 18 Jahre) probieren, die häufig eine größere Komplexität und reifere Aromen aufweisen wird.

Bourbon, Sherry & Co.: Whiskys mit besonderem Finish

Ein anderer Weg geht über Abfüllungen mit besonderen Finishings. Bei diesem Verfahren werden Fässer verwendet, in denen zuvor andere Spirituosen wie zum Beispiel Sherry, Rum, Bordeaux oder Bourbon-Whisky gelagert wurden. Der Whisky nimmt während der Lagerung einen Teil dieser Aromen auf. Teilweise reift ein Whisky sogar in mehreren unterschiedlich vorgeprägten Fässern nacheinander. Diese Abfüllungen werden häufig als Triple Cask, Double Wood oder Whisky mit Finish bezeichnet. Es überrascht selbst Kenner immer wieder, welche verschiedenen Aromen sich durch das unterschiedliche Finishing bilden können. Darüber hinaus sind auch Single Cask- oder Cask Strength-Whisky eine spannende Ergänzung für jede Whiskysammlung.

Sinnvoll ist es jedoch auch, weiter neugierig zu bleiben und neue Destillerien zu probieren. Gerade kleinere Abfüller erweitern das eigene Spektrum um Abfüllungen, die vom Massengeschmack abweichen und mutiger mit den Extremen spielen. In den letzten Jahren sind mehr und mehr Destillerien dazu übergegangen, jüngere Whiskys ohne Altersangabe auf den Markt zu bringen (so genannte No-Age-Statements, kurz NAS). Diese sind mindestens drei Jahre (häufiger 6-9 Jahre) gereift und müssen nicht schlechter sein. Für Sammler wird die Lage damit aber natürlich unübersichtlicher und viele der Abfüllungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Gutes Beispiel hierfür ist der Talisker 10 Jahre und der Talisker Storm – beide sind gut, tragen aber eindeutig den gleichen markanten Stil der Insel-Destillerie.

Neugierige Whisky-Einsteiger können ihren Horizont auch über die Landesgrenzen von Schottland hinaus erweitern: Auch im fernen Japan wird zum Beispiel sehr guter Whiskey gebrannt, mit irischem Whiskey oder amerikanischem Bourbon kommen weitere Erzeugnisse hinzu, die in einer anderen Tradition hergestellt werden. Auch sie sind einen Blick beziehungsweise Schluck wert.

Was waren eure ersten Schritte in die Welt des Whiskys? Welche Flaschen würdet ihr zum Einstieg empfehlen? Wir freuen uns auf eure Anregungen in den Kommentaren!

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