Über den White Horse war ich schon vor einer ganzen Weile in Jason’s Scotch Reviews Blog gestolpert. Er hatte den Scotch Blend als aufregende Mischung aus rauchigen Islay-Malts und wilden Speysidern beschrieben. Ich war neugierig, aber wie das manchmal so ist: Das weiße Pferd galoppierte mir einfach nicht über den Weg.

Doch dann war ich kürzlich im Urlaub in Montenegro: Ein muffiger Mini-Getränke-Supermarkt-Späti in Budva. Mein Blick gleitet über das Spirituosen-Regal. Neben dem üblichen Slivo auch einige Scotch Blends. Teils zu äußerst kreativen Preisen (Chivas Regal 12 Jahre für 53 Euro??!!). Und der White Horse. Das Pferd lacht mich vom Karton aus an. Für etwas über 14 Euro kann ich es mitnehmen. Ich zögere keine Sekunde. Mit der Packung in der Hand trete ich auf die Straße – wo meine Frau schon wartet: „Wo warst du denn so lange?“ – „Ich habe ein Pferd gekauft.“ – „Wie bitte?!“ …

Die Legende des weißen Pferdes

Die Geschichte des White Horse ist spannender, als die vieler anderer Whiskys: Demnach wurde der Blend das erste Mal von James Logan Mackie im Jahr 1861 produziert. Ihm gehörte die Lagavulin-Destillerie auf Islay, schon seinerzeit bekannt für ihre torfigen Whiskys und heute eine der Premium-Brennereien der Insel. Aber zu dieser Zeit war an Single Malts noch nicht zu denken. Scotch wurde als günstiger Blend getrunken. Der Name „White Horse“ stammt von Mackies Lieblingsunterkunft – dem White Horse Cellar Inn in Edinburgh. Das Logo des Whiskys ist eine Reproduktion des alten Pub-Schilds über dem Eingang.

Zum White Horse Blend gibt es noch eine weitere Geschichte, welche auf dem Karton erzählt wird. Sie handelt von der Postkutsche, die damals immer Montags und Freitags frühmorgens von Edinburgh nach London fuhr und für diese Reise mindestens acht Tage brauchte (gutes Wetter mal vorausgesetzt). Wurde der Whisky an die Reisenden ausgeschenkt? Das bleibt leider unklar. Unterschrieben ist die Geschichte mit dem Datum 1754 – da gab es den White Horse ja noch garnicht.

Um den White Horse ranken sich also viele Legenden. Eine weitere (ebenfalls vom Karton) lautet: Das Herz des Blends besteht aus Lagavulin. Jason hat in seinem Blog bereits angezweifelt, ob sich tatsächlich größere Mengen des sehr nachgefragten Islay-Malts darin befinden. Er führt einerseits den Geschmack an, der für ihn mehr in Richtung Caol Ila tendiert und andererseits die Preispolitik (Lagavulin ist mittlerweile einfach zu teuer, um ihn in günstigen Blends zu verbraten). Wir werden sehen, was an der Lagavulin-Blend-Story dran ist.

Die aktuelle Flasche des White Horse Scotch Whisky hat eine Schlankheitskur hinter sich (Foto: Amazon)
Die aktuelle Flasche des White Horse Scotch Whisky hat eine Schlankheitskur hinter sich (Foto: Amazon)

Unser Tasting des White Horse Scotch Whisky

Wie riecht er?

Das ist keine Überraschung: Das „weiße Pferd“ mag Äpfel. Wir riechen Früchte, der Blend wirkt recht süß, lieblich und jung. Immer wieder schleicht sich etwas New Make in die Nase. Der Geruch von getrockneten Bananenchips, kandierten Früchten und Bienenwachs mischt sich mit sauren Apfelringen, wie ich sie noch aus der Schulzeit kenne. Auch einige florale Noten (Rose) verstecken sich in der Mischung – einer unserer Tester verband dies mit dem Geruch von Mottenkugeln…

Wie schmeckt er?

Ein Pferd, dass nach Mottenkugeln riecht? Das kann ja nur besser werden. Tatsächlich fährt der White Horse beim Geschmack mehr auf: Ausgeprägt rauchig legt er sich auf die Zunge wie ein Stück erloschene Grillkohle. Doch nur kurz, dann kommen die Frucht bzw. Gemüsenoten: Grüner Apfel, Zuckermais und ordentlich Sherry. Hinten schließt der White Horse recht trocken mit etwas Eiche, aber angenehmerweise fast ohne scharfen Alkohol. Wirklich ein angenehmer Zeitgenosse für den Feierabend, wenngleich er nicht außergewöhnlich komplex ist. Übrigens: Laut Scotchwhisky.net enthält der White Horse zu 40 % Malt Whiskys, die restlichen 60 % werden mit Grain Whisky aufgegossen.

Wieviel Lagavulin steckt im White Horse Whisky?

Hat der White Horse Blend tatsächlich Lagavulin mit drin? Schwer zu sagen bei dieser Mischung. Wenn ja, dann gehen vermutlich einige der rauchigen Aromen auf seine Kappe. Allerdings könnte es eben auch gut Caol Ila sein, der hier den Ton angibt. Bei bis zu 40 enthaltenen Whiskys im Blend wird die Premium-Destillerie Lagavulin vermutlich doch eher eine Nebenrolle spielen. Aber ist es nicht genau dieses Spiel aus Unsicherheit und Hoffnung, die den Genuss des White Horse so spannend macht?

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White Horse Scotch Whisky
Gestaltung & Story85
Geruch60
Geschmack62
Preis-Leistung75
71
Rauchig
Fazit
Da tritt mich ein Pferd: Der White Horse wirbelt ordentlich Rauch auf. Die Aromen dieses Blends sind abwechslungsreich wie eine Kutschfahrt durch die Highlands. Und bei jedem Tasting haben wir etwas anderes geschmeckt. Ein Ritt auf dem "weißen Pferd" lohnt sich also - nicht nur, weil vielleicht etwas Lagavulin mit im Blend steckt. Der Preis von rund 15 Euro ist fair.

3 Kommentare

  1. Guten Tag,
    ich habe zum Geburtstag eine Flasche Whisky White-Horse mit der Herstellungs-Serie 390789 bekommen.
    Meine Frage, welchen Wert hat dieser Whisky.
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
    Mit freundlichen Gruß
    Lutz Rackebrandt
    Dortmund

    1. Da es sich beim White Horse um einen weit verbreiteten Scotch Blend handelt, hat die Flasche höchstwahrscheinlich keinen besonderen Wert. Zumindest, wenn es sich nicht um eine sehr alte Abfüllung mit anderem Etikett/anderer Gestaltung handelt. Am besten genießen Sie den White Horse also einfach: Entweder ungekühlt in einem Nosing-Glas oder mit etwas Eis und einem Schuss Cola. Beides können wir nur empfehlen!

  2. hallo,
    ich habe heute in england bei einer renovierung eine flasche aus dem jahr 1958 mit der serie nummer 4284338.. wenn du also die alte flasche hast.., dann kann sie recht teuer sein… weil wie vor meine hergestellt wurde..

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