Whisky

Veröffentlicht am 2. Januar 2017 | Foto: Alkoblog

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Whiskyfass-Größen und ihr Einfluss auf den Malt Whisky

Ob ihr eine schottische Whisky-Destillerie besucht oder in eine Bourbon-Produktion in Kentucky reinschnuppert: In jedem Warehouse werdet ihr eine Vielzahl von Eichenholzfässern vorfinden. Die Fasslagerung ist ungemein wichtig, gehen doch Experten davon aus, dass bis zu 80% der Aromen eines Whiskys durch seine Reifung und der Interaktion mit dem Holz entstehen. Mit den verschiedenen Eichenholzarten, der Herstellung der Fässer und dem Finishing haben wir uns bereits in unserem Artikel zur Whisky-Lagerung beschäftigt.

Neben der bisherigen Füllung eines Fasses (z.B. Ex-Bourbon-Fass oder Ex-Sherry-Cask) ist aber auch die Größe entscheidend für den Geschmack des fertigen Whiskys. Und zwar zum einen das Füllvolumen des Fasses und zum anderen – damit unmittelbar verknüpft – die Fassoberfläche, die mit der Spirituose in Verbindung kommt.

Faustregel: Je kleiner ein Fass ist, desto größer ist der Kontakt zwischen Holz und Whisky. Folglich kann das Holz mehr Aromen und auch Farbe an den Whisky abgeben. Ein kleines Fass führt aber auch wesentlich schneller zu einer zu scharfen holzigen Note. Je nach gewünschtem Resultat müssen Destillerien also genau abwägen, welche Fässer sie für ihre Lagerung auswählen.

Da die verschiedenen Fässer ursprünglich in der englischen Maßeinheit Gallone bemessen wurden, sind die im Folgenden genannten Volumina der Fässer nicht auf den Liter genau. Zunächst möchten wir euch einen Überblick über die wichtigsten Arten von Whiskyfässern geben.

Die am häufigsten für die Whisky-Lagerung verwendeten Fässer sind American Standard Barrel und „umgebaute“ Hogshead-Fässer. (Foto: Alkoblog)

Die 3 häufigsten Whiskyfass-Arten

American Standard Barrel / Bourbon-Whiskey-Fass (200 Liter)

Dieses amerikanische “Standard-Fass” beinhaltet 200 Liter und wird sehr häufig  für die Whisky-Produktion genutzt. Der Grund dafür ist einfach: Da für die Herstellung von Bourbon Whisky in den USA laut Gesetz jedes Fass nur ein einziges Mal verwendet werden darf, werden diese Fässer anschließend an Whisky-Distillerien zur weiteren Nutzung verkauft.

Hogshead (225 bis 250 Liter)

Hogshead sind Fässer aus amerikanischer oder französischer Eiche und fassen 225 bis 250 Liter. Sie werden häufig aus Standard-Bourbon-Fässern hergestellt, die für den Transport in ihre Einzelteile zerlegt und beim Zusammensetzen mit weiteren Dauben vergrößert werden. Aber auch aus alten Sherry-Fässern werden Hogsheads produziert. Ein Großteil der irischen und schottischen Whiskys wird in ihnen gereift.

Klarer Größenunterschied zwischen kleinen Ex-Bourbon-Whiskyfässern und spanischen Sherryfässern, hier vor der Ardbeg-Destillerie auf Islay. (Foto: Alkoblog)

Sherry Butt (500 Liter)

Die Bezeichnung Butt leitet sich ab von dem italienischen Wort „botte“ – Fass ab. Diese meist aus europäischer Eiche hergestellten Fässer haben ein Fassungsvermögen von 500 Litern. Bei Butt-Fässern werden zwei unterschiedliche Bauweisen unterschieden:  Sherry-Butts sind lange, dünne Fässer aus der Sherry-Produktion – Port-Butts sind etwas gedrungenere Fässer der Portwein-Herstellung.

Seltenere Whiskyfass-Größen

Die folgenden Arten von Fässern werden ebenfalls für die Lagerung von Whisky eingesetzt, wenn auch seltener als die oben genannten Varianten.

Puncheon (600 Liter)

Puncheon war ursprünglich eine alte englische Maßeinheit und wurde mit Fass übersetzt. Es beinhaltet wie ein Butt 500 Liter, ist aber ein eher breites Fass. In Spanien werden auch Puncheons mit einem Fassungsvermögen von 600 Litern hergestellt.

Quarter casks (50 Liter)

Wie sich aus der Bezeichnung quarter cask ablesen lässt, entspricht ein solches Fass einem Viertel eines ASB, also 50 Litern. Früher waren quarter casks beliebt, weil sie sehr leicht zu transportieren waren. Heute werden sie vor allem für eine schnellere Reifung von Whiskys verwendet. Ihr Vorteil liegt im hohen Holzkontakt, den der Malt erhält. Der wohl bekannteste Whisky aus dieser Fass-Art ist der Laphroaig Quarter Cask.

Madeira Drum (650 Liter)

Ursprünglich für die Reifung von Portwein auf der portugiesischen Insel Madeira produziert, sind diese 650 Liter Fässer beliebt, um Whisky ein aromatisches Finish zu verpassen. Inzwischen experimentieren einige Distillerien aber auch mit einer langen Reifung in einer Madeira Drum. Hergestellt werden die Fässer aus dem Holz der Trauben-Eiche.

Exklusive Weinfässer des Château d’Yquem aus Frankreich werden auch für die Lagerung von Whisky eingesetzt. (Foto: Alkoblog)

Barrique (220 bis 300 Liter)

Zunächst wurden die Fässer lediglich für den Transport von Wein nach England genutzt. Heute dienen Barrique Fässer, bevor sie im Finish von Whiskys zum Einsatz kommen, zur Lagerung von französischem Wein. Das Barrique wurde so zum Synonym für Holzfass, für das es kein festgelegtes Maß existiert: Je nach Art beinhaltet es zwischen 220 und 300 Litern.

Gorda (700 Liter)

In ein Gorda-Fass passen knapp 700 Liter. Damit entspricht es der in der schottischen Whisky-Verordnung festgelegten maximalen Größe für Fässer zur Whiskyproduktion. Die sehr großen Fässer wurden hauptsächlich für die Produktion von Blends verwendet und werden inzwischen nur noch selten eingesetzt.

In kleinen Fässern werden häufig Whiskys für besondere Kleinserien gelagert. Im Bild sind Mini-Whiskyfässer im Warehouse von Bruichladdich zu sehen. (Foto: Alkoblog)

Blood tub (40 Liter)

In das Kleinste unter den Whisky-Fässern passen gerade einmal 40 Liter. Kommerziell wird diese Art kaum verwendet, da das Fassungsvermögen einfach zu gering ist. In der Regel wird es nur für Kunden von Destillerien genutzt, die einen eigenen Whisky ansetzen möchten. Auch das Blood tub wurde früher aufgrund seiner besseren Möglichkeit zum Transport geschätzt, ist aber über die Jahre aus der Mode gekommen. In der modernen Whisky-Produktion bestimmen heute die großformatigen Fässer wie Hogsheads und Sherry Butts das Bild.


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3 Responses to Whiskyfass-Größen und ihr Einfluss auf den Malt Whisky

  1. Florian says:

    Hihi … „Fässer vor der Bowmore-Distillerie auf Islay“ und im Bildhintergrund klebt deutlich das Ardbeg-Logo am Gebäude. Da ich gerade auf Islay war, hätte ich’s aber auch so erkannt. 😉

    • Samuel Sam says:

      Hi Florian,

      Danke für den Hinweis!

      Da hatte wohl jemand einen „Knoten“ im Kopf…;o) Ardbeg ist natürlich korrekt und wurde in der Bildunterschrift entsprechend angepasst.

      Viele Grüße

  2. Eine tolle Übersicht mit genau der richtigen Länge, um alles am Stück runterlesen und dennoch viele spannende Infos mitnehmen zu können!

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