Whisky

Veröffentlicht am 10. Januar 2016 | Foto: Alkoblog

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Einsteiger-Guide: 15 Whisky-Sorten, die du kennen solltest

Ob Scotch oder Bourbon, Blends oder Single Malts, Grain oder Corn Whiskey – kaum eine Spirituose ist im Geschmack so vielfältig wie Whisky oder Whiskey. Gerade als Einsteiger schwirrt einem nicht nur vom Genuss, sondern vor allem von den ganzen Begriffen der Kopf. Was bedeutet was in der Welt des Whiskys? In unserem Guide verraten wir dir heute die 15 Whisky-Sorten, welche dir immer wieder begegnen werden. Die verschiedenen Kategorien helfen bei Auswahl und Kauf von Flaschen dabei ebenso wie bei der geschmacklichen Einordnung. Denn Whisky ist nicht gleich Whiskey, Scotch nicht gleich Bourbon und Blend nicht gleich Single Cask.

Von Scotch bis American: Whisky und Whiskey-Sorten im Überblick

Häufig wird in der Whisky-Literatur vereinfachend zwischen Whisky mit „y“ und Whiskey mit „ey“ unterschieden. Während ersterer Begriff vor allem für schottische Whiskys verwendet wird, findet man letzteren vor allem in Irland und den USA.

Ein Scotch muss in einer schottischen Destillerie aus gemälzter Gerste hergestellt werden. Die Verwendung anderer Getreidesorten ist erlaubt (etwa beim Grain Whisky). Der Scotch muss drei Jahre in Eichenholzfässern in Schottland gelagert werden. Diese Fässer dürfen nicht mehr als 700 Liter fassen. Es sind keine Zusätze außer Wasser und geschmacksneutrales Zuckercouleur (als Farbstoff) erlaubt. Genauer kannst du es in den Scotch Whisky Regulations von 2009 nachlesen.

Ein amerikanischer Whiskey ist demgegenüber viel weiter gefasst: Er darf aus Mais (Corn), Roggen (Rye), Gerste oder Weizen hergestellt werden. Häufig wird eine Mischung aus verschiedenen Getreidesorten (so genannte Mash bill) verwendet. Eine Lagerung von 2 Jahren ist vorgeschrieben, hierzu dürfen nur neue, ausgebrannte Fässer aus amerikanischer Weißeiche verwendet werden. Üblich ist eine Lagerdauer von mindestens 4 Jahren im Holzfass.

Irish Whiskey ist ein milder Verwandter des Scotch. Das Malz wird bis auf wenige Ausnahmen nicht – wie in Schottland vor allem bei Insel-Whiskys häufig üblich – über Torffeuern getrocknet. Dadurch hat der Whisky einen milderen Geschmack. Der Brand wird dreimal destilliert und anschließend für mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern gelagert.

Japan, Taiwan, Deutschland: Häufiges Vorbild ist Schottland

Die klassische Aufteilung der Welt in Whisky und Whiskey wurde spätestens mit dem Auftauchen von weiteren Nationen wie Japan, Taiwan und sogar Deutschland aufgelöst. So schreiben sich auch deutsche und japanische Whiskys fast durchgehend nur mit „y“, vermutlich auch um die geschmackliche Verbundenheit mit dem als hochwertig geltenden schottischen Whisky zu betonen.

Für die folgende Erklärung der verschiedenen Whisky-Kategorien darf die Welt aber einfach bleiben: Die beiden großen Nationen Schottland und die USA stellen nicht nur weltweit die meisten Abfüllungen zur Verfügung, sondern haben auch die meisten Begrifflichkeiten geprägt.

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Wilde Natur in den schottischen Highlands (Foto: Alkoblog)

Die 6 bekanntesten schottischen Whisky-Sorten

Blended Whisky / Scotch Blend

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Bekannte Scotch Blends verkaufen sich weltweit millionenfach – jedes Jahr. (Foto: Classic Film / Flickr)

Wer zu lange in Whisky-Blogs im Netz liest, könnte meinen die schottische Whisky-Welt bestehe nur aus Single Malts. Doch tatsächlich gehören immer noch 90 bis 92 % der verkauften Scotch Whiskys zu der Kategorie der Blends. Diese werden häufig gemischt in Longdrinks oder Cocktails genossen. So bekannte Marken wie Johnnie Walker, Chivas Regal, Ballantine`s, Grant`s, J&B, Dewar’s, VAT69 oder Teachers sind nicht nur tragende Säulen der schottischen Whisky-Industrie – sie erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Ein Scotch Blend besteht aus einer Mischung von teilweise über 40 verschiedenen Whiskys unterschiedlicher Destillerien. Der Master Blender verkostet die einzelnen Malts und stellt sie für die Mischung anhand ihres Duft- und Geschmacksprofils zusammen. Dabei ist die zuverlässige Verfügbarkeit der Whiskys sehr wichtig, da ein Blend möglichst immer gleich schmecken soll. Hier findet Ihr ein Interview mit einem der bekanntesten Master Blender der Welt, Richard Paterson.

Blended Whiskys enthalten sowohl Malt Whiskys (aus gemälzter Gerste), als auch Grain Whiskys (Brände aus verschiedenen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Hafer u.a.). Während erstere aufwändig in einer Brennblase destilliert werden, können letztere schneller und günstiger im Säulendestillationsverfahren gewonnen werden. Da der Grain Whisky eher wenig Geschmack hat, wird er vor allem aus Kostengründen zugegeben. Blended Whiskys aus dem Discounter enthalten häufig einen hohen Anteil an Grain Whisky. Unabhängig davon umfasst die Kategorie der Scotch Blends alle Preislagen von etwa 7 Euro im Supermarkt bis hin zu weit über 100 Euro für edle Vertreter. Die Aussage, dass ein Whisky ein Blend ist, sagt also genau genommen nichts über die Qualität aus. Diese hängt davon ab, ob gute Single Malts enthalten sind, wie diese zusammenspielen und wie viel Grain Whisky zugesetzt wurde.

Blended Malt Whisky

Diese Whisky-Sorte ist leicht erklärt, wird aber dennoch oft mit dem normalen Blended Whisky verwechselt. Es handelt sich hierbei um Malt Whiskys verschiedener Destillerien, die miteinander vermischt wurden. Es wird dabei anders als beim Scotch Blend kein Grain Whisky zugesetzt. Der Vorteil gegenüber Single Malts ist, dass durch die Mischung verschiedene Whisky-Stile und Aromen-Profile miteinander kombiniert werden können.

Der Begriff selbst ist relativ jung und wurde von der Scotch Whisky Association eingeführt, um das Wirrwarr an verschiedenen Bezeichnungen für diese Produktgattung zu verringern. Zuvor wurden Blended Malts oft als Pure Malt, All Malt oder Vatted Malt bezeichnet. Auslöser für die Umbenennung war vermutlich der so genannte Pure Malt Skandal von 2003. In diesem Jahr stellte der Spirituosenkonzern Diageo bei seiner Destillerie Cardhu die Produktion von „Single Malt Whisky“ auf „Pure Scotch Whisky“ um – und füllte klammheimlich auch Whiskys anderer Destillerien unter dem Label Cardhu ab. Dann stellte sich auch noch heraus, dass in den Flaschen kaum noch Whisky aus Cardhu selbst war und der Skandal war perfekt.

Im Alltag hat Blended Malt Whisky als Sorte eine untergeordnete Bedeutung, was vermutlich vor allem durch die gestiegene Beliebtheit und Verfügbarkeit von Single Malts verursacht wird. Zu den bekanntesten Blended Malt-Marken gehört Monkey Shoulder. Auch von Wemyss Malts gibt es eine Serie von gemischten Malt Whiskys.

Single Malt Whisky

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Single Malts trinkt man am Besten aus einem Nosing-Glas wie dem Glencairn Glas

Spricht man mit Whisky-Genießern ist häufig die Rede von Single Malts. Dabei handelt es sich Whisky, der aus nur einer einzelnen Destillerie stammt („single“) und nur aus gemälzter Gerste gebrannt wird („malt“). Nach der Lagerung in Eichenholzfässern werden die verschiedenen Whiskys durch einen Master Blender ausgewählt und dann in einem großen Tank miteinander vermählt. So entsteht ein einheitlicher Stil des Whiskys, der sich häufig über verschiedenen Abfüllungen einer Brennerei hinweg wiederfindet.

Anders als bei Blended Whiskys spielt die Charakteristik des Whiskys beim Single Malt eine größere Rolle. Gerade dies macht die Verkostung dieser Whisky-Sorte so spannend. Bei Single Malts ist darüber hinaus das Alter von Bedeutung. Dieses wird in Jahren angegeben, die ein Whisky im Holzfass reifen durfte. Die Altersangabe gilt dabei immer für den jüngsten enthaltenen Whisky. Steht also 10 Jahre auf der Flasche, so dürfen keine Malts enthalten sein, die jünger als ein Jahrzehnt sind.

Findet sich keine Altersangabe auf der Flasche so spricht man von einem No-Age-Statement. In diesem Fall hat sich die Destillerie entschieden, kein Alter anzugeben. Der enthaltene Whisky muss nur mindestens 3 Jahre im Holzfass verbracht haben. Häufig sind No-Age-Whiskys eine Mischung aus jungen (5-7 Jahren) und älteren Qualitäten einer Destillerie. Sie müssen nicht schlechter sein, in unseren Tests liegen aber dennoch auffallend häufig klassische Single Malts mit Altersangabe vorne. Hier erfahrt ihr mehr über das Pro und Contra zu NAS-Whiskys.

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Single Malts werden gerne in Ex-Bourbon-Fässern wie diesen gelagert (Foto: Alkoblog)

Single Cask Whisky

Formal betrachtet sind die Single Cask Whiskys nur eine Untergruppe der Single Malts. Doch bei genauerer Betrachtung handelt es sich hier häufig um eine deutlich edlere Variante desselben. So werden nicht nur Whiskys einer Destillerie verwendet, sondern sogar nur aus einem Fass. Der Master Distiller oder Blender wählt in einem Tasting-Prozess ein einzelnes Fass aus dem Lagerhaus aus, welches dann in Flaschen abgefüllt wird. Nur Wasser kann noch zugegeben werden, um den Whisky auf Trinkstärke zu bringen. Durch den Entfall des Mischens verschiedener Fässer der Destillerie hat jeder Single Cask Whisky seinen ganz eigenen Geschmack. In der Realität wird der Master Blender natürlich ganz genau darauf achten, dass nur bestimmte Qualitäten zur Abfüllung kommen. Die Nummer des abgefüllten Fasses wird häufig auf dem Etikett vermerkt, sodass man nachvollziehen kann, aus welchem „Batch“ der Whisky stammt. Vergleicht man unterschiedliche Single Casks miteinander, kann man häufig ganz unterschiedliche Charakteristiken und Geschmacksnoten entdecken. Diese Whisky-Sorte ermöglicht es Genießern ihr Lieblingsgetränk einmal ganz unverfälscht zu probieren – gerade deshalb ist sie unter Kennern so beliebt. Ein gutes Beispiel für diese Kategorie ist der Balvenie 15 Jahre Single Barrel.

Single Grain Whisky

Eine relativ junge Kategorie ist der Single Grain Whisky. Der Haig Club von Ex-Fußballer David Beckham ist einer der wenigen Vertreter – und leider zugleich einer der schwächsten Whiskys, die wir je probieren durften. Doch das muss ja nicht so bleiben: Bei Single Grain Whisky handelt es sich um Grain Whisky (also einem Brand aus verschiedenen Getreidesorten), der in einer Destillerie hergestellt wurde. Das Ergebnis gleich vielleicht am ehesten einem deutschen Vodka oder Korn. Grain Whisky wird anders als Malt Whisky nicht in Brennblasen, sondern in Brennsäulen hergestellt. Deren Ausstoß ist deutlich höher, was die Produktion des Alkohols günstiger macht. Wer Spirituosen mit einem deutlich vernehmbaren Getreide-Aroma mag, kann bei dieser Sorte aber einmal genauer hingucken.

Blended Grain Whisky

Ein ziemlicher Exot ist der Blended Grain Whisky. Wer unseren Guide bis hierhin aufmerksam gelesen hat, ahnt es vermutlich schon: Hierbei handelt es sich um Getreide-Whiskys, die aus verschiedenen Destillerien stammen und miteinander verschnitten wurden. Es gibt auf dem Markt nur wenige Blended Grains.

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Verschlafenes Lynchburg in Tennessee. Nebenan brennt Jack Daniel’s seinen Whisky (Foto: Alkoblog)

Die 9 bekanntesten amerikanischen Whiskey-Sorten

Ähnlich wie beim Scotch Whisky gibt es auch bei amerikanischem Whiskey eine Reihe von Varianten. Diese unterscheiden sich hauptsächlich nach der Rezeptur des Getreides, dem Alkoholgehalt und der Dauer und Art der Reifung. Hier sind die 9 Whiskey-Arten, die dir in der Neuen Welt besonders häufig über den Weg laufen werden:

Bourbon Whiskey

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Die beliebteste Servierform: Bourbon on the rocks (Foto: Eduardo Mueses / Flickr)

Wer von Whiskey spricht, meint häufig Bourbon. Und umgekehrt. Wohl kaum eine Kategorie erfreut sich in den Vereinigten Staaten so ungebrochener Beliebtheit wie der Bourbon und hat den Erfolg von American Whiskey so maßgeblich geprägt. Doch was ist Bourbon eigentlich? Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Bourbon nur aus Mais gebrannt wird. Falsch! Die Getreide-Rezeptur muss zu mindestens 51 % aus Mais bestehen, der Rest kann aus praktisch allen anderen Getreidearten (häufig Roggen, Weizen) ergänzt werden. Muss ein Bourbon aus Kentucky kommen? Auch nicht. Zwar ist der Staat eng mit der Geschichte des Bourbons verbunden, aber tatsächlich darf die Spirituose überall in den USA hergestellt werden.

Nach dem Brennvorgang muss der Whiskey für mindestens 2 Jahre in neue, ausgebrannte Eichenfässer. Anders als in Schottland ist das Wiederverwenden von Fässern nicht erlaubt. Viele Bourbons reifen aber für mindestens 4 Jahre im Fass – was ihnen ein runderes Aroma verleiht. Bourbon mit einer Lagerdauer von vier Jahren oder mehr muss kein Alter auf dem Etikett tragen – was die meisten Brennereien dann auch nicht machen. Dies und die häufig großindustrielle Herstellung der Spirituose haben zum gemischten Ruf des Bourbons beigetragen. Es gibt neben günstigen Supermarkt-Flaschen aber auch vorzügliche Premium-Bourbons, die geschmacklich einem guten Scotch Whisky mindestens ebenbürtig sind.

Zu den bekanntesten Bourbon-Marken gehören Jim Beam, Maker’s Mark, Evan Williams, Four Roses, Elijah Craig, Wild Turkey, Bulleit Bourbon und etliche weitere.

Rye Whiskey

Die Rückkehr des Rye Whiskey hat viel damit zu tun, dass amerikanischer Whiskey gerne in Cocktails gemixt serviert wird. Rye Whiskey hat häufig ein markanteres Aroma als Bourbon und ist deshalb beliebt bei allen Genießern, die ihre Spirituose aus dem Drink „herausschmecken“ möchten. Er ist üblicherweise würziger, trockener und bitterer. Rye Whiskey hat einen Roggenanteil von mindestens 51 %. Auch hier ist die Lagerdauer im neuen Holzfass mindestens 2 Jahre, wobei ihm die Brennereien üblicherweise 4 Jahre zur Reifung geben. Bis zur Zeit der Prohibition war Rye Whiskey der beliebteste Whisky in Nordamerika. Nach dem Ende konnte sich der weichere, mildere Bourbon an die Spitze setzen und der Rye fristete lange Jahre ein Schattendasein. Inzwischen ist er im Premium-Segment zurück und man kann ihn auch sehr gut pur genießen. Ein gutes Beispiel für Einsteiger sind Whiskeys wie Rittenhouse Straight Rye oder Bulleit Rye.

Corn Whiskey

Ein Corn Whiskey wird dem Namen nach aus Corn, also Mais gebrannt. Der Anteil des Getreides liegt bei mindestens 80 % in der Maische. Gegenüber den 51 % beim Bourbon also noch einmal deutlich mehr. Die Lagerdauer ist mit der des Bourbons identisch, sodass diese Sorte vor allem für Genießer interessant ist, welche die süßliche Charakteristik des Mais in ihrer Spirituose schätzen.

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Skurrile Werbung für Straight Bourbon von Early Times (Foto: Classic Film / Flickr)

Straight Whiskey

Als Straight, also geradlinig, gilt in den USA ein Whiskey, der aus nur einer Brennerei stammt. Dieser ist noch dazu nicht mit neutralem Alkohol verschnitten. Dieser Überkategorie gehören Bourbon, Tennessee Whiskey, Rye Whiskey und Corn Whiskey an. Es kann also fast jeder amerikanische Whiskey auch „Straight“ sein! Seltener gibt es Brände, die nur als „Straight Whiskey“ ohne weitere Zusätze bezeichnet werden – diese haben eine gemischte Getreide-Rezeptur, in der keine Sorte überwiegt und auf mehr als 51 % Anteil in der Maische kommt.

Small Batch Bourbon

Ein weiterer schöner Begriff aus der Welt des amerikanischen Whiskeys. Ein Small Batch ist eine kleine Auswahl bestimmter Fässer im Lagerhaus. Diese werden vom Master Blender oder Distiller ausgesucht, miteinander vermählt und abgefüllt. In der Realität ist es natürlich Auslegungssache, wie „small“ ein solches Batch sein darf. Es gibt keine Regelungen, sodass davon auszugehen ist, dass gerade bei größeren Destillerien immer noch jede Menge Whiskey gleichzeitig in die Flasche kommt. Dennoch verbergen sich hinter dem Marketing-Begriff häufig Flaschen, die sich von dem regulären Standard der Brennerei abheben und deshalb geschmacklich interessant sind.

Single Barrel Bourbon

Was das Single Cask beim Scotch Whisky ist, ist das Single Barrel beim Bourbon Whiskey. Es handelt sich dabei um einen Whiskey, der aus nur einem Fass abgefüllt wurde. Ein typisches Bourbon Barrel fasst 200 Liter Whiskey, von denen bei der Lagerung noch einige Prozent verdunsten oder vom Holz aufgesogen werden. Dementsprechend lässt sich ausrechnen, dass sich gar nicht mal so viele Flaschen aus einem Barrel abfüllen lassen. Da jedes Fass einen anderen Geschmack hervorbringt, sind Single Barrel Bourbons für Kenner besonders spannend. Obwohl Batch und Fass häufig auf dem Etikett angegeben werden, kann üblicherweise niemand sagen, wie der Whiskey genau schmecken wird. In aller Regel wird sich die Abweichung aber im Rahmen halten, da die Destillerie mit ihrem Namen für eine gewisse Qualität steht und sicher vermeiden will, dass ein schlechter Eindruck von ihrer (häufig hochpreisigeren) Single Barrel-Serie entsteht. Gute Beispiele sind der Four Roses Single Barrel und der Jack Daniel’s Single Barrel Whiskey.

 

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Traditionelle Lagerung von Bourbon ist selten geworden (Foto: Chris Nelson / Flickr)

Tennessee Whiskey

Bei Tennessee Whiskey denken viele sofort an Jack Daniel’s. Und tatsächlich hat die Destillerie mit Sitz im verschlafenen Lynchburg einiges dafür getan, dass diese Kategorie überhaupt entstanden ist. Technisch betrachtet handelt es sich bei Tennessee Whiskey nämlich in vielen Fällen um einen Bourbon. Nur wird dieser von den Herstellern des Staates nicht als solcher ausgewiesen. Die Voraussetzungen für Tennessee Whiskey besagen zum einen, dass die Spirituose vor Ort gebrannt werden muss und (mit einer Ausnahme), dass der Lincoln County Process zur Filterung eingesetzt wird. Lincoln what? Mit dem Lincoln County Process beschreibt man die Filterung des ungereiften Whiskeys durch eine dicke Schicht an Holzkohle aus Ahornholz. Erst dann wird das Destillat in neue Holzfässer gefüllt. Es handelt sich hier also um eine regionale Variante des allseits beliebten Bourbons – die natürlich gerne zur Werbung und Abgrenzung von anderen Herstellern genutzt wird.

Blended American Whiskey

Ja, auch in den USA gibt es Blends. Dass diese Whisky-Sorte hierzulande eher unbekannt ist liegt aber vermutlich daran, dass Bourbon Whiskeys in jeder Preislage weit verfügbar sind. Es gibt also wenig Raum für einen verschnittenen Whiskey. Ein American Blend muss mindestens 20 % Straight Whiskey enthalten. Die Vorschriften für diese Kategorie sind nicht sonderlich streng, was der Qualität nicht sonderlich zuträglich ist. So ist keine Mindestlagerdauer vorgeschrieben.

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Spezielle Lagerungsform: Bonded Warehouse in den USA (Foto: Sarah Altendorf / Flickr)

Bonded Whiskey / Bottled in Bond

Einige amerikanische Whiskeys tragen den Zusatz „Bottled in Bond“. Diese Bonded Whiskeys stammen aus einer Destillerie, werden in einem bestimmten Zeitraum hergestellt, haben mindestens 50 % und – das ist das wichtigste – sie wurden in einem Lagerhaus unter Zollverschluss mindestens 4 Jahre gereift. Das klingt erst mal toll, ist aber bei genauerer Betrachtung kein wirkliches Qualitätsmerkmal. Für die Brennereien hat diese Lager-Art (neben dem Marketing-Effekt) den Vorteil, dass Steuern erst dann fällig werden, wenn der Whiskey abgefüllt und ausgeliefert wird. Nur davon hat man als Whiskey-Genießer natürlich wenig, am Ende zählt doch die Qualität der Spirituose und nicht die steuerrechtliche Form des Lagerhauses.

Tipp: Welche Whiskys bis 50 Euro sind zu empfehlen?

Seid ihr nach dem Lesen unseres Sorten-Guides durstig geworden? Hier findet ihr gute Whiskys für unter 50 Euro, die jeder Genießer unbedingt probiert haben sollte. Und zwar Scotch Whiskys, Bourbons und sogar einen Japaner.


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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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