In Schottland gibt es vielen Berge, Täler, Flüsse und Seen. Viele Whisky-Marken und Destillerien sind an die Gälische-Sprache angelehnt. Wir erklären im Guide einige der wichtigsten Begriffe. (Foto: Alkoblog)

Die Namen von bekannten Whisky-Marken wie Ardbeg, Glenfiddich oder Lagavulin hören sich ungewöhnlich an. Die meisten Namen von Destillerien leiten sich nämlich aus dem Gälischen ab. Destilliert wird in Schottland schon sehr lange und nicht selten haben die Brennereien eine illegale und legale Historie von mehreren hundert Jahren, wobei die Bezeichnungen der Destillerien auch als Ortsbeschreibung zu verstehen ist. Schließlich mussten auch Schotten auf Wanderschaft immer wissen, wo es den nächsten Whisky zu trinken gab. 😉 In unserem Guide erklären wir die Bedeutung einiger der wichtigsten gälischen Wortbestandteile in den Namen von schottischen Single Malt Whiskys.

Abhainn

Der Gälische Wortbestandteil „Abhainn“ findet sich zum Beispiel bei Bunnahabhain einer Whisky-Destillerie auf der schottischen Insel Islay. Abhainn lässt sich mit „Bach“ oder einfacher mit „Fluss“ übersetzen. Die Bunnahabhain-Destillerie wird also folgerichtig an einem Bach oder Fluss gelegen sein. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere Begriffe die auf eine Lage an einem Fluss hindeuten.

Ard

Während der Wortbestandteil „Abhainn“ auf einen Flusslauf hindeutet, der sich zumeist in einer Niederung befindet wird (siehe zuvor), deutet der Begriff „Ard“ auf eine Anhöhe oder einen Felsvorsprung hin. Bekannte Destillerien mit „Ard“ in ihrem Namen sind Ardbeg oder Ardmore, die tatsächlich an markanten Felsen oder auf Anhöhen liegen.

Bei einem Besuch der Ardbeg-Destillerie auf Islay kann man sich auf die geografische Beschreibung verlassen. Aber auch so landet man auf dem überschaubaren Eiland irgendwann ganz sicher bei Ardbeg. (Foto: Alkoblog)
Bei einem Besuch der Ardbeg-Destillerie auf Islay kann man sich auf die geografische Beschreibung verlassen. Aber auch so landet man auf dem überschaubaren Eiland irgendwann ganz sicher bei Ardbeg. (Foto: Alkoblog)

Ben

Auf noch luftigere Höhen als Felsen weist der gälische Wortbestandteil „Ben“ hin, welcher direkt mit Berg oder Gebirge übersetzt kann. Wenig verwunderlich ist es, dass Whisky-Destillerien mit „Ben“ im Namen wie Ben Nevis (übrigens auch der höchste Berg Großbritanniens), Benriach, Benrinnes oder Benromach in den schottischen Highlands bzw. der Speyside zu finden sind. Einer Gegend, die insbesondere rund um die Cairngorms dicht mit Whisky-Destillerien besiedelt ist.

Craig

Auf einen Standort der Destillerie in einer felsigen Gegend deutet das gälische Wort „Craig“ hin, welches in den Namen von Whisky-Destillerien wie Cragganmore oder Craigellachie verwendet wird. In das Englische übersetzt bedeutet „Craig“ so viel wie „Rock“, also Felsen oder Gestein. Das Wort „Craig“ in Destillerie-Namen kann hier auch weniger auf eine markante geographische Lage hindeuten, sondern auch ein Hinweis auf gutes (durch Stein gefiltertes) Quellwasser sein, welches für die Herstellung von gutem Whisky von großer Bedeutung ist.

Dal

Für das Brennen von Whisky braucht man neben Wasser vor allen Dingen Getreide als Grundstoff. In der Übersetzung bedeutet das gälische Wort „Dal“ so viel wie Wiese oder Aue. Destillerien wie Dalmore oder Dalwhinnie liegen also vermutlich in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten, fruchtbaren oder anderen großen Flächen mit Getreideanbau oder ähnlichem. Ein anderer gälischer Wortbestandteil für Feld ist „Auch“ wie er bei der Lowland-Destillerie Auchentoshan vorkommt.

Mit etwas Glück bekommt man bei Glenfiddich im "Tal des Hirsches" dieses kapitale Exemplar vor die Linse. (Foto: Alkoblog)
Mit etwas Glück bekommt man bei Glenfiddich im „Tal des Hirsches“ dieses kapitale Exemplar vor die Linse. (Foto: Alkoblog)

Glen

Der gälische Wortbestandteil „Glen“ wird sehr häufig in den Namen von schottischen Whisky-Destillerien verwendet. Allen voran sind hier Brennereien wie Glenfiddich, Glenfarclas oder Glenmorangie zu nennen. Übersetzt bedeutet „Glen“ so viel wie Tal oder Niederung. Es ist kein Zufall, dass so viele schottische Destillerien in Tälern liegen, der Grund ist eher rein geographischer Natur. Für die Herstellung von Whisky wird Wasser benötigt. Einerseits für die Gärung, in der Vergangenheit aber auch als Wasserkraft für das Mahlen der Gerste oder den Antrieb von anderen Maschinen. Flussläufe befinden sich stets in Tälern, so dass die Ansiedlung einer Destillerie hier Sinn machte und deswegen dort so häufig ist.

Inch

Das Wort „Inch“ im Namen von Whisky-Destillerien deutet nicht auf die Maßeinheit und somit auf die Größe der Destillerie hin. Vielmehr bedeutet das gälische Wort „Inch“ so viel wie Insel, was bei Whisky-Namen wie Inchgower (in der Nähe von Buckie) auf eine Lage der Destillerie auf einer Insel oder Halbinsel am Meer hindeutet. Er kann anders übersetzt aber auch einfach Feld bedeuten. Interessanterweise findet sich der Wortbestandteil nicht bei Insel-Whiskys oder Islay-Destillerien, vermutlich weil er hier für die Beschreibung der Lage der Brennerei auf einer Insel überflüssig war.

Lock oder Loch

Der Wortbestandteil Lock oder Loch findet sich in vielen schottischen Orten wieder, in den Namen von Whisky-Brennereien wird es weniger verwendet. Mit Loch Lomond gehört jedoch eine Destillerie mit großer Produktion zu den Namensträgern. Lock oder Loch wird mit See übersetzt, von denen in Schottland der Loch Ness der bekannteste ist.

Malerische Szenerie am Loch Lomond in Schottland. Kein Wunder, dass man hier gerne mal eine Whisky-Destillerie gründet. (Foto: Alkoblog)
Malerische Szenerie am Loch Lomond in Schottland. Kein Wunder, dass man hier gerne mal eine Whisky-Destillerie gründet. (Foto: Alkoblog)

Mor oder More

Ähnlich wie der Begriff „Glen“ ist auch der Wortbestandteil „Mor“ in den Namen von schottischen Destillerien relativ häufig zu finden, wenn auch nicht ganz so auffällig wie andere Bestandteile.  „Mor“ wird mit groß oder hoch übersetzt und wirkt somit praktisch als Adjektiv im Namen der Brennerei. Gute Beispiele für die Verwendung von „Mor“ bei Whisky-Marken sind Ardmore, Cragganmore, Dalmore oder Glenmorangie. Das Gegenteil von „Mor“ ist übrigens „Beag“ oder „Beg“ welches übersetzt klein bedeutet.

Vulin

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es gar nicht mehr so viele Whisky-Destillerien mit dem Wortbestandteil „Vulin“ im Namen gibt. Denn „Vulin“ bedeutet in der Übersetzung so viel wie „Mühle“. Aus praktischen Gründen waren Müller in den vergangenen Jahrhunderten häufig gleichzeitig Brenner. Denn Mehl und Getreide ließ sich schlecht lagern, gebrannter Schnaps wie Korn, Wodka oder Whisky, der zudem reich an Kalorien ist, hingegen schon. Bekannte Destillerien mit der „Mühle“ im Namen sind Lagavulin und Tamnavulin.

Whisky-Marken und ihre Bedeutung

Die einzelnen gälischen Wortbestandteile von schottischen Whisky-Marken zu kennen ist praktisches Party-Wissen und lässt einem zudem die Destillerie in der Vorstellung näher kommen. Mit der besseren Kenntnis des Standorts kann man sich auch die Brennerei und vielleicht auch den Charakter des Whiskys ein Stück weit besser vorstellen. Häufig können die einzelnen Wortbestandteile aber nur ein unvollständiges Bild vermitteln, daher haben wir nachfolgend auch noch einige vollständige Übersetzungen gesammelt:

Abhainn Dearg – Roter Fluss

Ardbeg – Kleine Anhöhe

Ardmore – Große Anhöhe

Auchentoshan – Feldecke

Ben Nevis – Schneeberg

Benriach – Trister Berg

Benromach – zotteliger/stacheliger Berg

Bruichladdich – Ecke am Strand

Bunnahabhain – Mündung des Flusses

Cardhu – Schwarzer Fels

Cragganmore – Großer Felsen

Craiggelachie – Felsenberg

Dalmore – Großes Tal/große Aue

Dalwhinnie – Versammlungsplatz

Glen Moray – Tal der Siedlung am See

Glendronach – Tal der Brombeerhecken

Glenfarclas – Tal des grünen Graslandes

Glenfiddich – Tal des Hirsches

Glengoyne – Tal der Wildgänse

Glenlossie – Tal des Lossie (Fluss mit Mündung bei Elgin)

Inchgower – Insel (aber auch Feld) der Ziegen

Lagavulin – Senke, in der die Mühle steht

Laphroaig – Schöne Niederung an der breiten Bucht

Talisker – Wasserloch

Tamdhu – Kleiner dunkler Hügel

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