Whisky lagern: Fünf gute Tipps für Sammler & Genießer

Soll ich meine guten Single Malts besser im Stehen oder im Liegen lagern? Diese Frage läuft einem als Einsteiger spätestens über den Weg, wenn man seine Whisky-Sammlung über die ersten Flaschen hinaus erweitert und das erste Regal zu eng für alle Abfüllungen wird.

Wie einfach haben es da Wein-Trinker: Sie können ihre Flaschen liegend in schmalen Weinregalen verstauen, die sehr platzsparend daherkommen. Genau diese Lagermethode ist für Whisky aber nicht empfehlenswert! Denn während Wein über die Jahre auch in der Flasche besser werden kann, lässt der Geschmack von Whisky durch äußere Einflüsse mit der Zeit nach. Damit gelagerte Whiskyflaschen ihre Qualität möglichst lange halten, sind die richtigen Lagerungsbedingungen von großer Bedeutung.

Wer die folgenden fünf Tipps befolgt, kann seine Whiskys richtig lagern und hat lange Freude an den guten Tropfen:

Tipp: Whisky immer stehend lagern

Whiskyflaschen sollten immer stehend aufbewahrt werden. Grund ist der Korken, welchen viele Flaschen besitzen. Kommt er dauerhaft in Kontakt mit dem Whisky, kann er sich auflösen oder unerwünschte Aromen an die Spirituose abgeben. Auch ist er nicht immer ganz dicht: Der kostbare Scotch Whisky könnte also auslaufen. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko, schließlich werden die wenigsten Genießer eine Flasche direkt nach dem Öffnen auch komplett austrinken.

Guter Whisky will mit Bedacht genossen werden – und dazu gehört auch, dass man von manchen Abfüllungen erst mal nur ein paar Schlucke probiert. Je nach Lust und Laune serviert man seinen Gästen mal diesen und mal jenen Tropfen. Nach dem Genuss werden die Flaschen wieder verschlossen und im Whiskyregal oder einer Vitrine verstaut. Dieses Prinzip gibt es bei Wein natürlich nicht – nach dem Öffnen hält er sich einige Tage im Kühlschrank, will ansonsten aber zügig getrunken werden.

Schön für die Optik - aber möglicherweise riskant für den Whisky: Beleuchtete Flaschen (Foto: Robin Zebrowski / Flickr)
Schön für die Optik – aber möglicherweise riskant für den Whisky: Beleuchtete Flaschen (Foto: Robin Zebrowski / Flickr)

Tipp: Whisky immer dunkel lagern

Wichtig ist in jedem Fall, dass der Whisky nicht längere Zeit in der Sonne steht. Er könnte sich sonst geschmacklich verändern, verdunsten oder sogar „umkippen“. Manche Flaschen sind deshalb auch aus dunklem Glas gefertigt, um unerwünschtes Licht abzuwehren. Wer Sorge um seine transparenten Whisky-Flaschen hat, kann sie natürlich auch im mitgelieferten Karton oder der Blechdose aufbewahren.

Ich persönlich stehe dieser Variante zwiegespalten gegenüber: Zum einen mag ich schön gestaltete Kartons und Dosen. Wenn ich den Whisky ausgepackt hinstelle, dann kann ich die Verpackung eigentlich auch gleich entsorgen. Das wäre aber schade. Andererseits sieht ein Whiskyregal in meinen Augen viel ansprechender aus, wenn man die Flaschen direkt sieht. Das Erscheinungsbild wirkt auch einheitlicher, vor allem wenn Abfüllungen unterschiedlicher Destillerien nebeneinander stehen.

Aufpassen sollte man auch bei Whisky-Vitrinen die in der Nähe des Fensters stehen. So haben wir bemerkt, dass die Sonne bei uns morgens so steht, dass ihre Strahlen durch das Fenster genau auf die Whiskys fallen. Ein Vorhang oder eine Jalousie schafft hier unkompliziert Abhilfe und schützt die kostbare Sammlung.

Ob Karton, Dose oder dunkle Flasche - Whisky in jedem Fall stehend lagern (Foto: Alkoblog)
Ob Karton, Dose oder dunkle Flasche – Whisky in jedem Fall stehend lagern (Foto: Alkoblog)

Tipp: Whisky immer kühl lagern

Whisky ist eine empfindliche Spirituose: Er verträgt keine Hitze und keine starken Temperaturschwankungen. Ist der Lagerort zu warm, neigt er zum Verdunsten. Wer seinen Whisky schonend lagern möchte, sollte daher auf eine konstante, möglichst niedrige Temperatur achten.  Mit weniger Verdunstung kann die Haltbarkeit des Whiskys verlängert werden. Experten empfehlen eine Temperatur von 15° Celsius – was vielen im Wohnzimmer natürlich zu kalt sein dürfte. Wenn die Frau oder Freundin also mit den Zähnen klappert, sollte man die Whiskysammlung besser in einen anderen Raum auslagern oder der Dame des Hauses einen gepflegten Nerz überwerfen…

In den Fässern ist der Whisky gut geschützt - zuhause muss man selbst dafür Sorge tragen (Foto: Alkoblog)
In den Fässern ist der Whisky gut geschützt – zuhause muss man selbst dafür Sorge tragen (Foto: Alkoblog)

Tipp: Whisky immer trocken lagern

Auch bei einer Lagerung in Kellerräumen sollte man aufpassen: Es sollte sich schon um einen trocken gelegten Keller handeln. Zwar ist der Scotch Whisky in der Flasche eigentlich gut geschützt, solange diese intakt ist. Aber bei hoher Luftfeuchtigkeit kann dennoch der Korken anfangen zu gammeln. Von sich auflösenden Etiketten, gammelnden Kartons und rostenden Dosen mal abgesehen. Steht nur ein feuchter Keller zur Verfügung, sollte die Sammlung dort also besser nicht untergebracht werden. Besser sucht man sich eine trockene Lagermöglichkeit für den Whisky – auch wenn die empfohlene Temperatur von 15 ° dort nicht eingehalten werden kann. Whisky-Lagerung ist eben häufig auch ein Kompromiss – schließlich kann sich nicht jeder die Einrichtung einer Klimakammer leisten (oder bei seiner Liebsten durchsetzen).

Tipp: Den Lufteinfluss auf den Whisky verringern

Einer der größten „Feinde“ des Whiskys ist die Luft. Bei ungeöffneten Flaschen ist das kein Problem, da durch den noch fest sitzenden Korken der Lufteinfluss gering ist. Bei geöffneten Flaschen sind die Auswirkungen auf die Haltbarkeit des Whiskys jedoch deutlich größer. Als Faustregel gilt: Je niedriger der Füllstand in der Whiskyflasche ist, umso größer ist auch der Lufteinfluss auf den Whisky. Die Luft und ihre Bestandteile reagieren mit dem Whisky und verändern so langsam aber stetig seinen Geschmack. Doch wie soll man den Lufteinfluss auf den Whisky verringern?

Whisky in kleinere Flasche umfüllen

Eine gängige Methode, um den Lufteinfluss auf Whisky zu verringern, ist die geöffnete Flasche mit Hilfe eines Trichters in eine kleinere Flasche umzufüllen. So ist die Füllhöhe wieder höher und es ist weniger Luft in der Whiskyflasche vorhanden die mit dem Destillat reagieren kann. Ein Nachteil dieser Methode ist natürlich, dass der Whisky dann in einer neutralen Flasche lagert und die meist schön gestaltete Originalflasche ausgedient hat. Gerade wenn man Gäste bewirtet, wirkt eine schöne Flasche natürlich deutlich edler.

Whisky mit geschmacksneutralen Murmeln auffüllen

Bei anderen Varianten wird der Lufteinfluss auf den Whisky verringert, ohne das der Whisky gegen seinen Willen umziehen muss. Eine Möglichkeit ist, die Whiskyflasche mit geschmacksneutralen Glasmurmeln oder ähnlichem aufzufüllen. Man lässt die kleinen Glaskugeln einfach vorsichtig in die Flasche rollen. So wird die Luft verdrängt und der Whisky kann weniger stark mit dem Sauerstoff reagieren. Nachteil: Wer hat schon gerne Murmeln in seinem Whisky oder im Tasting-Glas?

Luft ablassen: Whisky- bzw. Weinpumpe

Gemacht für Wein, funktioniert aber auch für Whisky: Vacu Vin Weinpumpe
Gemacht für Wein, funktioniert aber auch für Whisky: Vacu Vin Weinpumpe

Eine etwas elegantere Variante ist der Einsatz einer sogenannten Weinpumpe (z.B. von Vacu Vin), welche von einigen Whiskygenießern mit Erfolg eingesetzt wird. Mit der Weinpumpe kann die Luft aus der Whiskyflasche gepumpt werden – ein Vakuum entsteht. Anschließend ist die Flasche mit einem Stopfen fest verschlossen. Da die Technik ursprünglich für Weinflaschen gedacht ist, können die Flaschenöffnungen teilweise nicht kompatibel für die Stopfen sein. Außerdem kann das Vakuum mit der Zeit nachlassen und es muss nachgepumpt werden. Dennoch ist diese Methode sicher die Professionellste, wenn es darum geht, den Whisky vor dem schädlichen Lufteinfluss zu bewahren.

Die Whisky-Haltbarkeit nach dem Öffnen

Bei guten Lagerbedingungen (siehe unsere 5 Tipps oben) können ungeöffnete Whiskys ohne große Schwierigkeiten über viele Jahre gelagert werden. Häufig wird sogar davon ausgegangen, dass die Haltbarkeit von Whisky in ungeöffneten Flaschen praktisch „unbegrenzt“ ist. Doch natürlich sind auch bei der besten Lagerung kleine Verluste durch Verdunstung des Alkohols nicht zu vermeiden. Der Geschmack lässt jedoch deutlich weniger schnell nach, als bei geöffneten Whiskyflaschen.

Ist bei der Whiskyflasche der Korken erst einmal gelüftet, fängt der Verfall des Whiskygeschmacks an: Keine Sorge, so richtig verderben oder gar schimmeln kann ein Whisky nicht, dafür ist der Alkoholgehalt zu hoch. Es ist nur der Geschmack, der über die Zeit allmählich nachlässt. Wenn man die oben genannten Tipps berücksichtigt, kann der Geschmacksverlust des Whiskys jedoch bedeutend herausgezögert werden. So beträgt die Haltbarkeit von geöffneten und richtig gelagerten Whiskyflaschen nach gängiger Meinung mindestens ein Jahr.

Unsere Erfahrungen mit der Haltbarkeit von offenen Whisky-Flaschen

Als Whisky-Tester kennen wir das Dilemma der offenen Flaschen. Beim Tasting probiert wir meistens nur eine ganz kleine Menge des Whiskys. Anschließend stellen wir die Flasche gut verkorkt und aufrecht wieder in unsere Whisky-Vitrine. Aber offen ist sie natürlich trotzdem.

Genießt man einen Whisky häufiger mit Freunden oder trinkt ihn gemütlich zum Feierabend, dann sinkt der Füllstand natürlich. Unserer Erfahrung nach wird es ab der Hälfte der Flasche kritisch: Ein kleiner Rest Talisker 10, der seit ungefähr drei Jahren in der Vitrine steht, schmeckt einfach nicht mehr so gut wie direkt nach dem Öffnen. Der Geschmack wirkt flacher. Gleiches gilt für den Chivas Regal 12. Als Genießer sollte man also überlegen, ob man entweder eine der oben genannten drei Methoden zur Verlängerung des Whisky-Lebens nutzt – oder manche halbvolle Flaschen vielleicht einfach in kleiner Runde irgendwann austrinkt.

Eine richtige Regelmäßigkeit, ob bestimmte Whiskys schneller verderben als andere, haben wir bisher nicht ausmachen können. Eine Vermutung wäre aber, dass Cask Strength Whiskys mit höherem Alkoholgehalt vielleicht etwas mehr Reserven haben, um den Geschmacksschwund durch die Verdunstung zu überstehen.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele – also Flaschen, die sich seit Jahren gut halten: Eine unserer Lieblingsabfüllungen, der Caol Ila Distillers Edition 2013, etwa schmeckt weiterhin so gut wie am ersten Tag. Glück gehabt!

Was macht ihr mit offenen Whiskyflaschen? Wie lagert ihr eure Abfüllungen? Schreibt uns eure Tipps in die Kommentaren!

4 Kommentare

  1. Nein, mein lieber Lukas! So einfach geht das jetzt auch nicht! 🙂

    Jetzt, wo es spannend werden könnte brichst Du ab.

    Viele der angesprochenen Punkte mag sich selbst der unambitionierte Einsteiger noch denken können. Was aber ist nun mit den Flaschen, die bereits angebrochen sind???

    Austrinken? Flaschenteilung? In kleinere Flaschen abfüllen? Vakuum? Verändert sich der geliebte Fusel wenn er dem Sauerstoff ausgesetzt wird????

    Ich „lagere“ seit 25 Jahren zum Bespiel einen angebrochenen Bells Reserve 20 Years in meinem Keller und habe mich noch nicht getraut die Flasche mal wieder zu entkorken!! Was erwartet mich da???

    Und mal so am Rande, politisch leider völlig unkorrekt: ….Dame des Hauses einen gepflegten Nerz überwerfen…

    Nimm bitte eine Decke, einen Bademantel, die Winterjacke, Deinen Pullover, aber bitte kein Tier!!!
    Die Zeiten sollten ja nun hoffentlich endlich vorbei sein!

  2. Richtig – durch Lagerung nach der Öffnung und den dadurch höheren Sauerstoffanteil kann sich der Whisky im Laufe der Zeit verändern und ein Teil des Alkohols sich verflüchtigen, vor allem bei zu warmer Lagerung.
    Manche Whiskies aber verändert dies sogar zum besseren, das habe ich mehrfach bei einigen Whiskies festgestellt, die mich direkt nach dem Öffnen der neuen Flasche nicht so ganz überzeugt hatten. Nach Lagerung und ein paar Monaten Wartezeit auf einmal wurden Whiskies, die am Anfang etwas ‚unrund‘ waren, oft besser.
    Ein solcher Kandidat ist beispielsweise der von euch ja ebenfalls geschätzte Dalmore. Der wird tatsächlich nach Öffnung und Wartezeit besser, das ging nicht nur mir so, sondern das gleiche habe ich auch schon von mehreren Bekannten gehört.
    Ich vermute mal, dass da evt. kleine Mengen an ‚Fuselalkoholen‘ in der neuen Flasche sind, die sich dann nach Öffnung im Laufe der Zeit verflüchtigen.

    1. Das ist ein guter Hinweis! Wir haben ähnliches bemerkt: So schmecken viele Whiskys unmittelbar nach dem Öffnen der Flasche nicht optimal. Häufig kommt der Alkohol recht stark heraus und die Aromen wirken dicht gedrängt und teilweise eher schmal. Durch das Atmen im Glas – oder eben über Wochen hinweg in der Flasche – können sie sich erst richtig entfalten. Man kann also annehmen, dass der Whisky sich bis zu einem gewissen Punkt geschmacklich steigert. Und danach geht es mit zu viel Sauerstoff dann wieder geschmacklich bergab…

      Gibt es einen Whisky bei dir, der eine lange Lagerung nicht gut vertragen hat?

  3. Sauerstoff fördert Oxidation. Je älter ein Whisky ist, desto länger war er ja schon im Fass dem Sauerstoff ausgesetzt. Ein junger Whisky wird sich also wahrscheinlich im Geschmack eher verändern als ein alter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*