Wenn ein Japaner einen Whisky bestellt, dann als Highball: Whisky, Mineralwasser und Eis in einem hohen Glas serviert. Der spritzige Longdrink steht in jedem Restaurant auf der Karte. Und wer seinen Highball lieber zuhause trinkt, holt sich eine Dose aus dem Kühlschrank der allgegenwärtigen 24h-Mini-Supermärkte wie Seven Eleven, FamilyMart oder Lawsons.

Überall erhältlich ist der Suntory Highball, ein Klassiker in silberner Dose mit knallgelbem Etikett. Es gibt ihn mit 7 % Alkohol und – für alle die es stärker mögen – als Variante mit 9 %. Gemischt wird er aus dem hauseigenen Kakubin-Whisky-Blend und Mineralwasser. Hier haben wir den Suntory Highball schon einmal ohne Kontrahenten getestet.

Der Highball ist in Japan so beliebt, dass es sogar ausländische Whiskys in gemischter Form gibt. Seit der Übernahme von Jim Beam durch Suntory gibt es auch einen Jim Beam Highball im Kühlregal. Der beliebte Bourbon aus Kentucky wird dabei auf 5 % herunterverdünnt. Immerhin: Man hat dafür Orangenlimonade und nicht Sprudelwasser verwendet.

Doch was ist besser: Der „Original“-Highball von Suntory oder der Import mit dem Kentucky-Bourbon. Der Abend ist mild, der Blick auf den Tokyo Skytree Tower hervorragend und somit die Voraussetzungen ideal für ein Highball-Duell.

 

Jim Beam Highball vs. Suntory Highball

(Foto: Alkoblog)

Knack macht der Verschluss der Dose und schon ist der Jim Beam Highball offen. Stilecht lasse ich die Nosing-Gläser weg und trinke ihn direkt aus der Dose. Wer japanische Highballs kennt, der wird überrascht sein: Denn dieser hier hat einen Orangengeschmack. Erinnert mich spontan an Brausebonbons aus meiner Kindheit. Dabei aber nicht zu süß, sondern eher feinherb. Ich denke an Orangina, die ja auch weniger süß als zum Beispiel Fanta daherkommt. Der Bourbon kommt mild im Mittelteil durch, ich schmecke Vanille und eine Spur Holz. Erstaunlich wie gut der im puren Zustand ja doch eher kantige Mainstream-Whiskey in dieser Mischung funktioniert. Man merkt die 5 % Alkohol fast gar nicht und der Drink schmeckt keineswegs spritig.

Zeit für eine Zwischenfrage: Was passiert eigentlich, wenn der Suntory Highball im eigenen Land verliert? Begeht der Highball dann Harakiri? Diese Sauerei möchte ich mir lieber nicht vorstellen…besser die nächste Dose öffnen und den heimischen Vertreter probieren.

(Foto: Alkoblog)

Der Suntory Highball ist im direkten Vergleich viel ernster. Das hier ist Whisky plus Mineralwasser und sonst nichts. Etwas freudlos wirkt der Drink, erinnert an einen biederen Büroarbeiter im Anzug und nicht an einen flotten Freelancer. Dafür bleibt der Suntory Highball dem Aroma des Whiskys treu, wenngleich in der Mitte doch etwas die Aromen und die Fülle fehlen. Es handelt sich eben um einen stark verdünnten Whisky. Zudem nicht unbedingt um den besten: Wer den Kakubin Blend einmal pur im Glas hatte, wird das bestätigen können. Er ist in Ordnung zum Mischen, für alles andere aber doch zu jung und zu grain-lastig. Dafür wartet der Suntory Highball mit einer anderen Überraschung auf: Er schmeckt mineralisch, kieselig – wie ein Felsen, den man im Wasser gelöst hat. Ist das die Auswirkung des Mineralwassers? Ich weiß es nicht, aber in jedem Fall gibt es dem Drink eine spannende Note.

Fazit zum Duell der Highballs

Mit Blick auf den Tokyo Skytree macht der Highball-Genuss gleich doppelt Spaß (Foto: Alkoblog)

Macht der japanische Klassiker von Suntory das Rennen oder liegt am Ende der amerikanische Herausforderer vorne? Das Ergebnis wird wohl vor allem von den eigenen Erwartungen abhängen. Wer einen traditionellen Highball probieren möchte, so wie er in Sushi-Restaurants und Yakitori-Kneipen angeboten wird, der sollte zum Suntory greifen. Er ist ernst und trinkt sich trotz des Alkoholgehalts von 7 % fast wie Wasser. Geschmacksexplosion gibt es keine, aber die erwartet der Japaner beim Highball-trinken auch gar nicht. Eher westlich mutet die Highball-Variante von Jim Beam an. Sie kommt meinem Gaumen entgegen, der an Whiskey-Longdrinks mit Limonade (Frucht! Zucker!) gewöhnt ist. Spontan fand ich den Jim Beam Highball erfrischender, es macht mehr Spaß ihn zu trinken. Wenn man denn überhaupt auf gemischten Whisky steht – und sich nicht gleich eine pure Probe bestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*