Whisky

Veröffentlicht am 11. April 2017 | Fotos: Alkoblog

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Ein Geheimtipp etabliert sich: Whisky&Festival 2017 auf Fehmarn

Hätten wir mal nichts gesagt! In unserem letzten Bericht zum Whisky-Festival auf Fehmarn hatten wir noch gelobt, dass es hier „keine nervtötende Dudelsackmusik gibt, die einem bei so vielen anderen deutschen Whisky-Festivals immer so herrlich auf den (Dudel)sack geht.“

Und diesmal? Konnten wir den sägend-jaulenden Klang des Dudelsackspielers schon von weitem hören, als wir auf den Scandlines BorderShop im Hafen von Puttgarden zusteuerten. Ja, dieser Geheimtipp unter den deutschen Whisky-Festivals ist dabei sich zu etablieren. Und schon hält die typische schottische Folklore Einzug, ohne die kein Whisky-Event hierzulande auszukommen scheint…

Machte Jagd auf dänische Kunden: Dudelsackspieler im BorderShop Puttgarden

Die whiskybegeisterten Besucher ließen sich von der Lautstärke derweil nicht abschrecken: Auf dem Festival-Deck des Schiffes drängten sich die Fans des flüssigen Goldes und probierten alles was nicht niet- und nagelfest war. Die Messe war deutlich besser besucht als im letzten Herbst. Und neben Dänisch und Schwedisch hörten wir auch deutsche Stimmen: Gruppen von älteren Männern, ganz offensichtlich Angehörige eines Whisky-Clubs, wie der Aufdruck auf ihren Shirts verriet, waren angereist, um im Fährhafen von Puttgarden erlesenste Single Malts zu verkosten.

Es scheint sich herumgesprochen zu haben: Beim Whisky+Festival kann man auch ältere und seltene Whiskys zu sehr vernünftigen Preisen verkosten. Hierzu erwirbt man am Eingang ein Paket mit Münzen, die man dann gegen Drams eintauschen kann. Dieses Prinzip macht die Verkostung selbst angenehmer, da nicht ständig nach Bargeld gekramt werden muss.

Kleine Fangfrage: Lieber ein alter Macallan oder eine junge Ehefrau?

In der Master Class von David Francis, Brand Ambassador bei Edrington Travel Retail, erhielten wir einen ausführlichen Einblick in die aktuelle Range von The Macallan und Highland Park. Es war schon interessant zu hören, wie hier die Fahne für NAS-Whiskys hochgehalten wurde. Wobei es die bei Macallan eigentlich gar nicht gibt: „Wir nennen sie lieber multi-vintage cuvées“, betonte Francis schmunzelnd. Mit suggestiven Fragen wie „Möchtet ihr lieber eine Ehefrau die 60 Jahre oder eine die 25 Jahre alt ist?“, versuchte er uns zu bewegen, die Sinnhaftigkeit von Age-Statements zu hinterfragen. Nur noch der Geschmack des Whiskys soll zählen, nicht mehr sein Alter. Jünger sei manchmal besser.

Alkoblogger Samuel im Gespräch mit David Francis von Edrington Travel Retail (u.a. Macallan, Highland Park, Famous Grouse)

Und natürlich hat er teilweise recht: Nicht jeder 18 oder 21 Jahre alte Single Malt kann überzeugen, nur weil er lange im Fass war. Andererseits fragt man sich natürlich schon, warum die Destillerie bei einem Premium-Whisky wie dem Macallan Rare Cask Black, der ja sogar einige sehr alte Malts aus den 1950er Jahren enthalten soll, nicht einfach ein Alter auf die Flasche schreibt. Noch ein Fakt gab uns zu denken: Sowohl Macallan als auch Highland Park haben weiterhin ihre klassischen Age Statements im Programm. Alles auf die „multi-vintage cuvée“-NAS-Kreationen zu setzen, scheint den etablierten Destillerien doch zu riskant zu sein…

Die Präsentation wird immer wichtiger: Shop-in-Shop-Konzept von Highland Park im BorderShop

Die Präsentation von Whiskys wird immer wichtiger

Ein Deck tiefer gab es im BorderShop einen weiteren Trend der Spirituosen-Branche zu besichtigen: Die Präsentation von Whisky, Rum und Co. wird immer wichtiger. Die Marken investieren viel Geld in eigene Verkaufsdisplays und Shop-in-Shop-Bereiche. Hier werden nur die Abfüllungen einer Marke in der passenden Dekoration, häufig ergänzt um großformatige TV-Displays mit Werbefilmen, stimmungsvoll in Szene gesetzt. Vorbei scheint die Zeit zu sein, als die Flaschen einfach in einem Pappkarton auf einer Palette zur Abholung bereitstanden. Der Spirituosen-Genießer von heute will emotional abgeholt werden.

Wie ein edles Parfüm präsentiert Nikka seine japanischen Blends

Die neu gestalteten Bereiche von Famous Grouse, Bruichladdich, Nikka Whisky und anderen zeigen, wohin die Reise geht. So erinnert der Bereich von Nikka nicht von ungefähr an die Präsentation von luxuriösen Parfums. Wie edle Flakons stehen die minimalistisch gestalteten Whisky-Flaschen im Regal und umrahmen das Portrait des Gründers Masataka Taketsuru. Wobei wir vom Aufsprühen des Hibiki 30 Jahre an dieser Stelle dann doch nicht zuletzt aus Kostengründen abraten möchten…

Gute Stimmung beim Tasting an Deck: Wir verkosten den Lagavulin 8 Jahre

Auf dem Oberdeck: Ehrliche Age Statements im Glas

Zurück an Deck gab es mit dem Glenfiddich 25 Jahre und dem Lagavulin 8 Jahre zwei weitere edle Whiskys ins Glas, die uns wieder einmal bekräftigt haben: Die Schotten haben es weiterhin drauf und bringen nicht nur durchwachsene NAS-Whiskys heraus, sondern auch verdammt gute Age Statements. Besonders gefreut hat uns, dass Lagavulin sich einfach getraut hat, das niedrige Alter des Single Malts auf die Flasche zu schreiben. Dem Whiskygenuss tut es keinen Abbruch – und als Fan fühlt man sich endlich einmal nicht von der Werbeabteilung verschaukelt.

Leckerer Fischteller im Restaurant Molenblick im Fährhafen von Puttgarden

Im „Molenblick“ gibt’s leckere Fischgerichte

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber von rauchigem Whisky kriege ich immer Lust auf Fisch. Gut, dass das Restaurant Molenblick unweit des Fährhafen noch offen hatte (normalerweise nur Montag bis Freitag, 11-17 Uhr). Der gemischte Fischteller mit drei Sorten und Speck-Bratkartoffeln für 13,50 Euro war superlecker und genau die richtige Ergänzung zu einem schönen Nachmittag mit erlesenen Malts beim Whisky+Festival im Bordershop in Puttgarden.

Weiterlesen:  Aufgespürt: Das (wohl) geheimste Whisky-Festival Deutschlands


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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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