Einer der bekanntesten Whiskykenner: der leider schon verstorbene Michael Jackson. Im Bild sein Standardwerk "Whisky". (Foto: Alkoblog)

Wer einen Einstieg in die Welt des Whiskys sucht, wird sich wohl früher oder später nach einem Begleiter in Buchform umschauen. Sei es, um mehr über die Herstellung und den Geschmack von gutem Whisky zu erfahren oder einfach um neue spannende Destillerien kennenzulernen. An dieser Stelle kommt  häufig das Whisky-Buch von Michael Jackson ins Spiel, welches als Standardwerk zum Thema gilt. Wir haben uns den 288 Seiten starken Band genauer angeschaut…

Whisky-Genießer: Über den Autor Michael Jackson

Michael Jackson ist wie sein Namensvetter, der bekannte Pop-Titan, viel zu früh verstorben. Zeit seines Lebens hat er dennoch tausende Whiskys verkostet und zahlreiche Bücher zum Thema verfasst. Als Kolumnist für verschiedene Whisky-Magazine und Zeitungen schrieb er zudem zahlreiche Artikel zu seinem Lieblingsthema. Und was viele nicht wissen: Auch mit Bier kannte sich Michael Jackson aus. Er führte mit seinem 1977 erschienenen The World Guide to Beer eine wichtige Kategorisierung verschiedener Sorten ein. Gleich neun internationale Co-Autoren (darunter Dave Broom, Stuart Ramsay, Jürgen Deibel) führen das Erbe des britischen Whisky-Genießers Jackson fort. Über vielen Kapiteln ist dann auch angegeben, wer den Text geschrieben hat.

Auch auf die industrielle Whisky-Herstellung wird ausführlich eingegangen. (Foto: Alkoblog)
Auch auf die industrielle Whisky-Herstellung wird ausführlich eingegangen. (Foto: Alkoblog)

Der erste Teil: Die Whisky-Herstellung

„Whisky. Die Marken und Destillerien der Welt“ gliedert sich thematisch grob in zwei Teile: Im ersten Teil wird die Herstellung von Whisky ausführlich geschildert. Vom Klima über das Wasser, die Luft, die Gerste und den Torf werden die wichtigsten Faktoren des Geschmacks in eigenen kurzen Kapiteln (meist eine Doppelseite) vorgestellt. Das Mälzen, die Gärung, das Brennverfahren und die anschließende Lagerung im Holzfass werden ausführlich beschrieben und mit Grafiken anschaulich erläutert. Gut gefallen hat uns, dass die Autoren den industriellen Charakter der Whisky-Herstellung nicht verleugnen. So sehen wir auf Fotos etwa die Abläufe in einer kommerziellen Mälzerei, werden nicht nur schöne Kupferbottiche, sondern auch eher schmucklose Brennsäulen gezeigt. Das so erzeugte Bild ist allemal ehrlicher, als die Folklore-Nummer, die man in vielen Destillerien vor Ort geboten bekommt!

Auch über Islay-Whisky informiert das Standardwerk. (Foto: Alkoblog)
Auch über Islay-Whisky informiert das Standardwerk. (Foto: Alkoblog)

Der zweite Teil: Whiskyländer und Marken

Der zweite Teil des Buches widmet sich ganz den verschiedenen Whiskyländern. Klar, dass Schottland als „Grand Nation“ des Malts hier viel Platz eingeräumt bekommt. Michael Jackson folgt der klassischen Einteilung der Whisky-Regionen in Lowlands, Islay und Inseln, Highlands (unterteilt in Western, Northern und Eastern Highlands) und Speyside. Einige Destillerien wie Auchentoshan, Edradour oder Macallan bekommen eine Doppelseite spendiert, andere werden kürzer auf einer Seite zur Unterregion abgehandelt – etwa Speyburn, Glen Rothes, Glen Spey und Glen Grant auf einer Seite zum Ort „Rothes“. Der Grund hierfür liegt wohl zum einen am begrenzten Platz im Buch, auch ist nicht jede Destillerie gleich spannend, zu guter Letzt wird aber wohl auch die persönliche Vorliebe des Autors dafür verantwortlich sein. Einige spannende Brennereien wie z.B. Aberlour, Glenfarclas oder Cragganmore werden auf diese Weise sehr kurz in nur einem Absatz behandelt…das ist schade, weil man als Anhänger dieser Destillerien kaum Neues erfährt.

Verkostungsnotizen zu mehreren hundert Whiskys

Die Vorstellung der Destillerien wird ergänzt um eine Verkostungs-Box am Ende jeder Doppelseite. Hier veröffentlicht Michael Jackson seine Verkostungsnotizen zu verschiedenen ausgewählten Abfüllungen. Diese sind durchaus unterhaltsam zu lesen. So riecht etwa der Lagavulin 16 nach „Pulverdampf, Trawlertauen, Pflaumen und Sahnepudding“ und kann im Geschmack mit „getrockneten Algen“ und „Spundlappen“ aufwarten. Der Glenlivet 12 erinnert ihn hingegen an „gebackene Beeren“ und „frisch gesägtes Holz“. Leider wird nicht ganz klar, nach welchen Kriterien die vorgestellten Single Malts ausgewählt wurden. Insgesamt bekommt man als Leser aber einen guten Eindruck von der Vielfalt der Whiskys und den verschiedenen Stilen der einzelnen Brennereien.

Kaum qualitative Einschätzungen

Michael Jackson verzichtet fast vollständig auf qualitative Urteile zu den Whiskys. Was bei den Single Malts teilweise in Ordnung gehen mag, stört im Kapitel über Blends doch. Zwar wiederholt der Autor das viel gehörte Mantra, dass ein Blend nicht zweitklassig sein muss und Spitzen-Blends mit guten Single Malts mithalten können – defakto wird ein Großteil des hergestellten Whiskys auf der Welt aber zu eher günstigen Mainstream-Blends verschnitten. In der Verkostungsbox steht dann auch Johnnie Walker Red Label neben Chivas Regal 12, Johnnie Walker Black Label neben Teacher’s – ohne dass eine Einordnung der Qualität oder unterschiedlicher Preislagen erfolgt. Gerade die würde man sich als Einsteiger doch wünschen. Wer wissen möchte, welche Whiskys gut sind, kommt um ein zusätzliches Buch oder eine Internet-Recherche nicht herum.

Über japanischen Whisky gibt es ein eigenes Kapitel. (Foto: Alkoblog)
Über japanischen Whisky gibt es ein eigenes Kapitel. (Foto: Alkoblog)

Whisky weltweit: Starke Reiseberichte

Ein Highlight des Buches sind zweifellos die Kapitel über die Whiskyländer außerhalb Schottlands. Mit seinen Berichten aus Kanada, den USA oder Japan erweitert Michael Jackson das Spektrum und nimmt einen mit auf die Reise um die Whiskywelt. Anschaulich erzählt er die Geschichte des Rye Whiskey in Pennsilvania und Maryland oder fährt nach Japan, um die dortigen Produktionsmethoden zu beleuchten. Überhaupt: Wenn er erzählen kann, dann ist der Autor in seinem Element, dann möchte man am liebsten immer weiter lesen…

Kleinere Mängel des Whiskybuches

Eher knapp und drangehängt wirken die Kapitel über Whiskycocktails, Whisky zum Essen und Whisky in der Küche, welche sich am Ende des Buches befinden. Sie sind oberflächlich und richten sich erkennbar an Einsteiger, die sich vermutlich genau solche Themen in einem Whiskybuch auch noch wünschen. Wir hätten uns an dieser Stelle mehr über eine Tabelle aller vorgestellten Whiskys mit einer Wertung des Meisters gefreut. Kleinere Mängel gibt es bei den Karten: So wird auf der Destillerie-Karte auf Seite 93 die Position von Glen Moray viel zu weit westlich von Elgin angezeigt, auch liegt die Aberlour-Brennerei direkt an der Straße durch den Ort und nicht östlich davon. Diese Kleinigkeiten sind ärgerlich, können den positiven Gesamteindruck des Whiskybuches aber nicht trüben. Dann schon eher die Tatsache, dass bestimmte Themen außen vor bleiben: So werden No-Age-Statement-Whiskys in dem Buch mit keinem Wort erwähnt, was sich nicht mit dem Erscheinungsdatum erklären lässt, denn die aktuelle Auflage ist von 2012.

Unser Fazit

Insgesamt bekommen Einsteiger mit „Whisky. Die Marken und Destillerien der Welt“ einen gelungenen Ratgeber an die Hand. Das Buch macht Lust auf den Genuss von Whisky und lädt dazu ein, neue Geschmackserlebnisse weltweit zu suchen. Nicht zuletzt tragen die exzellente Bebilderung, die anschaulichen Grafiken und die gute Druckqualität dazu bei, dass dieses Buch seinem Ruf als Standardwerk der Whiskywelt gerecht wird. Allerdings wird nicht jede Destillerie gleich ausführlich vorgestellt, was besonders schmerzt, wenn es einen persönlichen Liebling trifft. Einschätzungen über die Qualität der verkosteten Whiskys finden sich kaum, was die Entscheidung für eine bestimmte Flasche insbesondere für Einsteiger nicht gerade erleichtert. Der Umfang des Buches ermöglicht es jedoch, einen guten ersten Überblick zu den bekanntesten Destillerien und Whisky-Geschmacksnoten zu bekommen. Wir haben jedenfalls beim Lesen direkt Lust bekommen, einige neue Whiskys zu verkosten…

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