American Whiskey

Veröffentlicht am 9. Juni 2016 | Foto: Alkoblog

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Whiskey-Etiketten verstehen (03): Bulleit Rye Whiskey

Im dritten Teil unserer Whiskyetiketten-Serie knöpfen wir uns zum ersten Mal einen Amerikanischen Whiskey vor. Was hat es mit Begriffen wie „Frontier Whiskey“, „Small Batch“ und „Rye Whiskey“ auf sich? Welche Geschichte verbirgt sich hinter dieser markanten Whiskeyflasche und was steht gar nicht erst auf dem Etikett? Unser Etiketten-Check zum Bulleit Rye Whiskey klärt auf.

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1. Die Marke

Der Name Bulleit soll auf August Bulleit zurückgehen, der im Louisville (Kentucky) der 1830er Jahre nach der richtigen Formel für den perfekten Whiskey suchte. Darunter befand sich der Legende nach auch ein Rezept für einen Rye Whiskey mit besonders hohem Roggenanteil in der Maische. Bei einer Liefertour von Kentucky nach New Orleans soll August Bulleit jedoch eines Tages spurlos verschwunden sein. Ob die Legende stimmt? Die tatsächliche Existenz von August Bulleit ist zumindest umstritten.

Glaubt man der Legende, wäre mit dem Verschwinden von August Bulleit auch fast das Rye Whiskey Rezept verschwunden, wenn da nicht Thomas E. Bulleit gewesen wäre, sein Ur-Ur-Enkel. Dieser grub das alte Familienrezept im Jahr 1987 wieder aus. Tauschte sein altes erfolgreiches Berufsleben gegen ein Leben an der Frontier (die es in ihrem ursprünglichen Sinne schon lange nicht mehr gibt). Und gab alles für den riskanten Traum der Bulleit Distilling Company auf. Geschichten die das Leben schreibt… Oder eben die PR-Agentur.

Seit dem Jahr 1997 gehört die Marke Bulleit zum Diageo-Konzern. Eine eigene Destillerie gibt es momentan nicht. Bulleit Whiskey wird derzeit im Auftrag in der MGP-Distillery, einer Großbrennerei in Lawrenceburg/Indiana produziert. Laut Diageo soll jedoch Ende des Jahres 2016 eine eigene Destillerie in Shelby County/Kentucky eröffnet werden.

2. Was ist ein Frontier Whiskey?

Der Begriff Frontier stammt ursprünglich noch aus der Zeit der Eroberung von Amerika und der Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner von ihrem Land. Die Frontier war dabei das Grenzland zwischen Zivilisation und Wildnis. Im Jahr 1890 wurde die Zeit der Frontier in den Vereinigten Staaten offiziell für beendet erklärt.

Was soll also ein Frontier Whiskey sein? Der Whiskey bezieht sich hinsichtlich Geschichte, Herstellung und Geschmack auf die damalige Zeit. Das Rezept für den Bulleit soll aus dem Jahrhundert stammen in der es die legendäre Frontier noch gab und möchte einen Teil des legendären Mythos auf sich übertragen. Auch wenn man davon ausgehen muss, dass der heutige Whiskey mit dem Whiskey des 19. Jahrhunderts nicht allzuviel gemeinsam hat, sofern er aus einer Großbrennerei stammt. Zwar hat sich am ursprünglichen Herstellungsprozess von Whiskey nicht sehr viel verändert, wohl aber bezüglich der geltenden rechtlichen Regularien und den zur Verfügung stehenden technischen Gerätschaften (z. B. Filtrierung und Brenntechnik).

Der Begriff „Frontier Whiskey“  an sich ist eine Wortschöpfung und stellt keine besondere Whiskeyqualität oder Herstellungsmethode dar. Den Recherchen zufolge wird der Begriff auch ausschließlich von Bulleit verwendet.

3. Wieso Small Batch Whiskey?

Auch der Begriff „Small Batch“ (Kleinserie) stellt keine geschützte Bezeichnung dar. Im amerikanischen Recht ist es in keiner Weise geregelt welche Whiskeymenge oder Fassanzahl eine solche Kleinserie umfassen darf. So kann eine Small Batch Abfüllung aus einer Mischung von einigen wenigen ausgesuchten Fässern bestehen oder eben aus einer sehr großen Anzahl. Aktuell wird eine Bulleit Destillerie in Shelby County mit einem Produktionsvolumen von fast 7.000.000 Litern Whiskey gebaut.

Klar fallen darunter auch Bourbon-Whiskeys und andere Bulleit-Abfüllungen. Doch man kann davon ausgehen, dass auch heute schon sehr viel Bulleit Rye Whiskey produziert wird. Da der Bulleit Rye jedoch konsequent als Small Batch verkauft wird, ist das Batch wahrscheinlich nicht allzu klein. Besondere Kennzeichnungen mit Produktionsdaten, Anzahl der Batches, Anzahl der Flaschen pro Batch oder weitere Angaben, welche andere Rückschlüsse zulassen würden, fehlen auf dem Etikett.

Wenn ihr einen richtigen Small Batch Whiskey trinken wollt, solltet ihr auf Angaben auf dem Etikett wie Flasche X von Y Flaschen oder auf andere die Größe des Batches beschreibende Angaben achten. Eine andere Variante des Small Batches sind sogenannte Single Cask Abfüllungen. Hier ist das Batch garantiert klein, da die Abfüllung aus nur einem einzigen Whiskyfass stammt.

4. Was bedeutet Straight 95% Rye Mash Whiskey?

Whiskey wird normalerweise mit Bourbon assoziiert. Bei Bourbon-Whiskey muss die Maische zu mindestens 51% aus Mais bestehen (normalerweise liegt der Anteil im Bereich 70%). Der Name Rye Whiskey deutet bereits an, dass hier nicht überwiegend Mais sondern Roggen Verwendung findet. Die Maische des Bulleit Rye Whiskeys besteht zu 95% aus Roggen und zu 5% aus gemälzter Gerste.

Und was hat es mit dem Straight auf sich? Ein Amerikanischer Whiskey darf dann als Straight bezeichnet werden, wenn er mindestens zwei Jahre in frischen ausgebrannten Eichenholzfässern lagerte. Beim Bulleit Rye soll die Lagerzeit zwischen 5 und 8 Jahren liegen. Das Straight hat er sich also locker verdient.

Mehr zum Bulleit Rye? Hier unser Test!


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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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