Eine Fusion von Grappa und Cognac vereint sich im Walcher Grappagnac. Wie macht er sich im Test? (Foto: Alkoblog)

Zugegeben: Mit dem Genuss von Grappa verbinde ich nicht nur positive Erinnerungen. Auf Partys kam der Grappa meist zu später Stunde und „weil nichts anderes mehr da ist“ (Aussage Gastgeber) auf den Tisch. Schon die Flasche sah kitschig aus, der enthaltene Grappa ließ sich mit nichts mischen und schmeckte fürchterlich nach Fusel. Natürlich lag es daran, dass es schlechter Grappa war. Jetzt also ein neuer Anlauf – werde ich mit dem Grappa doch noch Freundschaft schließen?

Was ist Grappa eigentlich?

Wer einen Grappa herstellen will, sollte einen guten Winzer kennen: Denn aus dem Trester (vor allem Schalen, aber auch Stängel und Kerne), die beim Pressen der Trauben übrig bleiben, wird der Grappa gebrannt. Die Spirituose gibt es schon relativ lange: Während der ersten Kreuzzüge im 11. Jahrhundert brachten Schriftgelehrte die Technik der Destillation aus Persien nach Italien. Insbesondere die Jesuiten verbreiteten die Methode dann und experimentierten mit der Destillation von Wein. Heute ist genau definiert, was sich Grappa nennen darf: Die Spirituose darf nur aus Trester hergestellt werden, dessen Trauben in Italien geerntet und vinifiziert wurde. Auch die Destillation muss in Italien erfolgen.

In der Tradition des Cognac

Vor allem die Regionen Norditaliens wie Trentino, Venetien, Lombardei, Piemont und Südtirol sind bekannt für ihren Grappa. Aus letzterer kommt auch der Grappagnac von der Brennerei Walcher. Neben Grappa aus bestimmten Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Gewürztraminer oder Chardonnay hat man auch diese Spezialität im Programm: Bei dem Kunstbegriff Grappagnac schwingt natürlich das Wort „Cognac“ mit. An diese Genusstradition aus Frankreich möchte man mit der Eigenkreation offenbar gerne anknüpfen. Der Grappagnac wurde für eine gewisse (leider nicht näher bestimmte) Zeit im Eichenholzfass gelagert.

Unsere Tasting des Walcher Grappagnac

Wie riecht er?

Aus seiner Herkunft macht dieser Grappa kein Geheimnis: Der intensive Geruch von Weißwein zieht uns in die Nase. Süße Trauben mischen sich mit Rum-Trauben, alles in allem aber sehr jung. Auch etwas Mandel und Holz finden sich in dem Bouquet. Über allem liegt eine dichte Wolke aus Alkohol, die an Obstbrände erinnert.

 

Wie schmeckt er?

Nach dem Geruch hatte ich die Befürchtung, dass der Grappagnac recht scharf schmeckt: Doch das Gegenteil ist der Fall! Weich, süß und lieblich wie ein Dessertwein legt er sich auf die Zunge. Auch die Konsistenz ist eher cremig wie bei manchen Rum-Sorten. Wir schmecken Holunderblütensirup, geschälte Mandeln und einen Hauch Minze. Mit einer holzigen, leicht bitteren Note sagt uns der Grappagnac leise „ciao“.

Natürlich ist ein Grappa nicht so komplex wie ein guter Whisky, uns konnte er dennoch überzeugen. Der erste Schritt zu einer Versöhnung mit dem Grappa ist getan…

Wir danken dem Weisshaus-Shop für die Zusendung des Grappagnac.

Walcher Grappagnac
Gestaltung & Story65
Geruch58
Geschmack84
Preis-Leistung70
69
Fazit
Nach einem guten Essen sorgt der Grappagnac als Digestif für Freude. Seine milden, lieblichen Aromen verleihen ihm einen hochwertigen Charakter. Das Eichenholzfass rundet die Spirituose gekonnt ab. Grappa-Freunde und alle die es werden wollen, können beim Grappagnac unverzagt zugreifen!

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