Vier deutsche Gins im Vergleichstest (Foto: Alkoblog)

Der Gin-Boom in Deutschland ist ungebrochen: Immer neue Mikro-Destillerien schießen wie Pilze aus dem feuchten Waldboden, häufig mit nur einem Produkt: Einem Gin, der durch besondere Botanicals und mit regionalem Bezug bestechen soll. Der Gin, einst als Fusel in der Mischung mit Tonic verschrien, feiert seine Renaissance und ist wieder in aller Munde. So scheint es auf den ersten Blick zumindest. Denn schon jetzt kann man sich die Frage stellen: Wer soll das alles trinken? Und welcher Gin ist eine Kostprobe wert?

Wir laden drei deutsche Gins und einen Österreicher zum Vergleichstest: Monkey 47 Gin aus dem Schwarzwald, Adler Berlin Dry Gin aus Berlin, Windspiel Dry Gin aus der Eifel und Gin Alpin aus dem Kreis Salzburg treten gegeneinander an. Verbindet man mit Monkey 47 und Adler Berlin schon ein gewisses Renommee, so ist der Windspiel Gin ganz neu auf dem Markt. Mit Spannung verfolgen wir also, wie sich der Neuling in der Riege der deutschen Premium-Gins gegen die Platzhirschen behaupten wird.

Windspiel Gin im Test

Wie riecht er?

Wie fast alle Regional-Gins wirbt auch Windspiel mit einer Besonderheit: So wird dieser Gin aus Kartoffeln gebrannt, welche die Macher (angeblich eigenhändig) im Boden der Eifel anbauen. Beim Schnuppern am Glas kommt uns jedoch eine andere Assoziation in den Gin äh in den Sinn: Windspiel erinnert uns an spontan an Hendrick’s Gin (das ist der mit der Gurke). Erstaunlich weil Gurke vermutlich gar nicht zu den Botanicals gehört. Weich und blumig klingelt das Windspiel in der Nase, der Duft von Wacholder ist ebenfalls ausgeprägt, gefolgt von Zitronenschale. Eine warme Würzigkeit zeichnet diesen Gin aus. Zimt und Koriander runden die Mischung ab.

Wie schmeckt er?

Überraschend fruchtig. Fast wie ein Fruchtlikör aus Traube oder Pfirsich prickelt der Windspiel Gin auf der Zunge. Der Wacholder ist prägnant, aber gut eingebunden. Die Aromen sind eindeutig dem klassischen London Dry Gin verpflichtet. Mit Sandelholz und einer Prise Pfeffer verabschiedet sich die Spirituose aus der Eifel. Die 47 % Alkohol brennen recht stark nach, lassen jedoch keinen Fuselverdacht aufkommen. Der Windspiel Gin ist eine runde Sache!

Monkey 47 im Test

Wie riecht er?

Das ist mal eine Mischung! Der Monkey 47 schießt Aromen in unsere Riechkolben, als gebe es kein morgen! Zunächst ungewohnt ist die synthetische Note, die an Klebstoff erinnert. Gar nicht mal so angenehm. Doch mit etwas Standzeit gibt der Affe aus dem Schwarzwald sein Geheimnis Preis: Wiese und Kraut, Minze und Zitronenmelisse, Wacholder und trockene Waldbeeren, dazu Zitrone… der Monkey 47 ist sehr vielschichtig. Immerhin 47 Botanicals soll dieser Gin enthalten. Aufgrund seiner Aromendichte wirkt er bisweilen fast wie ein Kräuterlikör.

Wie schmeckt er?

Auch hier zeigt die Vielzahl an Botanicals ihre Wirkung: Komplex, auf mehreren Ebenen, ordnet der Monkey 47 Gin seine Geschmacksnoten an. Der Wacholder ist sehr dezent, wird von den Kräutern fast verdeckt. Lavendel, Thymian und Kümmel verbinden sich mit ausgeprägten Bitterkeit. Wirkt er vorne scharf, so wird er nach hinten hin immer milder. Auch hier trägt der erhöhte Alkoholgehalt von 47 % dazu bei, dass der Monkey etwas nachbrennt. Auch beim Geschmack erinnert dieser Gin ein wenig an einen Kräuterschnaps.

Adler Berlin Gin im Test

Wie riecht er?

Im Vergleich zu Windspiel und Monkey 47 wirkt der preußische Adler deutlich leichter: Blumig und weich breiten sich seine Noten in der Nase aus. Etwas Frucht in Form von Mandarine und Wassermelone, etwas Zitronenschale und dazu Gewürze (Anis, Pfeffer, Zitronengras). Eine angenehme Abwechslung zum deutlich wuchtigeren Auftreten des Monkey 47.

Wie schmeckt er?

Auch hier wird schnell deutlich, dass der Adler Berlin Gin einen ganz anderen Stil anstrebt: Der Wacholder ist sehr mild aufgelöst, fast sommerlich wirken die leichten Aromen der Botanicals. Orangenschale und Limette umspielen die Zunge. Die Süße von Mandarinen, ein Hauch Fenchel und die Trockenheit sind die Markenzeichen des Gins aus Berlin. Eine pfeffrige Schärfe bleibt als Abschiedsgruß des Adlers auf der Zunge zurück.

Gin Alpin im Test

Wie riecht er?

Hier zeigt sich schnell: Mit der Premium-Riege aus Deutschland kann der österreichische Gin Alpin nicht ganz mithalten. Sein Duft erinnert an eine Obstwiese im Spätsommer: Pflaume, Aprikose und Birne liegen in der Luft. Das erinnert zum einen an einen Obstler, wirkt zum anderen aber etwas dumpf und wenig präzise. Der Wacholder ist nur wenig ausgeprägt.

Wie schmeckt er?

Hier purzeln die Adjektive schnell aus der Lippe: Fruchtig, mild, weich, cremig, seidig. Leichte Anklänge von Wacholder verbinden sich mit etwas undefinierbarem Obst. Schon im Einzeltest des Gin Alpin hatten wir die etwas unspannenden Aromen bemängelt. Dies wird ihm im direkten Vergleich zum Verhängnis: Er wirkt zu dumpf und erinnert eher an einen (freilich guten) Obstler als an einen Premium-Gin.

Fazit zu unserem deutschen Gin-Test

Vier Premium-Gins – vier unterschiedliche Charaktere. So muss das Fazit unseres Gin-Tests lauten. Denn jede der getesteten Spirituosen fühlt sich einem anderen Stil verpflichtet. Der Monkey 47 ist demnach die richtige Wahl für alle, die intensive Kräuteraromen schätzen und auch einem guten Kräuterschnaps nicht abgeneigt sind. Der Preis dafür ist eine gewisse Schwere im Körper, welche durch die Vielschichtigkeit der Aromen jedoch vollends aufgewogen wird. Eher klassisch britisch ist der Windspiel Gin orientiert: Kräftiger Wacholder, leichte Fruchtigkeit und zum Abschied ein Pfefferkick. Der Neuling aus der Eifel hat bewiesen, dass er bereit für die Premium-Nische ist. Wer einen leichten und sommerlichen Gin sucht, wird mit dem Adler Berlin fündig. Er ist ein angenehmer Begleiter, der trotz der Luftigkeit seiner Aromen nie beliebig wirkt. Mit deutlichem Abstand folgt der österreichische Gin Alpin: Seine Fruchtigkeit erinnert eher an einen Obstler, als an einen klassischen Gin. Die Aromen wirken im Vergleich zu den anderen Premium-Vertretern doch etwas unpräzise verteilt, das Ergebnis ist eher eine dumpfe Mischung als ein vollendeter Hochgenuss.

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