Trinkkultur Literatur und Alkohol: Truman Capote

Veröffentlicht am 18. Juni 2017 | Foto: Alkoblog

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Truman Capote – charismatischer Schriftsteller und Trinker (Literatur & Alkohol (Folge 3))

Screwdriver

Foto: Isabella Mendes / Pexels

Erfolgsautor, Dandy, Lebemann – auf den amerikanischen Schriftsteller treffen diese und viele weitere Attribute zu. Und vor allem war er auch eines: ein waschechter Genießer, der in der New Yorker High Society kaum eine Party ausließ. Als charismatischer Entertainer liebte er es, im Mittelpunkt von exklusiven Sektempfängen und Feiern zu stehen und dabei seine besten Anekdoten sowie den neuesten Klatsch und Tratsch zum Besten zu geben. Truman Capote war sich dabei seiner Wirkung auf andere stets bewusst. Bei all seiner Extravaganz, die er in der Öffentlichkeit zur Schau stellte, blieb Capote bei der Wahl seiner Drinks jedoch gänzlich bodenständig: Zu seinen persönlichen Lieblingsdrinks zählte übrigens ein Screwdriver bestehend aus Wodka und Orangensaft, den er zuweilen auch als „Orange Drink“ bezeichnete. Bei seinen Lunch-Verabredungen konnte man ihn außerdem häufig mit einem Glas Martini antreffen.

Ein guter Drink inspirierte ihn beim Schreiben

Der gepflegte Genuss von kühlen Drinks diente Capote zudem als Quelle der Inspiration für sein literarisches Schreiben. So beschrieb er seine persönliche Arbeitsweise 1957 in einem Interview mit der Paris Review folgendermaßen: „I can’t think unless I’m lying down, either in bed or stretched on a couch and with a cigarette and coffee handy. I’ve got to be puffing and sipping. As the afternoon wears on, I shift from coffee to mint tea to sherry to martinis.“ Entspannt – mit einem guten Drink in der Hand: So arbeitete der große amerikanische Schriftsteller Truman Capote also am besten.

Die Party des Jahrhunderts: Der legendäre Black & White Ball

1966 ließ Capote eine der bedeutendsten Partys des letzten Jahrhunderts steigen: den legendären Black & White Ball im Plaza Hotel in New York. Der Dresscode war klassisch-elegant: Masken, Fächer und ausschließlich schwarze oder weiße Abendroben und Smokings. Schon viele Monate vor dem Event begann Capote mit der Planung seiner großen Sause, an der „seine besten Freunde“ teilnehmen sollten: Berühmte Persönlichkeiten aus der Film-, Literatur-, Kulturbranche sowie der Politik- und Wirtschaftswelt aber auch Menschen aus Capotes Alltagsleben. Truman Capotes gesetztes Ziel war es vor allem, Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Bereichen an diesem einen Abend zusammenzubringen – und zu schauen, was passiert.

Die Einladungen für diese außergewöhnliche Feier waren heiß begehrt. Nicht selten verscherzte es sich Capote für immer mit all jenen, die keine Einladung erhalten hatten und von da an nie wieder ein Wort mehr mit ihm wechseln wollten. Angesagt war im wahrsten Sinne nur, wer einen Platz auf der Gästeliste ergattert hatte. Am Schluss nahmen über 500 Gäste an der Party teil, unter anderem auch Frank Sinatra, Norman Mailer, Andy Warhol, Lauren Bacall und viele weitere große Namen. Und mittendrin: Der strahlende Gastgeber Truman Capote, der mit dieser schillernden Party vor allem eines feiert: sich und seinen literarischen Erfolg.

Der Alkohol floss bei diesem Großereignis natürlich in Strömen. Bereits in den Bussen, die von den vorangehenden Dinnerpartys zum Ball fuhren, wurde reichlich Champagner eingeschenkt. Später wurden dann klassische Cocktails, Brandy, Whiskey und viele weitere Spirituosen serviert. Alles in allem war der Black and White Ball also ein wahrlich berauschendes Fest.

Die Krise eines großen Schriftstellers

Truman Capote

Foto: Roger Higgins

Nach seinem Hauptwerk „In Cold Blood“ war Truman Capote auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt – bekanntlich ging diese in den Jahren nach dem legendären Black & White Ball rasant bergab. Er hatte immer häufiger mit lang anhaltenden Schreibblockaden zu kämpfen, griff zu Beruhigungstabletten und Alkohol. Selbst vor engen Freunden konnte er seine Krisen teilweise sehr gut verbergen. Eleanor Friede, eine Freundin Capotes, erinnert sich etwa:

„Bei uns lag der Wodka immer im Eisfach. Truman ging dann in die Küche und sagte: ‚Ich nehme mir nur etwas O-Saft. Habt Ihr Orangensaft da?‘, und ich antwortete: ‚Ja, mein Lieber, im Kühlschrank.‘ Später am Nachmittag bemerkte ich, dass der Wodka aus war. Er behauptete, er trinke nicht mehr. Wie kann man jemanden helfen, der in einer so schlechten Verfassung ist?“

Wodka Orange und sein Affront gegen die High-Society

Orangensaft als Tarnung, um seine zunehmende Alkoholsucht zu verschleiern. Während Capote in seinen Erfolgsjahren vor allem in Gesellschaft trank oder um seiner Inspiration auf die Sprünge zu helfen, zog er sich in den 1970er Jahren immer weiter zurück und begab sich immer seltener zu großen Partys.

Dies hatte aber vor allem den Grund, dass er aufgrund seines neuesten literarischen Werks kein gern gesehener Gast mehr war: Nach 8-jähriger Schreibpause hatte er 1975 seinen Skandalroman „Erhörte Gebete“ veröffentlicht, durch den ein Großteil seiner „Freunde“ aus der High Society zu Feinden wurden. In den ersten Romankapiteln plauderte Capote pikante und zum Teil sehr intime Details aus dem Privatleben vieler ihm nahe stehenden Personen aus, was ihm viele seiner Bekanntschaften so übel nahmen, dass sie den Kontakt zu Capote gänzlich abbrachen. Die Millionärswitwe Ann Woodward, die sich und ihre Geheimnisse im Buch wiedererkannte, soll sich nach der Lektüre sogar das Leben genommen haben.

Das einsame Ende von Truman Capote

Truman Capote – Enfant terrible der amerikanischen Literatur – hatte die Wirkung seines Romanentwurfs selbst nicht vorgesehen und wurde von den vielen negativen Meinungen über sein Werk schier überwältigt. In Interviews gab er zwar oft an, dass ihn der Ausschluss aus der High Society nicht kümmerte, in Wahrheit versank der sensible Schriftsteller jedoch immer häufiger in Depressionen und unternahm mehrere Entzugstherapien. Am 25. August 1984 starb er einsam in Los Angeles. Bis heute wurden Truman Capotes Werke weltweit etwa 300 Millionen Bücher verkauft, damit zählt er zu den meistgelesenen Autoren der amerikanischen Literatur.



2 Responses to Truman Capote – charismatischer Schriftsteller und Trinker (Literatur & Alkohol (Folge 3))

  1. Ursula Heimann says:

    „Kaltblütig“ habe ich gelesen. „Erhörte Gebete“ ist mir entgangen. Interessant, jetzt davon zu hören. Ich lese diese Beiträge immer mit Interesse.

    • Deborah Deborah says:

      Freut mich, dass ich dich inspirieren konnte. Beide Werke von Truman Capote sind sehr lesenswert. „Erhörte Gebete“ ist ein ziemlicher „Klatsch-Roman“. 😉 Man versteht, warum sich Capote mit der Veröffentlichung der ersten Roman-Kapitel viele Feinde machte.
      Viele Grüße,
      Deborah

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Über den Autor

Deborah

ist leidenschaftliche Leserin und Genießerin. Vor allem die Literaten des 19. und 20. Jahrhunderts begeistern sie – eine Zeit, in der Wein, Whisky & Co. in Strömen flossen und den Schriftstellern vielleicht auch die eine oder andere gute Idee entlockten.


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