Tequila trinken wie ein Mexikaner (Foto: marshi / photocase.de)

„Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, frag nach Salz und Tequila“

Während dieses Sprichwort auf einer deutschen Party zuverlässig für Schmunzler sorgt, würde ein Mexikaner nur verwundert mit dem Kopf schütteln. So unterschiedlich sind die kulturellen Trinkgewohnheiten der Agaven-Spirituose, die nach ihrer ersten Produktionsstätte in der mexikanischen Stadt Tequila benannt ist. In diesem Artikel wollen wir euch die wichtigsten Rituale zum Genuss von Tequila vorstellen.

Der Party-Klassiker: Tequila trinken mit Salz und Zitrone

Viele werden die typische Reihenfolge beim Trinken des Tequilas aus Shot-Gläsern kennen:

  1. Mit einer Zitronenscheibe die Fläche des Handrückens zwischen Daumen und Zeigefinger anfeuchten
  2. Salz auf diese Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger streuen und es ablecken
  3. Den Tequila in einem Zug austrinken
  4. In die Zitronenscheibe beißen

Oder kurz: Erst salzig, dann säuerlich, dann baah!

Denn häufig wird dieses Ritual mit sehr günstigem Tequila durchgeführt.

So wird ein „Tequila Mixto“ nur zu 51 % aus Agaven gewonnen (der Rest ist Agraralkohol). Hochwertige Tequilas sind hingegen zu 100 % aus Agaven destilliert.

Billige Tequilas haben häufig einen scharfen Beigeschmack und können pur kaum genossen werden. Salz und Zitrone in der richtigen Reihenfolge helfen also dabei, den Gaumen von dieser geschmacklichen Zumutung abzulenken. Neben Deutschland erfreut sich dieses Ritual auch in vielen anderen Ländern Europas und den USA weiterhin großer Beliebtheit.

Viele Leute kennen überhaupt keine andere Art, Tequila zu trinken. Für sie ist das Salz-Zitrone- Ritual fest mit der Agavenspirituose verbunden.

Das Original: Tequila pur genießen wie in Mexiko

Wir sind wieder bei unserem kopfschüttelnden Mexikaner. Verwundert guckt er unter seinem Sombrero hervor. Denn in Mexiko trinkt man Tequila ganz anders!

Das fängt schon mit dem Glas an: Tequila wird in dem mittelamerikanischen Land in 5 cl fassenden hohen, schlanken Gläsern serviert, den sogenannten Caballitos. Anders als Nosing-Gläser laufen sie nicht nach oben hin zu, sondern sind eher wie kleine Longdrink-Gläser ganz gerade gestaltet.

Der Mexikaner genießt seinen Tequila in der Regel pur bei Zimmertemperatur, damit sich die Aromen besser entfalten können. Auf die Idee, einen in einem Eichenfass gereiften Tequila Añejo als Shot zu trinken, würde wohl kein Mexikaner kommen. Das langsame Genießen der Spirituose steht im Vordergrund. Bei den hohen Temperaturen im Land wäre ein allzu schnelles Herunterkippen des Tequilas ohnehin fatal.

Das Sommerliche: Limette, Salz und Tequila (aber ohne Hektik)

Doch auch in Mexiko kommen teilweise Limetten (analog zu unseren Zitronen) und Salz zum Tequila auf den Tisch. Das Ritual dient aber eher der Erfrischung an einem heißen Sommertag. Es läuft allerdings wesentlich entspannter als hierzulande ab.

Zunächst wird etwas Salz auf das Fruchtfleisch der Limette gestreut. Anschließend wird ein Stück Fruchtfleisch mit Salz abgebissen und etwas zerkaut, damit sich das säuerliche Zitrus-Aroma der Limette entfalten kann. Erst dann wird der Tequila langsam getrunken, der sich im Mund mit dem Limettensaft vermischt und ein sommerlich frisches Geschmackserlebnis ergibt.

Das Patriotische: Die mexikanische Flagge trinken

Und es gibt noch eine dritte Variante, bei der unser Freund mit dem Sombrero nicht die Augen verdrehen würde.

Die sogenannte Bandera ist eine weitere in Mexiko verbreitete Art, um Tequila stilsicher zu genießen.

Bandera bedeutet ganz einfach „Flagge“ und bezieht sich auf die Farben der drei Zutaten, die nebeneinander die Farben der mexikanischen Flagge ergeben: Grün – Weiß – Rot.

Für eine Bandera werden drei Caballitos gefüllt:

  1. Ein Glas mit frisch gepresstem Limettensaft
  2. Ein Glas mit Tequila Blanco (junger Tequila)
  3. Ein Glas mit Sangrita

Die Sangrita ist ein typisch mexikanisches Getränk aus Orangen-, Limetten- und Tomatensaft, sowie Honig, Zwiebeln, Tabasco, Pfeffer und Salz. Sie hat einen süß-würzigen Geschmack.

Nacheinander wird nun ohne Hektik aus jedem Glas ein Schluck genommen, so dass sich deren Inhalte vermischen und aus den verschiedenen Aromen ein ganz neues Geschmackserlebnis entsteht.

Das Kuriose: Tequila trinken auf Schwedisch

Falls Ihr zufälligerweise einmal in Schweden auf einen Tequila eingeladen werdet, so wundert Euch nicht, dass im Tequila eine Kaffeebohne schwimmt und ihr nach dem Trinken in eine mit Zimt bestreute Orangenscheibe beißen sollt.

Ja kein Witz, das ist dort das Trinkritual.

Dass mit der Kaffeebohne kennen wir ja vielleicht noch vom Sambuca, aber woher die Zimt-Orangenscheibe wohl kommt? In jedem Fall ist dies die kurioseste Art einen Tequila zu trinken, die wir kennen. Auch hier geht es vermutlich darum, den fiesen Beigeschmack eines schlechten Tequilas durch andere starke Aromen zu überdecken.

Fazit: Genieße deinen Tequila, stürze ihn nicht einfach nur herunter!

Wir wollen hier keinem vorschreiben, wie er seinen Tequila zu trinken hat. Aber klar ist auch: In Mexiko lässt man sich beim Genuss der Agavenspirituose Zeit. Wer Limette, Salz oder die oben beschriebene Sangrita zum Tequila trinkt, der tut dies um den Geschmack zu erweitern. Kein hektisches Handablecken, kein Herunterkippen des Shot-Glases, kein schneller Biss in die Zitronenscheibe. Grund ist zum einen sicher die entspanntere Mentalität der Mexikaner, zum anderen aber vermutlich auch die bessere Verfügbarkeit von wirklich guten Tequilas vor Ort. Die Agavenspirituose ist dort längst nicht nur als billiger Fusel erhältlich, es gibt viele hervorragende Destillate mit handwerklichem Charakter. Und die sind viel zu schade, um sie einfach „auf Ex“ zu trinken.

2 Kommentare

  1. Es ist wirklich ein Jammer, welchen Ruf Tequila in Deutschland hat. Daher freue ich mich immer über Artikel wie diesen, die versuchen, das Bild etwas geradezurücken. Bei Whisky muss man derartige Basisarbeit nicht mehr leisten, und der Tequila verdient es, endlich als das, was er ist, wahrgenommen zu werden: Eine höchstwertige Genießerspirituose.

  2. Die Orangenscheibe mit Zimt, gibt es hierzulande auch. Allerdings beim Gold Tequila.
    Das Ritual mit der Zitrone und dem Salz kommt von Sierra als Werbegag (und damit der Geschmack ertragen werden kann).
    Man sollte keinen Tequila mit 51%, oder der Bezeichnung Silver oder Gold kaufen…das deutet schon auf eine schlechte Qualität hin.
    100% Agave, Blanco, Reposado oder Anejo zeigt schon mal, das der Hersteller sich mit dem Produkt beschäftigt hat und es nicht nur Massentauglich machen möchte.
    Als Einsteiger mal den 1800 probieren… und wie im Artikel beschrieben, nicht on the rocks oder aus dem Eisfach.

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