Whisky

Veröffentlicht am 26. Juli 2016 | Foto: Alkoblog

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Über Stock und Stein: Talisker Distillers Edition 2005/2015 im Test

Der Talisker Distillers Edition 2005/2015 erinnert mich an einen Barfuß-Erlebnispfad: Erst geht es ohne Schuhe über Stock und Stein, dann muss ich über Baumstämme klettern und am Ende tun mir ganz schön die Füße weh. Doch das Durchhaltevermögen lohnt sich hier wie da: Am Ende der Strapazen wartet ein toller Whisky, an den ich mich zwar erst etwas gewöhnen musste, der aber ein willkommenes Upgrade zum klassischen Talisker 10 Jahre bietet.

Finish in Amoroso-Sherry-Fässern: Die Distillers Edition 2015

Für die aktuelle Distillers Edition verwendet die 1831 auf der Isle of Skye gegründete Talisker-Destillerie in Ex-Bourbon-Fässern gelagerten Whisky als Grundlage. Der Unterschied zum normalen Talisker 10 Jahre ist das anschließende mindestens dreimonatige Finish in ehemaligen Amoroso-Sherryfässern. Bei dieser eher seltenen Sherry-Art handelt es sich um einen süßen Oloroso-Sherry, dem Pedro Ximenez und Vino de Color (eingekochter, unvergorener Traubenmost zum Färben) beigefügt wurden. Das Ergebnis ist ein dunkler, fruchtiger und süßer Sherry. Man trinkt ihn üblicherweise zum Dessert – nun soll er aber den rauchigen Whisky von der Isle of Skye verzaubern.

Der Begriff Distillers Edition ist eigentlich ziemlich paradox: Denn schließlich wird jeder Whisky in seiner Herstellung letztlich vom Master Distiller oder seinen Angestellten überwacht. Dennoch hat Diageo praktisch jede seiner schottischen Destillerien (zumindest die der Classic Malts-Serie) mit einer Distillers Edition ausgestattet. Einige wie die Lagavulin Distillers Edition sind legendär und für bestimmte Jahrgänge ausverkauft, andere wie die Caol Ila Distillers Edition werden unterschätzt und einige wie die Oban Distillers Edition fristen ein Schattendasein im Shop des Besucherzentrums.

talisker-distillers-edition-2015

Zwischen 9 und 10 Jahren ist der Whisky alt

Gemeinsam haben die Sondereditionen, dass sie über ein besonderes Finish verfügen, welches die Standardabfüllung mit 10 oder 12 Jahren nicht hat: So durfte der Lagavulin noch mal ins Pedro-Ximenez-Sherryfass, bei Caol Ila schwört man auf Muscatel-Casks und bei Oban sollen Montilla Fino-Fässer dem Whisky den besonderen Kick geben. Somit ist die Distillers Edition immer auch ein bisschen das Aushängeschild der Destillerie: Hier wird gezeigt, was in Sachen Finish und Geschmack möglich ist.

Einen Zeitvorsprung gegenüber dem 10-jährigen Standard bekommt der Talisker als Distillers Edition aber nicht: Da beim Scotch Whisky nur ganze Jahre gezählt werden dürfen, ist der enthaltene Whisky zwischen 9 und 10 Jahren alt. Eine genaue Altersangabe fehlt auf dem Etikett. Für Talisker typisch kommt auch diese Abfüllung mit einem Alkoholgehalt von kräftigen 45,8 % in die Flasche.

Unser Tasting der Talisker Distillers Edition

Wie riecht er?

Ne, schüchtern ist dieser Talisker wirklich nicht: Gleich zu Beginn rieche ich Asche und den Geruch von glimmenden Kohlen. Der Talisker geht gleich kräftig in die Nase. Maritime Noten von Salz treffen auf süße Cocktailkirschen und etwas Erdbeermarmelade. Ist das der Einfluss des weichen, süßen Amoroso-Sherrys? Die Balance zwischen Süße und Würze ist in jedem Fall angenehm. Später rieche ich auch Apfelkompott mit Zimt. Würziges Eichenholz, Rosinen, Feigen und dunkle Schokolade prägen den Charakter – auf diesem Nosing-Erlebnispfad gibt es einiges zu entdecken.

Wie schmeckt er?

Auch im Geschmack ist der Antritt kräftig und intensiv: Viel Rauch, Asche und Kohle gleich auf den ersten Metern. Trocken und mineralisch – der Talisker lässt mich erst mal ganz schön Staub fressen. Doch langsam nähere ich mich ihm an: Schmecke etwas Weißwein, Zitrusnoten, Vanille und Kakao. Der Abgang ist dann pfeffrig, auch der berühmte Chili-Catch von Talisker fehlt bei dieser Abfüllung nicht. Ein robuster und dennoch charmanter Whisky.

Vielen Dank an unseren Tasting-Partner Myspirits.eu für die Zusendung der Talisker Distillers Edition 2005/2015.

Alkoblog.de Whisky-Test: Talisker Distillers Edition 2005/2015

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Holla, die Distillers Edition von Talisker scheucht mich erst mal ganz schön durchs Unterholz. Doch vom ruppigen Auftreten des Malts, von Rauch und Asche sollte man sich nicht täuschen lassen: Dahinter versteckt sich ein fruchtiger, maritimer und wunderbar vielschichtiger Malt. Das Finish in Amoroso-Sherryfässern hat dem etwa 10 Jahre alten Whisky definitiv gut getan - er hat deutlich mehr Tiefe als der klassische Talisker 10. Nur dem 18-jährigen muss er sich geschlagen geben, aber der spielt auch preislich in einer anderen Liga. Für rund 50 Euro ein prima Upgrade zum fairen Preis.

4.4



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2 Responses to Über Stock und Stein: Talisker Distillers Edition 2005/2015 im Test

  1. Stephan says:

    Die früheren DE durften immerhin zwischen 10 und 11 Jahre ins Fass. Habe mehrere Flasche der 2003/2014 Ausgabe gebunkert. Leider scheint Talisker da schneller nachlegen zu wollen.
    Ich persönlich bevorzuge die alte DE sogar dem Talisker 18.

    • Lukas Lukas says:

      Hallo Stephan,

      danke für den guten Hinweis. Da hat sich Talisker anscheinend tatsächlich für eine Verjüngung des Whiskys entschieden. Ein Vergleichstest der Distillers Edition mit dem Talisker 18 Jahre ist eine gute Idee. Ich habe den 18er in jedem Fall als recht stark in Erinnerung, so gesehen wäre es spannend zu sehen, ob die neue Distillers Edition an ihn herankommt.

      Viele Grüße
      Lukas vom Alkoblog

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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