Whisky

Veröffentlicht am 13. Mai 2016 | Foto: Jeremy Marshall / Flickr

2

Stürmische Romanze: Talisker Dark Storm im Test

Einen Whisky zu trinken, ist wie eine Liebesbeziehung zu führen. Da ist das erste Date, man beschnuppert sich, lernt sich kennen und schaut sich tief in die Augen bzw. ins Nosing-Glas. Ist es nur eine stürmische, wilde, leidenschaftliche Romanze? Oder reicht es sogar für eine subtile, vielschichtige, längere Beziehung? Alle diese Dinge spielen sich auch im Glas ab, wenn man einen Whisky zum ersten Mal verkostet.

Und dann gibt es da noch die Liebe auf den zweiten Blick. So wie beim Talisker Storm. Im ersten Tasting konnte er mich im April 2013 nicht so recht überzeugen. Rauchig trumpfte er auf, aber es fehlte ihm in meinem Augen an Reife und Tiefe. Ein bisschen wie bei einer Frau die zu stark geschminkt zum Date kommt, war ich misstrauisch: Trägt er nur deshalb so dick mit den Aromen auf, um zu verbergen, dass er viel jungen Whisky enthält? Der Talisker 10 Jahre wirkte im Vergleich zum No-Age-Statement Storm dagegen wie eine Lady: Elegant, strukturiert und irgendwie klassisch. Und so kam es mit dem Talisker Storm zunächst zu keinem Happy End: Nur 3.3 von 5 Punkten standen am Ende auf dem Wertungszettel.

Habe ich den Storm zu hart bewertet? Vielleicht. Denn in den folgenden Monaten habe ich die Abfüllung doch schätzen und lieben gelernt. Und zwar als Zutat in exquisiten Cocktails wie dem selbst kreierten Smoky Revolver:

smoky-revolver-alkoblog-2

Smoky Revolver Cocktail im Glas mit Salzrand

In gemixtem Zustand kommt die Rauchnote prägnant raus und es stört kein bisschen, dass der Storm nicht der komplexeste Whisky unter der Sonne ist. Und so war ich fast traurig, als ich vor ein paar Wochen den letzten Tropfen ins Glas goss.

Da kam die Einladung von Whisky-Fox zu einem spontanen Date mit dem Talisker Dark Storm gerade recht. Die markante Flasche mit den dunklen Gewitterwolken hatte ich vor einer Weile schon mal im Duty-Free erspäht, aber nicht direkt zugeschlagen. Mittlerweile gibt es den Dark Storm in der voluminösen Literflasche aber auch in normalen Onlineshops – niemand muss sich ein Flugticket kaufen, um sich den Malt von der Isle of Skye zuzulegen.

Stark ausgebrannte Fässer für mehr Rauch

talisker-dark-storm-flascheFür die Lagerung des Talisker Dark Storm werden besonders dunkel ausgebrannte Fässer (heavily charred oak casks) verwendet, über deren Wände der Whisky so viel rauchige Aromen aufnehmen soll, wie kein anderer Whisky der Destillerie.

Wie das so ist bei Damen und No-Age-Statement-Whiskys – man fragt besser nicht nach dem Alter. Typischerweise fehlt auch die Angabe auf dem Etikett und der dunklen Farbe des Dark Storms kann man auch nichts verlässliches entnehmen. Es ist aber zu vermuten, dass auch Malts enthalten sind, die jünger als 10 Jahre sind – sonst hätte Talisker schließlich einfach dieses renommierte höhere Alter auf die Flasche schreiben können.

Wilde Romanze oder tiefgründiger Talk – wie schlägt sich der Dark Storm im Whisky-Date?

Unser Tasting des Talisker Dark Storm

Wie riecht er?

Den Auftakt macht ein süßlich-rauchiges Aroma. Verbrannte Noten eines Grillfeuers treffen auf geräuchertes Obst. Rosinen, Feigen, getrocknete Apfelringe und Pflaume sind die fruchtig-würzigen Highlights. Etwas Sherry scheint durch die Mischung ohne wirklich präzise isolierbar zu sein. Hinten kommt eine feine Schärfe durch, die auch vom Alkohol stammen könnte. Die Aromen stehen bei diesem Whisky sehr kompakt zusammen, erst nach etwas Zeit an der Luft wird es besser (siehe unten). Insgesamt ein wuchtiger, betörender Auftritt, der aber vielleicht darüber hinwegtäuschen soll, dass nicht allzu viel dahinter steckt.

Wie schmeckt er?

Von den süßen Avancen aus dem Nosing ist nicht viel geblieben: Das hier ist die Dampflok! Der Talisker Dark Storm schmeckt so, als hätte ich ein Kohle-Brikett im Mund. Viel verkohltes Holz, dunkle, würzige Aromen. Etwas Karamell und dazu herbe Orangenschalen. Ein herbstlicher Whisky mit viel Power für die dunklen Tage. Gibt man sich dem Dark Storm nicht zu schnell hin, fällt aber auf: Allzu präzise sind die Aromen nicht. Es fehlt dem Whisky etwas an der Struktur, die man bei älteren Abfüllungen häufig findet. Die starken, rauchigen Noten können nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter dem schönen Make-up ein jüngerer Malt verbirgt.

Diva im Glas: Nicht zu lange warten mit dem Genuss!

Das Zeitfenster zum Trinken des Talisker Dark Storm ist kleiner als erwartet: Direkt nach dem Einschenken bei unserem Whisky-Test wirken die Aromen sehr kompakt und ein leicht synthetischer Duft wie von Tutti Frutti oder Kaugummi hängt über dem Glas. Lässt man den Single Malt gut 5-10 Minuten stehen, entfalten sich die Aromen und der Dark Storm erlebt seine Blütezeit. Nach rund 30 Minuten ist die aber schon wieder vorbei und der Dark Storm wird zunehmend dumpfer und verliert an Struktur. Vielleicht ist er einfach zu warm geworden oder der viele Sauerstoff bekommt ihm nicht gut. Unser Tipp: Lasst diese Diva im Glas nicht zu lange warten!

Vielen Dank an Whisky-Fox für die Bereitstellung unseres Tasting-Exemplares. Im Sortiment des Whisky-Onlineshops befinden sich neben bekannten Standards auch viele interessante Sonderabfüllungen aus allen schottischen Whiskyregionen.

Alkoblog.de Whisky-Test: Talisker Dark Storm

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Wow, was für ein Date! Wild, leidenschaftlich, stürmisch kochen die Emotionen und Aromen bei diesem Whisky hoch. Viel Rauch und Torf treffen auf süße Noten. Mit zunehmender Dauer des Tête-à-Tête schleichen sich aber erste Zweifel an der Lady von der Isle of Skye ein: Besonders tiefgründig oder komplex ist das Gebotene nicht, macht aber dennoch viel Spaß!

4.1



Schlagworte: , , , , , , ,


2 Responses to Stürmische Romanze: Talisker Dark Storm im Test

  1. prozent says:

    Tut mir leid, habe den Dark Storm im Duty Free gekauft und auch nach mehrmaligem Querverkosten kann er auf keinen Fall überzeugen. Viel zu dumpf und unpräzise, definitiv eines der schlechtesten Produkte von Talisker. ‚Dark Storm‘ verliert auf jeden Fall klar gegen ‚Storm‘, aber beide sind keine Verbesserung gegen den normalen Talisker 10y.
    Wer mehr Rauch mag, wird von anderen Destillen weitaus besser bedient.
    Und wenn ich mir dann noch ansehe, welche Preise von Talisker für Storm/Dark Storm aufgerufen werden, dann passt alles noch weniger – wenn schon, dann müssten diese Whiskies preiwerter als der 10y sein.
    Was für mich z.B. eine Alternative im rauchigen Segment ist: Bowmore Darkest, der schmeckt sogar auch gut nach einem Rotwein, was ja ansonsten oft schwierig wird, wenn man nach ein Rotwein noch einen rauchigen Whisky trinken mag…

    • Lukas Lukas says:

      Danke für deine Einschätzung…ein direkter Vergleichstest mit Talisker 10, Storm und Dark Storm wäre tatsächlich einmal spannend.

      Preislich liegen Talisker 10 und Talisker Storm aktuell ja etwa gleich auf und so um die 30 Euro. Das war vor einiger Zeit noch anders und der Storm tatsächlich teurer. Der Dark Storm liegt bei rund 50 Euro, ist aber auch eine Literflasche.

      Der Bowmore 15 Darkest ist ein sehr guter Tipp. Auch empfehlenswert, wenn man bei Talisker bleiben will: Die Distillers Edition mit Amoroso-Sherry-Finish. Hatten gerade die 2005/2015er Abfüllung im Test und sie hat uns gut gefallen.

      Viele Grüße
      Lukas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


Nach oben ↑

Weiterlesen zum Thema Whisky
Hungry like the wolf: Wolfburn First General Release im Test

Der Wolf ist los: Wolfburn schickt seinen ersten Whisky auf die Piste. Ist das Jungtier aus dem hohen Norden ein echter Wolf oder nur ein schwarzes Schaf? Unser Tasting &...

Schließen