Der Talisker 18 Jahre überzeugt im Tasting durch prägnante Aromatik. (Foto: Alkoblog)

Manchen Whiskys merkt man ihre Klasse schon beim ersten Schluck an: Der Talisker 18 ist so ein Fall. Ein würdevoll gealterter Seebär, der Meerluft atmet und viele Geschichten aus einem Reich namens „Aroma“ zu erzählen weiß. Wer den Talisker 10 kennt und schätzt, sollte diesen Malt auf keinen Fall verpassen. Wir waren selbst überrascht, wie acht zusätzliche Jahre einen Whisky so prägen und verändern können.

Von den Fakten liest sich der Talisker zunächst unspektaktulär: Der 18-jährige Single Malt reift in Ex-Bourbon-Fässern, bevor er beim Finish im Sherryfass die Kapitänsmütze aufzieht. Blickt man nur schnell auf die Flasche, dann ähneln sich Talisker 10 und 18 sehr: Gleiche Form, gleiche alte Landkarte von Skye, fast der gleiche Text. Nur die in goldener Farbe aufgebrachte 18 und ein goldener Streifen oben und unten am Etikett adeln den „alten Herren“ aus dem Hause Talisker. Genau wie der 10 Jahre alte Malt wird auch der Talisker 18 mit 45,8 % Alkohol abgefüllt. In unserem Whisky-Test werden wir sehen, wie sich das auf den Geschmack auswirkt.

Unser Tasting des Talisker 18 Jahre

Wie riecht er?

Dieser Seebär benutzt ein ganz besonderes After-Shave: Intensiv und reif duftet die ölige Flüssigkeit im Glas. Trockenfrüchte wie Rosinen mischen sich mit schottischem Fruit Cake aus Orangeat und Zitronat. Der süßliche Duft von Christstollen mit Marzipan verwöhnt unsere Nase. Vom Hintergrund zieht eine leichte Salzbrise vom Meer herüber. Alte geölte Holzplanken eines knarrenden Segelschiffs und ein exotischer Hauch Vanille zaubern ein vielschichtiges Echo.

Wie schmeckt er?

Unser Kapitän a.D. hat noch ordentlich Biss: 45,8 % Alkohol brennen etwas im Mund. Doch ein echter Kapitän kennt kein Pardon, schluckt den harten Stoff runter wie Blubberwasser! Es folgen überraschend viel Frucht und weniger Rauch und Salz als gedacht. Hier waren wir vom 10-jährigen Talisker etwas ganz anderes gewöhnt – nämlich markanter Rauch und Salz als tragende Noten. Vom Duft hat der Talisker 18 uns nicht zuviel versprochen; so wie er riecht, so schmeckt er auch: Christstollen, Kandis, salziger Karamell und etwas Lakritz formen sich zu einem angenehmen, gediegenen Aroma. Fühlt man dem alten Haudegen etwas genauer auf den Zahn, spuckt er etwas Brandy und Sherry aus, garniert mit einer Orangenschale. Lecker!

Im Abgang trifft uns ein kräftiger scharfer Stoß wie ein Degen in die Magengrube. Der berühmte Chili-Catch von Talisker – er fehlt auch bei der 18-jährigen Abfüllung nicht. Es folgt angenehm dezenter Rauch, der auch in der kommenden halben Stunde immer als Echo im Mund wiederkehrt. Das „Aufschließen“ dieses Whiskys mit ein paar Tropfen lohnt sich (nicht zuletzt aufgrund des Alkoholgehalts): Unser Kapitän breitet sein Leben vor uns aus und fängt an von der Ferne zu schwärmen… In seinen Erzählungen spielen getrocknete Früchte gemeinsam mit dem Rauch die Hauptrolle in einer langen Geschichte voller spannender Wendungen…

Vergleich: Talisker 10 vs. Talisker 18

Dem 18-jährigen Talisker merkt man deutlich sein höheres Alter an: Die Früchte (beim 10er: Mandarine, reife Banane, Zitrusfrüchte) sind vergoren bzw. getrocknet, das Aroma viel reifer. Sehr spannend, was acht zusätzliche Jahre im Holzfass aus einem Whisky machen können. Schmeckte der Talisker 10 noch etwas nach dem ungereiften New Make, so überrascht der Talisker 18 mit süßen (Kandis, Karamell, Christstollen), fruchtigen (Orangenschale) und weinhaltigen (Brandy/Sherry) Noten. Auch der für Talisker typische Rauch wurde über die Jahre etwas abgebaut, der 18er ist insgesamt harmonischer, gediegener und weicher als sein jüngerer Verwandter – der freilich für sein Alter auch schon viel zu bieten hat!

Vergleich: Talisker Storm vs. Talisker 18

Ein ungleiches Duell, zugegeben: Dem alten Seebär kann der Jungspund namens Storm natürlich nicht das Wasser reichen. Der Storm (übrigens ein No-Age-Statement) riecht deutlich nach New Make, Obstbrand (Apfel/Birne) und Korn. Der Rauch liegt schwer darüber und versucht die Unreife des Whiskys zu kaschieren. Eine leichte Klebstoffnote findet dennoch ihren Weg durch die Duftwand. Auch im Geschmack ist der Talisker Storm sehr jung, recht spritzig und leicht – ohne jedoch komplex zu sein. Eine undefinierbare Obstnote liegt auf der Zunge, bevor der kräftige Rauch (stärker als beim 10-jährigen) den Abgang markiert. Mal ganz ehrlich: Nach dem Talisker 18 möchte man den Talisker Storm nicht mehr trinken…

Wir danken Alexander & James für die Zusendung des Talisker 18.

Welche Talisker-Whiskys hast du in deiner Sammlung? Und wie gefällt dir der 18er?

Talisker 18 Jahre
Gestaltung & Story90
Geruch94
Geschmack94
Preis-Leistung80
90
Fazit
Der 18-jährige Malt ist der Vater in der Familie der Talisker: Reif an Lebenserfahrung und voller spannender Geschichten. Das Alter hat den Seebär etwas milder gemacht, der Rauch des Abenteuers ist etwas verzogen, aber wenn er will, kann dieser Talisker immer noch kräftig zubeißen (vor allem im feurigen Abgang). Ein exzellenter und komplexer Insel-Whisky für besondere Momente.

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