Der Talisker 10 Jahre vor blauer Wand (Foto: Alkoblog)

„Macht Platz ihr Landratten, hier kommt der Käptn!“, so oder so ähnlich könnte der Ausspruch heißen, mit dem der Talisker 10 die Whisky-Bühne erstürmt. Der Single Malt von der Insel Skye vor der Küste Schottlands macht aus seiner Nähe zum Meer kein Geheimnis. Rauch und Salz prägen den Geruch und Geschmack des 10-jährigen Malts. Kann er im Whisky-Test überzeugen?

Eine Geschichte voller Pleiten

Seinen Namen hat der Whisky vom „Talisker House“, einem Gutshaus, welches unweit der Destillerie gelegen ist. Talisker wurde 1831 von den Brüdern Hugh und Kenneth MacAskill gegründet. Nach ihrem Tod übernahm ein gewisser Donald MacLennan die Geschäfte der Brennerei. Doch er hatte kein Glück und ging nach wenigen Monaten pleite. Es folgte J.R.W. Anderson, von dem man weiß, dass er 1880 wegen Betruges verurteilt und eingesperrt wurde. Er soll Whisky verkauft haben, der im Lager gar nicht mehr vorhanden war. Ein weiteres Unglück ereilte die Brennerei im Jahr 1960 als das Destillat einer Spirit Still durch versehentlich geöffnete Ventile entwich und Feuer fing. Das Haus brannte ab – konnte aber nur zwei Jahre später wieder aufgebaut werden. Die jüngere Geschichte von Talisker ist etwas ruhiger (was den Brennmeistern vor Ort ja auch gegönnt sei). Talisker produziert ca. 2 Mio. Liter pro Jahr, die aber nicht vor Ort, sondern in verschiedenen Diageo-Lagerhäusern unter anderem in der Nähe von Glasgow gelagert werden. Neben dem Talisker 10 Jahre gibt es weitere Age-Statement-Abfüllungen wie den Talisker 18, Talisker 25 oder sogar 30 Jahre. Dazu locken NAS-Whiskys mit rauchigen Noten, so etwa Talisker Storm und Dark Storm. Der Talisker Port Ruighe hat dagegen ein Portwein-Finish.

Unser Tasting des Talisker 10 Jahre

Wie riecht er?

Erster Eindruck: Maritim… Ja, dieser Whisky atmet Meerluft! Leicht rauchig und salzig steigt er in die Nase. Doch auch die Frucht kommt nicht zu kurz: Wir riechen Birne, Mandarine, frische Zitrusfrüchte und etwas reife Banane. Ein Aroma fast wie bei einem Obstbrand…würde da nicht der Rauch im Hintergrund schwelen. Insgesamt wirkt der Talisker 10 recht jung, der Alkohol ist durch eine feine stechende Note zu identifizieren. Insgesamt aber kein unangenehmer Geruch!

Wie schmeckt er?

Auch bei der Kostprobe geizt der Talisker 10 nicht mit Eindrücken. Ein abwechslungsreicher Malt! Im Vordergrund finden sich junge und fruchtige Aromen, der Talisker 10 schmeckt nach Himbeer und Birne. Auch ein Hauch gegerbtes Leder findet sich in der kräftigen Mischung. Der Mittelteil lässt sich als malzig und vollmundig beschreiben. Auch schwingt eine ordentliche Portion Alkohol mit (der Talisker 10 wird mit 45,8 % abgefüllt). Der Abgang kündigt sich durch ein scharfes, feuriges Brennen wie von Chili an, welches von deutlichem Rauch und herber Salzigkeit flankiert wird. Wer es mild mag, ist bei diesem Kapitän der Weltmeere an der falschen Adresse. Alle anderen schlucken diesen Malt brav herunter und freuen sich auf den zweiten Schluck… Denn das ist das Schöne am Talisker: Er ist komplex genug, dass man bei jedem Tasting immer wieder eine neue Nuance entdecken kann.

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Talisker 10 Jahre
Gestaltung & Story90
Geruch80
Geschmack80
Preis-Leistung90
86
Fazit
Wer den Einstieg in die Welt der Insel-Whiskys wagen möchte, findet im Talisker 10 einen zuverlässigen Begleiter. Der angenehm komplexe Meeres-Malt vereint dabei fruchtige Aromen mit einer ordentlichen Portion Rauch. Doch keine Angst: Der Talisker 10 ist kein Torfmonster und will es auch nicht sein.

1 Kommentar

  1. Hallo, sehr schöner Erfahrungsbericht, das kann ich nur bestätigen…am besten ist der leicht rauchige Meeresgeschmack! 🙂 Liebe Grüße Astrid

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