Das Tagebuch eines Trinkers

Alles fing mit dieser Flasche Bombay Sapphire an, die ich mir im Duty Free angelacht hatte. Ich war auf dem Weg nach Kopenhagen. Bekanntlich ein Ort, an welchem jeder Tropfen Schnaps wie Gold gehandelt wurde. Und ich hatte Easyjet gebucht, billigster Tarif, also nur Handgepäck und keine Getränke. Da sie jede Tasche filzten, als wäre man ein übler Schwerverbrecher, blieb mir keine andere Wahl: Entweder trocken nach Kopenhagen oder schnell noch eine Flasche im Duty Free einchecken.

Wo wir wieder beim Bombay Sapphire wären, dessen blaue Farbe nur von den blauen Augen der Brünetten an der Kasse übertroffen wurde. „Der würde ihnen auch gut stehen“, sagte ich und stellte die Literflasche Gin genau vor ihr ab. „Ich trinke nicht, aber danke“, erwiderte und ein kurz huschte ein Lächeln über ihr süßes Gesicht. „Na, zu schade auch“, sagte ich und zahlte mit einem 20er-Schein.

Ein Liter Gin und 24h Zeit. Für einen geübten Trinker wie mich kein Problem – dachte ich. Zumal beim Bombay, der geht locker runter und zieht auch nicht so übel nach wie das billige Zeug aus Frankies Hausbar. Überhaupt Frankie, was der alte Partyschmarotzer jetzt wohl machte? Egal, erst mal ich und rein in den Flieger nach Kopenhagen.

Charles Suffkowski in einer BarUnterwegs schon mal geschaut, ob ich nicht unaufällig einen Schluck nehmen kann. Ich bin ja da eigentlich nicht so, ich finde immer, wenn ein Mann in der Öffentlichkeit Lust hat, einen ordentlichen Schluck zu nehmen, dann sollte man ihn machen lassen. Das gehört doch irgendwie zur persönlichen Freiheit, dass man trinken kann, wenn einem danach ist. Leider sehen das die verkorksten Spießer um einen herum meistens anders. Da wird man schon schief angeschaut, wenn man das Bombay-Blau nur mal kurz aus der Tasche blitzen lässt. Also warten bis zur Landung. Vorm Flughafen erst mal: Klackklack! Ein tiefer Blick in die blauen Augen, während der Regen mir unablässig auf die Haare prasselt. Was wollte ich hier in diesem Nest? Warum war ich in Kopenhagen? Ich wusste es nicht mehr. Also nahm ich mir ein Taxi und ließ mich in die nächste Bar fahren.

Den Namen des Ladens habe ich vergessen, war ja auch Dänisch. Aber ich erinnere mich an den Backsteinbau mit seinen trüben Fenstern und der dunkelbraunen Metalltür. Drinnen war es warm und dunkel, ein paar Stammgäste beim Kartenspiel in einer Ecke. Ich setzte mich an den Tresen und bestellte ein Bier. Ein schlauer Mann hat mal gesagt, dass das ganze Leben nur aus Warten besteht. Du wartest auf das Leben und du wartest auf das Sterben. Und dazwischen trinkst du.

Ich trank Carlsberg, weil das wohl aus Kopenhagen kommt und sowieso das einzige Bier war, was sie hier hatten. Der halbe Liter kam auf Sechsachtzig. In meinem Kopf ratterte schon der kleine Rechenschieber. Wie lange konnte ich hier trinken, bis ich blank bis auf die Haut war. Der Barkeeper, ein rotbackiger Kerl, schien meine Gedanken erraten zu haben. „You want something else?“, fragte er mich. Vorsichtig spähte ich hinter ihm ins Regal. Einige staubige Flaschen Whisky standen da, ein Überseerum, ein paar Klare – aber kein Gin weit und breit. Konnte ich es wagen? Kurzentschlossen packte ich den Bombay aus und stellte ihn auf die Theke. „You have two glasses?“, fragte ich den Barmann. Der lachte nur und eh ich es mir versah standen zwei Tumbler auf der Theke. Diese Nacht konnte noch lustig werden…

2 Kommentare

  1. Freut mich, dass die Literatur jetzt auch einen Platz im Alkoblog gefunden hat, denn mal ehrlich..was passt besser zusammen als Literatur und Alkohol?! Bin gespannt auf weitere Episoden aus dem Trinkerleben des Charles S.

    Beste Grüße

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