Rum

Veröffentlicht am 29. April 2016 | Foto: Dictador

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So funktioniert das Solera-System bei Rum

Schaut man sich das Etikett vieler Premium-Rums genauer an, fallen einem schnell Begriffe wie „Solera Gran Reserva“ oder „Solera System Rum“ auf. Doch was verbirgt sich hinter diesem Solera-System eigentlich? In diesem Artikel erklären wir kurz und leicht verständlich woher das Solera-Verfahren stammt, wie es funktioniert und was es für Alter und Qualität des Rums bedeutet.

Übertragung auf Rum: Das Solera-Verfahren aus Spanien

Entwickelt wurde das Solera-Verfahren in Spanien. Allerdings ursprünglich nicht, um damit Rum zu lagern, sondern hauptsächlich für die Lagerung von fortifizierten (verstärkten) Weinen wie Sherry oder Weindestillaten wie Brandy. Es werden aber teilweise auch Rotweine und Essig auf diese Weise gelagert. Später erfolgte eine Übertragung dieses Lagerungssystem auf Rum und andere Spirituosen.

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Zuckerrohr auf einer Plantage: Der Rohstoff für Rum. (Foto: Dictador)

Traditionelle Sherryfässer aus dem Solera-Verfahren haben ein Fassungsvermögen von über 500 Litern und sind dementsprechend teuer in der Anschaffung. Für die Lagerung von Rum werden daher auch häufig ehemalige Bourbon-Fässer verwendet, wie zum Beispiel beim Dictador 12 Jahre.  Ex-Bourbon-Fässer sind besser verfügbar als Ex-Sherry-Fässer, da laut Amerikanischem Gesetz nur frische Eichenfässer für die Lagerung von Bourbon-Whiskey erlaubt sind.

Nach der einmaligen Benutzung können diese also nur noch an andere Spirituosenerzeuger verkauft oder anderen Nutzungen (Gartenmöbel, Brennholz etc.) zugeführt werden. Bei Sherryfässern ist hingegen auch die mehrmalige Nutzung zulässig. Ganz egal welches Fass gilt allerdings: Wenn die Fässer für die Lagerung erneut verwendet werden, erfolgt ein frisches Ausbrennen der Fässer. Dies ist notwendig, um das Holz erneut zu aktivieren, so dass es die Spirituose Kontakt zum Holz hat und Geschmack an die Spirituose abgibt.

Ein American Standard Barrel (ASB) aus der Bourbon-Herstellung fasst etwa 200 Liter, schottische Hogshead-Fässer werden aus ASBs zusammengesetzt und fassen ungefähr 250 Liter. Fässer aus frischer Eiche (Virgin Oak Cask) werden hingegen seltener verwendet. Frische Eiche gibt schnell einen starken Geschmack ab, was sie für längere Lagerzeiten weniger geeignet macht.

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Alle Rum-Fässer in Reih und Glied im Solera-System. (Foto: Dictador)

Wie funktioniert die Solera-Lagerung?

Bei einem Solera-System werden mehrere Reihen Fässer übereinander gestapelt. Die unteren Fässer (solera = am Boden liegend) enthalten jeweils den ältesten Rum. Aus der untersten Reihe werden für die Abfüllung rund 30% Rum entnommen. Aufgefüllt wird dieses Fass daraufhin aus der Reihe darüber und so weiter. Ist die oberste Reihe leer wird neuer Rum eingefüllt. Der abgefüllte Rum ist also schon während der Lagerung ein Verschnitt von jungen und alten Rums. Dieses Blenden während der Lagerung sorgt für eine stabile Qualität und einen konstant guten Geschmack des Rums. Dennoch wird auch auf Solera-Rums meistens eine Jahresangabe auf den Flaschen angegeben.

Wie alt ist Rum aus einem Solera-System?

Die Altersangabe auf Rum-Flaschen ist anders zu verstehen als beispielsweise bei Whisky. Während bei Whisky das Alter des jüngsten enthaltenen Destillats ausgewiesen werden muss, gibt es diese Verpflichtung bei Rum nicht. Daher sind die Altersangaben bei Rums uneinheitlich. Einige Hersteller geben auf ihren Abfüllungen das Alter des ältesten enthaltenen Rums an. Andere verzichten ganz auf eine Altersangabe und vermerken schlicht eine Zahl, die das Alter suggerieren soll. Es kann also theoretisch und praktisch auch jüngerer Rum in diesen Abfüllungen enthalten sein.

Der kolumbianische Dictador-Rum hebt sich dahingehend ab, dass ein Durchschnittsalter auf dem Etikett angegeben wird. So sind zum Beispiel die Rums im Dictador 12 Jahre zwischen 10 und 14 Jahre alt und die des Dictador 20 Jahre zwischen 16 und 24 Jahre. Diese hohen Altersstufen an Rum nach einem Solera-Verfahren abfüllen zu können, setzt natürlich einen dementsprechend großen Fassbestand in den Lagerhäusern voraus.


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One Response to So funktioniert das Solera-System bei Rum

  1. Thomas says:

    Hallo Sam,

    schön und einfach das Solera-Verfahren erklärt! Vielen Dank dafür!

    Viele Grüße
    Thomas

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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