Craft Beer

Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 | Fotos: Alkoblog

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Selber brauen ohne Eimer: Braufässchen im Test

Ich kann mich noch gut an den erschreckten Ausruf „Was ist das denn?“ meiner Mutter erinnern, als ich mein erstes Selbstbrau-Set geliefert bekam. Es bestand aus einem riesigen weißen Kunststoffeimer, welcher in der Ecke meines Zimmers gärend vor sich hin blubberte. Zum Einsatz kam dort das so genannte Extrakt-Brauverfahren. Man nimmt ein Malzextrakt, welches in Sirup-Form geliefert wird und rührt dieses mit viel Wasser und Flüssighefe an. Den genauen Prozess könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Die Nachteile des Verfahrens: Die Variationsmöglichkeiten sind begrenzt (wobei es schon sehr viele verschiedene Bierextrakte im Netz zu kaufen gibt), bis zum fertigen Bier braucht man rund zwei Wochen und das Reinigen des Braueimers ist recht aufwendig. Und nicht zuletzt ist der Braueimer mit seinen gut 30 Litern einfach sehr groß und sperrig.

In diese Lücke will das Braufässchen springen und bietet eine neue Variante des Extraktbrau-Verfahrens an, welches noch einfacher und schneller als bisher funktionieren soll. Auf ihrer Webseite setzt die Firma mit Sitz in einem Vorort von München ganz auf Individualität. „Make your beer“ lautet der Slogan und wer ein Bier bestellen möchte, wird zunächst durch einen Konfigurator geführt.

Braufässchen Testbericht

Dort kann man die Biersorte (Weißbier, Dunkles und Pils), sowie die Stärke des Hopfens (mild, normal, herb) wählen und das Bier zusätzlich mit verschiedenen Aromen versehen (z.B. Zitrone, Grapefruit, Anis, Amerikanisches Eichenholz, Maulbeerbaum). Letzteres geht natürlich zu Lasten des Reinheitsgebotes. Doch machen wir uns nichts vor: Wer mit einem fertigen Extrakt braut, der hat dieses für Hobbybrauer freiwillige Gebot ohnehin schon hinter sich gelassen.

Wir entscheiden uns für ein Weissbier mit herbem Hopfen und Zitrone, Grapefruit und amerikanischem Eichenholz und sind gespannt, ob diese Kombination wohl später munden wird. Ein paar Tage später bekommen wir ein überraschend kleines Paket.

Geliefert werden die Zutaten zusammen mit einem Fünf-Liter-Fass: Kein sperriger Braueimer, keine Aufregung bei Muttern.

Die Anleitung beschreibt den Brauprozess Schritt für Schritt und führt auch Laien sicher zum Ziel. Nicht mal einen Messbecher braucht man, da die Flasche des Malzextraktes nach dem Leeren ins Fass einfach umfunktioniert wird. Praktisch! Nur warmes Wasser aus der Leitung wird noch benötigt.

Braufässchen verspricht, dass das Bier nach dem Ansetzen nur 5 Tage bei Raumtemperatur gären und dann noch einmal 2 Tage im Kühlschrank reifen muss. „Nach insgesamt einer Woche ist das persönliche Bier somit trinkfertig und kann direkt frisch aus dem Fass gezapft werden.“, heißt es im Pressetext.

Braufässchen: Mit Hefe zum Ziel

In rund 15 Minuten haben wir die Zutaten im Fass und den Brauprozess mit der mitgelieferten Hefe in Gang gesetzt. Jetzt heißt es abwarten – und ein fertiges Bier aus dem Kühlschrank trinken.

Eine Woche später heißt es: „O’zapft is!“ Aus dem Hahn am Fass zapfen wir unser selbst Gebrautes ins Glas. Wie bei Fässchen üblich, kommt zuerst vor allem Schaum heraus. Da hilft auch das fachmännische Neigen des Glases wenig. Doch schon kurze Zeit später haben wir alle drei einen Humpen gefüllt und stoßen an.

Braufässchen: Das Ergebnis

Geschmacklich überrascht das Bier: Es schmeckt in jedem Fall sehr jung, ist recht süß (vielleicht liegt das auch an den Aromen Zitrone, Grapefruit) und hat einen leichten Barrique-Geschmack im Abgang (die Stückchen aus amerikanischer Eiche!). Es ist allerdings auch nicht besonders spritzig und hat kaum Kohlensäure. Alles in allem also ein eher untypisches Bier. Schwer zu schätzen ist der Alkoholgehalt. Während unser Hobbybraumeister in der Runde auf rund 4 Prozent tippte, fand ich, dass unser Bier Marke Eigenbrau schon ganz schön schnell zu Kopf stieg. Das Braufässchen war in jedem Mittelpunkt der Party, wozu sicher auch der auffällige Aufdruck auf dem 5-Liter-Fass seinen Teil beitrug.

Ein Fünf-Liter-Braufässchen kostet 29 Euro. Für die verschiedenen Aromen kommen je noch zwischen 2 Euro und 4,50 Euro dazu. Der Versand wird mit 3,90 Euro berechnet, was recht fair ist, aber erst im letzten Bestellschritt mitgeteilt wird.

Im günstigsten Fall zahlt man also 32,90 Euro für 5 Liter selbstgebrautes Bier (ein Wiederverwenden des Braufässchens ist nicht vorgesehen). Das entspricht einem Literpreis von 6,58 Euro – kein günstiger Spaß also. Doch es geht beim Braufässchen natürlich um die Idee und die ist recht gelungen. Auch die Ausführung kann überzeugen und so eignet sich dieses Bier-Brauset als Mitbringsel auf eine Party ebenso wie als Geschenk für Bier-Fans.

Aber auch alle, die schon immer mal selbst brauen wollten und den Aufwand bisher scheuten, sollten sich das Braufässchen einmal näher anschauen. Nicht zuletzt, weil nach dem (vielleicht einmaligen) Brauen kein häßlicher weißer Plastikeimer zurückbleibt.

Alkoblog.de Testergebnis: Braufässchen

Gestaltung
Anleitung
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Die Idee hinter dem Braufässchen ist originell: Man erhält ein Brauset mit allen Zutaten für den einmaligen Gebrauch. Schon bei der Bestellung kann man den Geschmack des Bieres beeinflussen. Auch dank der guten Anleitung gelingt der Brauvorgang spielend einfach. Das frisch gebraute Bier schmeckt recht jung, kann aber überzeugen. Alles in allem eine gelungene Idee für alle Gelegenheitsbrauer.

4.4



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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