Bier ist unbestritten das beliebteste Getränk: Der durchschnittliche Deutsche konsumiert jedes Jahr über 115 Liter des köstlichen Gerstensaftes. Und doch wissen nur die wenigsten dass man mit relativ geringem Aufwand sein eigenes Bier selbst zuhause brauen kann. Ganz legal dürfen bis zu 200 Liter pro Jahr selbst hergestellt werden, ohne dass hierfü zusätzliche Steuern anfallen. Auch aufwendiges Malz abkochen ist fürs Erste nicht nötig: Fertige Extrakte helfen den Hobbybrauern bei ihrer Arbeit – mit ihnen gelingen Pils, Lager und Co. im Handumdrehen. Alkoblog zeigt jetzt die zehn Schritte zum eigenen Bier. Auf geht’s!

Benötigtes Zubehör:
Großen Gäreimer mit Deckel (20 bis 30 Liter) und Gummistopfen
Gärröhrchen und Ablaufhahn
Langen Löffel (hilft beim Umrühren)
Trichter (für das spätere Zugeben von Zucker in die Flaschen)
Wiederverschließbare Bügelflaschen (z.B. Flensburger oder Kulmbacher)
Desinfektionsmittel auf Sauerstoffbasis (z.B. Chemipro Oxi)

Benötigte Zutaten:
Flüssiges Malzextrakt
Haushaltszucker
Leitungswasser

Das meiste Zubehör bekommt man in verschiedenen Hobbybrauer-Onlineshops, die sich leicht über Google finden lassen. Dort stehen auch zahlreiche vorgefertigte Brauextrakte zur Auswahl. Ein Preisvergleich lohnt sich, mit Startersets kann man zudem häufig Geld sparen. Hier findet ihr eine große Auswahl an Bier-Brau-Sets für Einsteiger.

Als Arbeitsort kann die Küche herhalten – Hauptsache der Raum hat Zimmertemperatur und ist sauber!

1. Auswahl: Welches Bier möchte ich brauen? Bei diesem ersten Schritt gibt es zunächst zwei Alternativen: Gewisse Anbieter verkaufen im Internet getrocknetes und gehopftes Malzextrakt, welches in Pulverform daherkommt. Meine Ergebnisse mit dieser Zutat waren eher mittelmäßig, das Bier hat ziemlich lasch geschmeckt.

Die weit verbreiteten flüssigen Malzextrakte in Dosenform sind hingegen zu empfehlen. Die Ergebnisse hiermit sind sehr gut, das Bier wird kräftig im Geschmack und in der Farbe. Insbesondere die Produkte von Muntons und Brewferm haben eine hohe Qualität, es stehen unzählige verschiedene Sorten (Pils, Weizenbier, Mönchsbier, Lager etc.) zur Auswahl.

2. Die Brauutensilien werden sorgsam mit dem Desinfektionsmittel (Anleitung beachten) desinfiziert.

3. Die Dose mit dem Konzentrat wird in warmem Wasser fünf Minuten stehen gelassen, damit ihr Inhalt etwas flüssiger wird. Wenn man das Erwärmen einmal vergisst, macht das aber nichts: Um die Malzreste aus der Dose zu bekommen, kann man sie auch einfach mit heißem Wasser halb füllen und dann in den Braueimer umfüllen.

4. Die meisten Rezepte sehen vor, dass bereits jetzt etwa ein bis drei Liter warmes oder kochendes Wasser zugegeben wird. Im Grunde genommen ist es egal, ob das Wasser kocht oder nur dampft, gekochtes Wasser ist jedoch hygienischer, kalkärmer (besserer Geschmack des Bieres) und keimfrei. Einige Rezepte empfehlen grundsätzlich mit abgekochtem Wasser zu brauen, was allerdings ziemlich energieaufwändig ist und Zeit frisst, da das Wasser auch wieder abkühlen muss, bevor die Hefe zugegeben werden kann.

5. Nun wird der Zucker, falls laut Rezept erforderlich, zugegeben und untergerührt. Dann wird mit kaltem Wasser aufgefüllt, bis die eigentliche Braumenge erreicht ist. Weniger Wasser bedeutet ein stärkeres, gehaltvolleres Bier, mehr Wasser ein dünneres Bier. Eine Dose Malzextrakt (1,5 Kg) reicht üblicherweise für 12-15 Liter Bier, es ist davon abzuraten das Extrakt mit Wasser und Zucker zu strecken.

6. Die beiliegende Trockenhefe (7g reichen für maximal 23 Liter Sud) wird aktiviert. Dazu gibt man sie zunächst in ein Glas mit lauwarmem Wasser, rührt um und wartet etwa 15 Minuten, bevor man sie in den großen Braueimer gibt. Der dort vorhandene Sud sollte nun zwischen 20 und 24 Grad warm sein, auf keinen Fall jedoch heißer, da sonst die Hefe stirbt. Die Hefe sorgfältig einrühren!

7. Der Eimer wird an einen Ort mit Zimmertemperatur gestellt, der Deckel mit Gärröhrchen fest aufgesetzt und dort vier bis sieben Tage lang stehen gelassen. Schon am ersten Tag sollte die Gärung beginnen und sich durch ein leicht hörbares Blubbern im Eimer bzw. durch das Aufsteigen von Bläschen mit Gärrohr ankündigen.

8. Die Flaschen werden mit heißem Wasser und dem Desinfektionsmittel (Chemipro Oxi) ausgespült und so für die Abfüllung vorbereitet. Laut Rezept kann man sie auch im 110 Grad warmen Backofen desinfizieren, was bei mir jedoch zum einzigen bisher verdorbenen Bier führte – es hatten bei dieser Methode scheinbar Keime überlebt.

9. Die Flaschen müssen abgekühlt sein, bevor nun mit dem Trichter in jede Flasche (0,5 Liter) ein halber Teelöffel Zucker gegeben wird. Dann wird das Bier aus dem Eimer mit Hilfe des Ablaufhahns in die Flaschen gefüllt, wobei nach oben hin noch etwa drei Zentimeter Luft in den Flaschen sein sollte, damit bei der nun folgenden zweiten Gärung ausreichend Platz für das sich ausdehnende Gebräu ist.

10. Nach etwa vier bis fünf Tagen werden die Flaschen in den Kühlschrank gestellt. Das Bier ist nach frühestens zwei Wochen trinkbar, eine längere Lagerung verbessert den Geschmack jedoch. Dunkle Biere benötigen zudem eine deutlich längere Reifezeit als helle Biere. Das Bier kann etwa ein halbes Jahr im Kühlschrank aufbewahrt werden. Filmempfehlung zum Trinkgenuss: „Werner – Gekotzt Wird Später“

4 Kommentare

  1. tia, was soll ich sagen, extraktbrauen (wie hier beschrieben) ist NICHT BIER BRAUEN.
    der interessante teil des brauens, das „maischen, läutern und hopfenkochen“ wird beim extraktbrauen industriell erledigt (dies ergiebt den sirup der hier benötigt wird), als heimbrauer ist das interessante am bier brauen (mit malz) die möglichkeit aus ein paar malzsorten verschiedene biere zu brauen.
    ebenso kann mit verschiedenen hopfenanteilen oder sorten der biergeschmack beeinflusst werde.

  2. Sicher gibt es auch die Möglichkeit alles vom Maischen bis zum Hopfen kochen selbst zuhause zu machen. Es ergeben sich daraus nur zwei Nachteile: 1. Sind die benötigten Gerätschaften hierfür sehr teuer (etwa 300 Euro), 2. ist es sehr zeitaufwendig (6 Stunden sollte man schon einplanen). Für Einsteiger ist stellen daher Malzextrakte eine günstige und deutlich einfachere Alternative dar. Wenn man dann auf den Geschmack gekommen ist, kann man immer noch in entsprechendes Equipment investieren und alles individuell machen.
    Und der spannende Teil des Brauens – der Gärvorgang nach Zugabe von Hefe im Braueimer – findet ja beim Extraktbrauen ebenfalls statt..

    Eure Alkoblogger

  3. Ich bin Maische-Brauer und habe mir ein Equipment für etwa die Hälfte zugelegt. Das teuerste war der Einkocher, den ich bei einem bekannten Auktionshaus für 40,- Euro gekauft hab und der nun gute Dienste als Braukessel leistet…

  4. Ich habe mal eine Frage, ich bin noch kein Selbsthersteller (ich will das was ich mal mache nicht als Brauen bezeichnen). Z.z arbeite ich in Russland und hier gibt es Quass (vergorenes Brot). Da ich weiss das in Teilen von Deutschland auch Quass/Kwass gemacht wird glaube ich das ihr wisst was ich meine. Nun zu meiner Frage: Gibt es eine Möglichkeit ein Kwass-Bier herzustellen, vieleicht die Meische mit Brot zu versetzten, oder ähnlichen. Ich möchte als Reslutat Bier mit Kwass-Geschmack, geht das???

    Danke in Voraus

    Steffen/Moskau

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