Mezcal & Tequila

Veröffentlicht am 14. Juli 2016 | Foto: Sierra Madre

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Räucherspeck aus Mexiko: San Cosme Mezcal im Test

Ich stehe ja auf richtig rauchige Whiskys von Islay. Wenn einem beim Entkorken der Flasche gleich der Geruch von Grillfeuer und Asche entgegenschlägt. Eine Wand aus dichtem Rauch, die sich im ganzen Raum verteilt. Der verbrannte Geruch so intensiv, dass meine Frau eigentlich jede Sekunde mit dem Feuerlöscher in der Hand reinstürmen müsste. Kalte Dusche für den Islay-Indianer.

Umso erstaunlicher, dass die rauchigen Mezcal-Sorten bisher an mir vorbeigegangen sind. Vielleicht liegt es an der geringen Verbreitung der mexikanischen Agavenspirituose, dass sie noch nie in meinem Nosing-Glas gelandet ist. Denn der Mezcal setzt gerade erst an zum großen Sprung in die Gläser – kaum eine hippe Bar in Berlin oder einer anderen Großstadt, die nicht zumindest eine Flasche hinter oder unter der Theke hat. Und wie ich in den letzten Wochen beobachtet habe: Erstaunlich oft ist es hier in Berlin der San Cosme Mezcal. Er scheint sich fast ein bisschen zum heimlichen Standard in den Szene-Bars entwickelt zu haben. Umso spannender, ihn heute mal pur zu verkosten!

Für den Durchbruch braucht der Mezcal nur noch eines: Cocktails mit Killer-Potenzial

Schafft es der Mezcal in den Bars, dann gelingt ihm vielleicht auch der Sprung in die Läden – und von dort ins Wohnzimmer oder auf Partys. Entscheidend für den Erfolg wird wohl sein, ob es den Mezcal-Importeuren gemeinsam mit der Bar-Szene gelingt, leckere und vor allem massentaugliche Cocktails mit Mezcal zu erschaffen. Ein sommerlicher Drink mit der Durchschlagskraft eines Caipirinha, Mojito, Hugo oder Aperol Spritz könnte reichen, um dem Mezcal endgültig zum Durchbruch zu verhelfen. Da muss schon etwas mehr her, als die altbekannte Margarita, die statt mit Tequila nun mit ihrem Vetter Mezcal gemischt wird.

Doch die Zeichen stehen nicht schlecht. So überraschte mich die Thelonious-Bar beim „Open Air Bar Market“ in der Kreuzberger Vabrique zum Beispiel mit dem Herbie Fresh: Mezcal, Melone, Punt e mes, Limette und Sellerie Bitters ergeben einen ernsten, rauchigen, vom Gemüse inspirierten und überaus leckeren Cocktail. Meine Begleitung, in Cocktails eher klassisch unterwegs, mundete die Mischung allerdings nicht ganz so gut. Vielleicht ist Mezcal doch nicht etwas für jeden?

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Herbie Fresh Cocktail mit San Cosme Mezcal (Foto: Alkoblog)

Und eines ist auch klar: Pur ist Mezcal eher eine fortgeschrittene Spirituose. Wenn er eine gute Qualität hat, brennt er zwar nicht im Mund. Aber der Geschmack ist schon ungewöhnlich, pflanzlich irgendwie und teilweise auch rauchig und streng. Zugleich fackelt er aber auch kein ganz großes Geschmacksfeuerwerk wie ein gereifter Scotch Whisky ab. Dazu verbringen die meisten Mezcals doch insgesamt zu wenig Zeit im Holzfass. Der Mezcal ist prädestiniert für moderne Cocktails. „Mix it or die“, scheint folglich die Devise für die Macher des Mezcal zu lauten.

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Oaxaca in Mexiko: Hier wird der San Cosme gebrannt (Foto: Sierra Madre)

Die wichtigsten Fakten zum San Cosme Mezcal

Trotzdem wollen wir den San Cosme heute ganz bewusst pur verkosten, ihm möglichst viele Aromen im Nosing und Tasting entlocken. Bevor es losgeht, noch ein paar schnelle Fakten zum San Cosme: Hergestellt wird er wie viele Mezcals im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Die Spirituose wird zu 100 % aus Agaven gebrannt (hier erfahrt ihr mehr zur Herstellung von Mezcal). Die zweifache Destillation findet in einer Kupferbrennblase statt. San Cosme Mezcal wird nicht im Fass gelagert, sondern ohne große Umschweife direkt abgefüllt. Den deutschen Vertrieb hat Sierra Madre übernommen.

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San Cosme Mezcal hat eine ölige Konsistenz (Foto: Alkoblog)

Wie macht sich der San Cosme im Glas? Zäh und ölig, ja fast schmierig fließt der Mexikaner am Glasrand herunter. Ein Bild, dem ich minutenlang zuschauen könnte, wenn der intensive rauchige Geruch aus dem Glas mich nicht hochschrecken lassen würde. Zeit für:

Unser Tasting des Mezcal San Cosme

Wie riecht er?

Der Rauch ist die prägnanteste Note des San Cosme. Mich erinnert sie an ein erloschenes Grillfeuer oder Aschenbecher. Dazu kommt der Duft von Räucherspeck, gebratenen Zwiebeln und Lauch. Ein pikanter Duft, der später in eine gemüsige Richtung tendiert. Dazwischen ist die Agave mit grünen und pflanzlichen Noten präsent. Ein pikantes und salziges Aroma. Man riecht, dass es sich um einen jungen Alkohol handelt, ohne dass es fuselig wird.

Wie schmeckt er?

Nach den herzhaften Eindrücken aus dem Nosing überrascht die Leichtigkeit des San Cosme im Mund. Der Mezcal tanzt mit beschwingtem Körper durch den Mund. Räucherspeck, gebratenes Gemüse, Zwiebeln und Lauch sind wieder mit von der Partie. Der San Cosme setzt hier um, was er im Nosing verspricht. Der Abgang ist lang, trocken und intensiv rauchig. Minutenlang bleibt der Geschmack von Asche auf der Zunge zurück. Auch hier ist der Eindruck einer jungen Spirituose vorhanden, aber nicht störend.

Alkoblog.de Mezcal-Test: San Cosme Mezcal

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: San Cosme Mezcal überrascht mit rauchigen Aromen, die eine pikante und fleischige Note ins Glas bringen. Die Aromen bleiben lange im Mund zurück. Der San Cosme ist zwar mild genug, um auch pur Spaß zu machen, aber seine wahre Stärke liegt im Einsatz als Grundspirituose in Cocktails. Hier bietet er viel Raum zum Experimentieren und eine sehr gute Qualität zum fairen Preis. Zudem auch ein guter Mezcal für Einsteiger, die sich mit der Spirituose vertraut machen wollen.

4.2



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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