Vodka

Veröffentlicht am 4. Januar 2017 | Foto: Adenus Craton / flickr

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Russischer Wodka: Mythos und Wirklichkeit

Wer häufiger auf Partys unterwegs ist, kennt auch den Mythos der von russischem Wodka ausgeht. Bei ihm soll es sich um den wahren, reinsten und auch besten Wodka handeln. Doch was macht einen echten russischen Wodka eigentlich aus? Gibt es Unterschiede zu Wodka aus Polen, Ukraine, Schweden oder Deutschland? In unserem FAQ zu russischem Wodka wollen wir einige der drängendsten Fragen beantworten.

Wer hat´s erfunden: Russland und Polen im „Wodka-Wettstreit“

Eine Frage, die womöglich nie eindeutig geklärt werden kann: Wer hat Wodka eigentlich erfunden? Sicher ist, dass wodkaähnliche Spirituosen im 14. Jahrhundert erstmalig in Russland und Polen gebrannt wurden. Beide Länder waren landwirtschaftlich geprägt und die Bauern suchten nach Möglichkeiten, um überschüssiges Getreide über den Winter haltbar zu machen. Das Mittel der Wahl war die Destillation zu Alkohol, wofür wegen der vorhandenen Überproduktion meistens Roggen verwendet wurde.

Traditioneller russischer Wodka, so wie auch polnischer Wodka, wird aus Roggen gebrannt, welcher der Spirituose seinen charakteristischen Geschmack verleiht. Die Destillen im 14. Jahrhundert waren jedoch bei weitem nicht so leistungsfähig und weit entwickelt wie heute, so dass der Wodka vermutlich in seinem Alkoholgehalt nur etwa halb so stark war.

Was ist das Besondere an russischem Wodka?

Ein großes Alleinstellungsmerkmal hat russischer Wodka im eigentlichen Sinne nicht. Ein klassischer russischer Wodka wird jedoch in der Regel aus einer Roggenmaische hergestellt und hat idealerweise einen Alkoholgehalt von 40%. Wodka aus Roggen schmeckt mild, lieblich und leicht süßlich.

In der heutigen Zeit wird Wodka weltweit und aus verschiedensten Getreiden sowie Kartoffeln gebrannt. Vergleichbar wie beim deutschen Bier gibt es daher ein sogenanntes, zugegeben relativ breit gefasstes, russisches Reinheitsgebot. Laut diesem Reinheitsgebot darf russischer Wodka aus Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrohrmelasse hergestellt werden. Experimente wie Mais oder Reis sind somit in Russland ausgeschlossen.

Festgehalten werden muss, dass Wodka aus Getreiden zumeist höherwertiger ist, als Wodka aus Kartoffeln, der gemeinhin als schwerer und süßer gilt. Billige Wodkas werden in der Regel aus vergleichsweise minderwertiger Zuckerrohrmelasse gebrannt. Wodka aus Roggen ist zwar typisch für russischen Wodka allerdings werden längst nicht alle Wodkas aus Russland mit diesem Getreide produziert. Darüber hinaus ist es kein Alleinstellungsmerkmal, auch Wodkas aus anderen Ländern sind konkurrenzfähig.

Ist Wodka mit russischem Namen immer russisch?

Nein, vom Namen eines Wodkas kann man leider nicht auf seine Herkunft schließen. Obwohl Wodka in Russland die Nationalspirituose ist, war das Verhältnis zum Wodka stets von Zwiespältigkeit geprägt. In häufigem Wechseln wurde der Verkauf und die Produktion von Wodka in Russland teilweise massiv eingeschränkt. Am härtesten waren die Einschränkungen zu Beginn des Ersten Weltkriegs als die Produktion und der Verkauf von Wodka für einige Jahre vollständig verboten wurde. Nach der Oktoberrevolution, als die Bolschewiki an die Macht kamen, wurde sogar die Herstellung und der Verkauf von Alkohol jeglicher Art komplett verboten. Durch diese russische Prohibition waren in der Folge viele Hersteller gezwungen in andere Länder als Produktionsstandorte auszuweichen.

So wurde Smirnoff zum Beispiel zwar 1886 in Moskau gegründet, ist heute aber in den Vereinigten Staaten ansässig. Gorbatschow kam ursprünglich aus St. Petersburg und wird heute in Berlin destilliert. Darüber hinaus gibt es aber auch Wodka-Marken die russisch heißen, jedoch gar keinen direkten Bezug nach Russland haben, so zum Beispiel bei Puschkin Wodka.

Dennoch gibt es natürlich auch Wodka-Marken die tatsächlich aus Russland stammen, wie zum Beispiel Russian Standard aus Sankt Petersburg oder Moskovskaya der aus Moskau kommen soll (aber in Königsberg gebrannt und in Lettland abgefüllt wird).

Wie trinkt man Wodka wie ein Russe?

Wodka wird in Russland meistens im Zusammenhang mit Essen konsumiert. Beliebt als Beilage zum Wodka sind eingelegtes Gemüse wie zum Beispiel Pilze oder Gurken, Roggenbrot aber auch fettige Speisen. Traditionell wird Wodka aus einem speziellen Glas, der sogenannten Stupka getrunken. Dieses Wodkaglas fasst ungefähr einhundert Gramm Wodka, eine ziemlich große Menge. Die Stupka wird normalerweise in einem Zug und stets in Gesellschaft ausgetrunken. Wodka alleine zu trinken ist verpönt und gilt als Zeichen von Alkoholismus.



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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