Der Penderyn Red Flag bezieht sich auf einen Arbeiteraufstand. Foto: Erich Ferdinand Flickr)

Ein Whisky als politisches Statement? Das wäre beim Penderyn Red Flag vielleicht doch etwas zuviel gesagt. Doch immerhin bezieht sich das Bild der roten Flagge auf das sogenannte „Merthyr Rising“ von 1831 in Wales. Wütende Kohlearbeiter zogen durch die Stadt Merthyr Tydfil im Süden des Landes und protestierten gegen die Senkung ihrer Löhne und die hohe Arbeitslosigkeit. Bald schlossen sich viele Arbeiter an und Ende Mai 1831 befand sich die gesamte Region im Ausnahmezustand. Es war das erste Mal dass eine rote Flagge zum Symbol einer Revolution wurde.

Große Ziele am Rande des Brecon Beacon Nationalparks

Es ist vermutlich kein Zufall, dass sich die Penderyn Distillery ausgerechnet diese bekannte walisische Legende für die erste Ausgabe ihrer „Icons of Wales“-Edition ausgesucht hat. Denn in dem kleinen Ort Penderyn am Rande des Brecon Beacons Nationalparks hat man Großes vor: Die 2004 gegründete Brennerei steuert schnurstracks auf die Zeit zu, in welcher der erste Single Malt mit 12 Jahren seine Reife erreicht. Bis dato haben nur No-Age-Statements den Weg in den Handel gefunden. Die verkaufen sich unter Fans und Sammlern ganz gut, aber setzen keine Meilensteine. Ohne das Ergebnis unseres heutigen Tastings vorwegzunehmen: Auch der Penderyn Red Flag macht da keine Ausnahme. Und so heißt es weiter gespannt warten, ob Penderyn uns demnächst vielleicht mit einem knackigen 10 oder 12 Jahre alten Single Malt verwöhnt.

Im Vergleich zum Penderyn Myth hat man sich für den Red Flag dafür entschieden, dem Whisky noch ein Finish in Ex-Madeira-Fässern zu gönnen. Der aufgespritete Wein wird nur auf der portugiesischen Insel Madeira in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt. Der Madeira-Wein ist nicht mehr ein absoluter Renner, weshalb man sich auf der Insel sicher freut, ein paar leere Fässer an die schottische Whisky-Industrie verkaufen zu können.

Unser Tasting des Penderyn Red Flag

Wie riecht er?

Erster Eindruck gleich: Ein sehr junger Whisky. Der Alkohol sticht in der Nase, wie ein übermütiger Revolutionär mit seinem Klappmesser. Dann Getreide wie in einem klebrigen Müsliriegel von Aldi. Mit etwas Standzeit kommt eine ganz feine, säuerliche Weinnote durch. Aber kein Vergleich zum Benriach 15 Madeira Cask, den wir letztens verkostet haben. Der war im Nosing viel süßer, eine fein-würzige Madeira-Note durchzog den Malt. Beim Penderyn Red Flag ist es nur ein Hauch. Ein bitterer Geruch bildet den Abschluss dieses dünnen und kurzen Duftes. Erste Zweifel kommen bei mir auf: Ist junger Whisky plus Madeira-Finish wirklich eine gute Kombination?

Wie schmeckt er?

Leicht, jung, alkoholisch – der durchwachsene Eindruck aus dem Nosing setzt sich im Geschmackstest direkt fort. Etwas Getreide, ein paar dünne Holznoten – ganz schön schmal für einen Single Malt. Hinten setzt der Red Flag mit etwas Pfeffer einen scharfen Schlussakkord, bevor er in Bitterkeit versinkt. Alles in allem ist dieser Whisky leider wenig komplex und erinnert eher an klare Getreide-Spirituosen als an einen wirklich ausgereiften Malt.

Hinweis: Wir haben diesen Whisky von der Schlumberger Vertriebsgesellschaft zugeschickt bekommen. Danke dafür und sorry für die Wertung!

Penderyn Red Flag Madeira
Gestaltung & Story80
Geruch50
Geschmack46
Preis-Leistung30
52
Fazit
"Jetzt lasst doch dem Whisky etwas mehr Zeit", möchte man den Brennmeistern von Penderyn zurufen. Denn wer mit einem großformatigen Slogan wie "Icons of Wales" antritt, muss sich auch daran messen lassen. Und das bekommt dem Penderyn Red Flag nicht gut: In Nase und Mund sehr jung, alkoholisch, bitter und unreif kann der No-Ager einfach nicht punkten. Und wer Korn mag, ist anderswo günstiger dran...

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