Rum

Veröffentlicht am 4. Dezember 2015 Drei Rhum - Drei Finishes | Foto: Alkoblog

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Fässer aus Frankreich: Rhum J. M. French Finish Collection im Test

Das aufwändige Finishing von Rum (bzw. Rhum), ist anders als bei Whisky, noch nicht besonders weit verbreitet. Umso spannender klingt vor diesem Hintergrund die French Finish Collection von Rhum J. M. Die Serie umfasst insgesamt drei Rhums. Diese durften nach einer 8jährigen Reifung in ehemaligen Bourbon-Fässern, jeweils für einige Monate in Armagnac-, Calvados- und Cognac-Fässern nachreifen und ihr Geschmacksprofil schärfen. Ob das Geschmacksexperiment gelungen ist?

Die French Finish Collection von Rhum J. M. im Test

Rhum J. M. Armagnac-Finish im Tasting

Was ist Armagnac eigentlich? Armagnac ist ein Weinbrand und stellt gleichzeitig eine geschützte Herkunftsbezeichnung dar. Nur einige wenige französische Regionen (ca. 15.000 ha Rebfläche) sind für die Herstellung von Armagnac zugelassen. Ob sich die Exklusivität auf den Rhum J. M. überträgt?

Im Geruch wirkt der Rhum J. M. Armagnac zurückhaltend und gesetzt. Aromen von Rum-Rosinen, dunkler Schokolade und salziger Lakritze machen neugierig auf das Tasting. Im Hintergrund sind zudem Kokos und Hagebutte und Eichenholz wahrnehmbar. Die Aromen des Bourbon-Fasses treten im Nosing in den Hintergrund und machen Platz für den Armagnac. Wie sich das wohl im Geschmack niederschlägt?

Auffällig würzig und trocken im ersten Schluck. Daraufhin im Körper leider etwas schmal. Die salzige Lakritze ist auch im Geschmack wieder präsent, dazu kommt die Schärfe von Cayenne-Pfeffer. Im Geschmack ist der Rhum J. M. Armagnac bei den herben gesetzten Aromen und nicht süß und fruchtig, wie man es von karibischen Rums kennt. Dennoch findet sich der Geschmack von Orangenschalen im Rhum. Im langen Abgang ist der süße Vanille-Geschmack des Eichenholzes, Ingwer und Zimt, sowie die Säure von Zitrusfrüchten präsent. Ein komplexer Rhum, mit ernstem und sehr speziellem Geschmacksprofil. Nichts für Freunde von süßen cremigen Rums, etwas unrund daher auch nicht mein Ding.

Rhum J. M. Calvados-Finish im Tasting

Was ist Calvados eigentlich? Calvados ist ein Apfelbranntwein aus Frankreich. Der Name leitet sich von der Herkunftsregion gleichen Namens ab. Und ja, ihr habt es erraten, Calvados dürfen sich nur spezielle Apfel und Birnen-Brände aus bestimmten Regionen der Normandie nennen. Ein weiteres Produkt des französischen Terroir-Gedanken also. Apfel und Rhum klingt zumindest sehr spannend.

Tatsächlich im Geruch ist der Apfel gleich präsent. Feine Säure und die Holznote kommen nach, was mich an einen Tarte Tatin denken lässt. Definitiv ist auch der Geruch von Cidre und Birnen vorhanden. Mhh, im Hintergrund ist dann auch cremige Vanille wie von Pudding riechbar, auch etwas Wachs und bittere Orangenschale ist dabei. Was macht der Geschmack?

Schade, auf den ersten Schluck begrüßt mich kein süßer Apfel, sondern ein ernster bitterer Geschmack. Im Hintergrund kann man den Charakter des Calvados-Fasses erahnen. Der Geschmack wird aber zu sehr überlagert und müsste präsenter sein. Der Rhum J. M. Calvados ist trocken und würzig im Mund. Sehr dominante Holznoten mit viel Gewürzen, Salbei, Minze und Rosmarin. Käme der Apfel mehr durch, könnte dieser Rhum sehr gut sein. So nichts Halbes und nichts Ganzes, zu ernst und zurückhaltend in den Aromen.

Rhum J. M. Cognac-Finish im Tasting

Was ist Cognac eigentlich? Cognac ist wie Armagnac ein Weinbrand. Der Unterschied liegt in der Herkunft der Weintrauben. Diese dürfen nur aus dem fest bestimmten Umfeld der französischen Stadt Cognac stammen, die Bezeichnung ist geschützt. Die Herstellung von Cognac hat in Frankreich eine große Tradition. Der Ruf der Spirituose ist zwar heutzutage etwas angestaubt, ist aber weiterhin Ausdruck von besonderem Lebensgefühl und Exklusivität. Was macht das mit unserem Rhum?

Im Geruch kühl, ruhig und zurückhaltend. Feine Vanillearomen kommen hervor, ergänzt von Apfel und Wachsaromen, Weintrauben, Rosinen und Wallnuss. Klingt gut, kann der Rhum J. M. das auch in den Geschmack retten? Auch bei diesem Rhum kann sich das Cognac-Fass nicht ganz durchsetzen. Der Geschmack von Weintraube, Kaffee und Rosinen lässt sich erhahnen. Tritt aber hinter dem Charakter des Rhums zu sehr in den Hintergrund. Im langen Abgang Salz, Lakritze, Holz und frische Erde. Etwas weniger trocken als seine Vorgänger. Dennoch bleibt auch diese Abfüllung der Linie der French Finish Collection von Rhum J. M. treu.

Unser Fazit zur French Finish Collection von Rhum J. M.

Was bereits bei unserem Tasting des Rhum J. M. Agricole XO aufgefallen ist, setzt sich auch hier fort. Die Abfüllungen zeichnen sich durch weniger Süße und Frucht aus als ihre karibischen Pendants und kultivieren einen ernsten und gesetzten Geschmack. Im Geruch konnten die Abfüllungen jeweils mehr von ihrem besonderen Finish ausspielen und machten neugierig. Der Geschmack war dann jedoch wieder vom Grundcharakter des Rhum J. M. dominiert, auch wenn die Eiche der Fässer interessant hervortritt. Den Grundcharakter hervorzuholen mag auf die gesamte Produktrange betrachtet konsequent sein. Dennoch glaube ich, dass die speziellen Finishes stärker herausgerarbeitet werden sollten, um dem Namen der Collection tatsächlich gerecht zu werden. So bleiben interessante Ansätze aber noch kein abschließend überzeugendes Produkt.

Müsste ich aus den drei einen Favoriten wählen, wäre dies der Rhum J. M. mit Cognac-Finish. Die Abfüllung ist von den dreien am meisten rund und ausgewogen. Geruch und Geschmack korrespondieren und sorgen für den besten Gesamteindruck.


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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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