„Schreibt man Rum jetzt mit H?“, werden sich sicher einige von euch fragen. Ja, zumindest wenn es sich um einen Agricole handelt. Der feststehende Begriff ‚Rhum Agricole‘ bezeichnet nämlich einen Rum, der nicht wie sonst üblich aus Melasse gebrannt wird, sondern aus Zuckerrohrsaft.

Gebrannt aus Zuckerrohrsaft

In vielen Ländern Südamerikas, aber auch Südostasiens und in Teilen Afrikas wird der Saft der Zuckerrohrpflanze direkt als Getränk serviert. Doch man kann ihn auch zum Brennen von Rum verwenden. Während es braunen Zucker aus Zuckerrohr auch heute noch bei uns zu kaufen gibt, wird der Großteil unseres Zuckers mittlerweile aus Rüben gewonnen. Und die Hersteller auf den Karibikinseln hatten Kapazitäten frei. So kam es, dass vor allem französische Brennereien mit Rum auf Zuckerrohrsaft-Basis experimentierten.

Martinique: Karibik, Rum & die EU

Der Rhum J.M. kommt von der Karibikinsel Martinique. Die ist sehr grün, hat eine wunderschöne Natur und ist als ehemalige französische Kolonie heute interessanterweise Teil der Europäischen Union. Das J.M. im Namen steht übrigens nicht für Martinique, sondern für Jean-Marie Martin, den Gründer der Destillerie. In diesem Video kann man sehr schön sehen, wie die Rohstoffe mit Hilfe von Maschinen verarbeitet werden. Einfach mal eine schöne Abwechslung zu den ganzen Unser-Whisky-wird-vom-Brennmeister-persönlich-von-Hand-gebrannt-Videos, die man sonst oft gezeigt bekommt:

Rhum Agricole hat seinen ganz eigenen Geschmack, was den Vergleich mit herkömmlichen Melasse-Rums nicht einfacher macht. Schmecken muss er uns natürlich trotzdem, und ob er das tut, wollen wir jetzt in unserem Rum-Test herausfinden.

Unsere Verkostung des Rhum J.M. XO

Wie riecht er?

Frisch im Glas versprüht der Rhum J.M. gleich eine Klebstoffnote. Er riecht alkoholisch und sehr süß. Ein intensiver Geruch, der an Birne und halb vergorenen Obstsalat mit Ananas erinnert. Die cremigen Noten versuchen sich gegen diesen betäubenden Duft durchzusetzen – wenn es ihnen gelingt, haben wir den Duft von frischer Wäsche und Vanille in der Nase. Insgesamt etwas urtümlicher, erdiger, naturbelassener als man es von anderen Rums kennt.

Wie schmeckt er?

Hier hält sich der Rhum J.M. XO nicht lange auf: Gleich zur Begrüßung brennt der Alkohol scharf auf, dann folgt ein markanter Geschmack nach Holz. Hier zeigt sich die Lagerung in ausgebrannten Eichenholzfässern. Der Obstsalat aus dem Nosing ist verschwunden, was den Martinique-Rum ernst und zugleich ein wenig staubig wirken lässt. Etwas Vanille trifft auf nussige Aromen. Je länger wir ihn trinken, desto mehr drängen sich herbe und bittere Aromen in den Vordergrund. Definitiv ein gewöhnungsbedürftiges Bouquet und eher etwas für Liebhaber von ernsten Aromen. Wir sind auch bei mehreren Tastings nicht ganz warm mit dem Rhum J.M. geworden.

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