Gin

Veröffentlicht am 5. November 2015 | Foto: Refugin

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Trinken für die Flüchtlinge: Refugin will Schülern helfen

Gin trinken und damit Flüchtlingen helfen? Was verrückt klingt, gibt es tatsächlich: Refugin nennt sich die Spirituose, deren Name sich aus den Begriffen  Refugee und Gin zusammensetzt. Beim Kauf einer Flasche soll der komplette Gewinn an ein Flüchtlingsprojekt fließen. Aktuell wird die SchlaU-Schule in München unterstützt. Die Einrichtung unterrichtet nach eigenen Angaben jedes Jahr bis zu 300 junge Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren und hilft ihnen so auf dem Weg zu einem Schulabschluss.

Nur etwa 11 Euro pro Flasche gehen an das Hilfsprojekt

Die gemeinnützige GmbH hinter Refugin verspricht: 100 % des Gewinns werden an die Schule gespendet. Doch wie viel ist das? Eine 0,5-Liter-Flasche kostet 39,90 Euro zuzüglich Versand. Also ungefähr so viel wie der Ferdinands Saar Dry Gin, aber etwas mehr als der beliebte Monkey 47 Gin. Wir haben bei Refugins PR-Agentur nachgefragt und erfahren: Der Nettogewinn pro Flasche liegt bei nur etwa 18 Euro. Nach Abzug der Steuern gehen so nur etwa 11 Euro von jedem verkauften Refugin an die SchlaU-Schule. Viel weniger als wir erwartet hätten.

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Die Gründer von Refugin haben auch eine Werbeagentur: David Stephan und Martin Eggert (Foto: Refugin)

Tasting Notes zum Refugin

Als Genießer interessiert uns natürlich auch, ob der Gin vom Geschmack her mit anderen Premium-Marken mithalten kann. Mangels Testexemplar müssen wir uns leider an dieser Stelle auf die offiziellen Tasting Notes verlassen. Demnach hat Refugin „fruchtig-florale Noten von Citrusfrüchten, Lavendel- und Hopfenblüte. Dazu gesellt sich eine angenehme Würzigkeit von Koriander und Wacholder.“ Das klingt erst mal nicht besonders individuell. Wo ist der Bezug zu den Heimatländern der Flüchtlinge? Sowohl Alkohol als auch Kräuter sollen Bio-Qualität haben, auf ein Siegel wurde laut Refugin aber wohl aus Kostengründen verzichtet.

Unser Fazit: Gin und Flüchtlinge – passt das zusammen?

So nobel der Gedanke ist und so gerne viele von uns sicher helfen wollen – es hat schon etwas Merkwürdiges ausgerechnet den Konsum von Gin mit einem sozialen Projekt zu verknüpfen. Ob die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Eritrea so etwas überhaupt schon jemals getrunken haben? Die vielen muslimischen Flüchtlinge jedenfalls schon mal ganz sicher nicht, sie dürfen aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken. Und wäre es nicht sogar noch etwas nobler, wenn ich auf den Kauf einer Flasche Gin verzichte und stattdessen lieber 40 Euro direkt spende?

So bleibt bei mir das Gefühl, dass die Macher von Refugin einfach versuchen aus zwei aktuellen Trends (Gin! Flüchtlinge!) ein Produkt zu erstellen ohne eine tiefere Verbindung von beidem herzustellen. Auch sieht man im Team viele hippe junge Gesichter, aber keinen einzigen Flüchtling. So erscheint Refugin ein bisschen wie Trittbrettfahren für einen guten Zweck – ein wenig PR für die eigene Agentur nicht ausgeschlossen.

1.200 Flaschen Premium-Gin wurden übrigens als Startauflage hergestellt. Wenn es gut läuft, dann heiligt der Zweck vermutlich die Mittel. Wenn nicht, dann könnten die Flaschen immer noch direkt an die nicht-muslimischen Flüchtlinge verteilt werden. Als ungewöhnliches Willkommensgeschenk und Kostprobe einheimischer Destillationskunst versteht sich.

Anmerkung 09.11.: Refugin hat noch mal nachgerechnet. Laut aktuellen Kalkulation sollen gut 11 Euro von jeder Flasche an das Flüchtlingsprojekt gehen, also etwas mehr als die ursprünglich angegebenen 10 Euro.

Was haltet ihr vom Refugin? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren.


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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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