Die Lidl-Königin: Queen Margot Whisky im Test

Einen guten Whisky für 40 oder 50 Euro zu finden, ist nicht schwer. Doch wie sieht es am anderen Ende der Genusskette aus? Wir wollten wissen: Wieviel Whisky bekommt man für weniger als 8 Euro? Und auf was muss man bei diesem Tiefpreis verzichten?

Ein Scotch Whisky von Lidl für 7,59 Euro

Unsere Wahl fiel auf Queen Margot vom Discounter Lidl. Die 0,7 Liter-Flasche wird dort für hart kalkulierte 7,59 Euro angeboten. Was bekommt man für das Geld? Einen Scotch Whisky, genauer einen Blend, also eine Mischung aus verschiedenen, geschmacksgebenden Single Malts und relativ neutralem Grain Whisky (einer Art Korn). Das genaue Mischverhältnis ist ein Geheimnis des Abfüllers.  Bekannt ist nur, dass der enthaltene Whisky (Malts ebenso wie Grain) für mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern gelagert wurde. In solchen Blends können 40 und mehr verschiedene Malt Whiskys (häufig von großen Destillerien) enthalten sein, doch auch hier ist die genaue Menge und Zusammensetzung geheim.

Viele Unbekannte, also auch viele Möglichkeiten für die Whisky-Hersteller hier an den Schrauben zu drehen und ein günstigeres Destillat in die Flasche zu bekommen. So muss man bei einem Blend wie dem Queen Margot wohl davon ausgehen, dass der meiste enthaltene Whisky tatsächlich nicht viel älter als drei Jahre ist. Zudem dem ist vermutlich viel (billiger) Grain Whisky und entsprechend weniger Malt Whisky in der unspektaktulär gestalteten Flasche.

Weitere Discounter-Whiskys im Test

Wir haben auch die Whiskys der anderen großen deutschen Discounter-Supermärkte auf den Prüfstand gestellt. Welcher der günstigen Scotch-Malts setzt sich im Vergleich die Krone auf und welcher Whisky wird auf die Plätze verwiesen?

Unseren Discounter-Whisky-Vergleichstest lesen

Wer ist eigentlich Margot?

Schaut man im Internet, dann stolpert man schnell über eine gewisse „Queen Margot“ aus Frankreich. Margaret de Valois war die erste Frau von König Henry IV. Sie soll laut Wikipedia berühmt für ihre Schönheit und ihr Stilbewusstsein gewesen sein. Der bekannte Autor Alexandre Dumas („Die drei Musketiere“) schrieb sogar eine Novelle über sie, die 1994 verfilmt wurde und unter dem Titel „Die Bartholomäusnacht“ in die deutschen Kinos kam. Darin geht es um das berüchtigte Massaker der Katholiken an den Protestanten, den sogenannten Hugenotten. Margot selbst sympathisiert mit den Protestanten, bewahrt ihren Mann König Henry IV (ein Katholik!) vor mehreren Anschlägen. Eine mutige Frau also. Nur von ihrer Vorliebe für Whisky ist nichts bekannt. Da hat man sich beim Discounter Lidl wohl einfach in der Historienkiste bedient und einen möglicht klangvollen Namen ausgesucht.

Und wir müssen dass jetzt ausbaden bzw. austrinken bei unserem Whisky-Test:

Unsere Verkostung des Queen Margot Scotch Whisky

Wie riecht er?

Die Königin des Discount-Whiskys riecht sehr jung nach New Make (also dem ungereiften Whisky) und etwas Klebstoff. Dazu gesellen sich Gummiringe, also nicht die leckeren, süß-sauren Süßigkeiten, sondern das beliebte Büromaterial, mit dem man auch mal einen unliebsamen Kollegen abschießen kann. An Frucht ist lediglich Apfel festzustellen. Ansonsten: jung, muffig, feuchtes Fasslager. Mit gutem Willen sind noch Rosinen, Rum-Trauben, Marzipan und ein paar verstreute Mandelblättchen wahrnehmbar. Immer wieder schiebt sich der Alkohol nach vorne. Ansonsten ist Queen Margot vom Geruch her besser als befürchtet erwartet.

Wie schmeckt er?

Beim Geschmackstest ist der hoffnungsvolle Eindruck vom Nosing auch schon wieder dahin: Dünn, wässrig und sehr schmal im Geschmack präsentiert sich ihre junge Hoheit. Hat Lidl da das Badewasser der Queen abgefüllt? In jedem Fall sind wir ganz und gar nicht amused, dass Queen Margot so mit den Aromen geizt. Im Glas haben wir nur den Geschmack nach Getreide und nach Apfelkernen gefunden. Hinzu kommt eine unangenehme Bitterkeit. Dieser erinnert irgendwie an aufgelöste Fahrradreifen und Gummi. Etwas Grapefruit kommt hinzu, kann die unangenehme Mischung aber nicht retten. Gerade hinten kommt bei der Queen nicht mehr viel, ein fuseliger Geschmack bleibt im Mund zurück… Insgesamt ist es kein Genuss diesen Whisky-Blend pur zu trinken. In der Mischung im Longdrink kommt der mäßige Geschmack naturgemäß nicht so stark zum Tragen – doch auch in dieser Disziplin kann sich Queen Margot nicht so recht positiv abheben. Es fehlt ihr geschmacklich doch zu sehr an Charakter und an Mut, vielleicht mit einer rauchigen Note noch etwas zu reißen.

Queen Margot vs. Johnnie Walker Red Label

Mit Johnnie Walker Red Label haben wir einen Marken-Blend aus dem günstigen Preissegment zum Vergleich herangezogen. Der „rote Johnnie“ ist teilweise schon für 10 Euro im Angebot, normal kostet er so 14-16 Euro. Wie schlägt er sich im direkten Vergleich zum Queen Margot Whisky?

Der Johnnie Red schmeckt ebenfalls leicht bitter, was wohl durch die verhältnismäßig geringe Lagerzeit des Whiskys und den enthaltenen Grain-Whisky verursacht wird. Allerdings sticht der Alkohol weniger stark und negativ hervor als bei der Queen. Johnnie ist voller und runder, keine Bitterkeit trübt den Eindruck. Bei den Aromen hebt er sich durch Eichenholz, Vanille und ein dezentes Rauch-Finish hervor. Zusammen mit Cola offenbart dieser Blend seine Qualitäten als Grundlage zum Mischen. Auch Johnnie Red ist pur kein Hochgenuss, wirkt aber wesentlich solider und runder als die „Königin des Discounts“. Abhängig vom Budget kann es sich also lohnen, ein paar Euro mehr auszugeben…

Queen Margot Scotch Whisky
Gestaltung & Story56
Geruch48
Geschmack40
Preis-Leistung50
48
Fusel
Fazit
Großer Name - wenig Genuss. So könnte das Fazit zu Queen Margot von Lidl lauten. Doch damit macht man es sich zu einfach: Für unter 8 Euro bekommt man hier einen anspruchslosen Scotch Blend, der nicht besonders gut riecht und noch schlechter schmeckt. Vor allem der Alkohol fällt unangenehm auf. Aufregende Aromen haben wir vergeblich gesucht. Und so ist es vielleicht das größte Versäumnis dieses Discounter-Whiskys, dass er geschmacklich nichts wagt - und so nur verlieren kann.

6 Kommentare

  1. Hallo,

    kann nur zustimmen. Empfehle allerdings mal den Queen Margot
    mit 5 Jahren zu probieren. Gibts ab und an beim selben Discounter.
    Der ist wesentlich besser und sticht dann auch denn JW Red aus.

    Gruß
    aus dem Harz

    Manfred

  2. Hallo Manfred,

    danke für den Tipp, wir werden mal die Augen nach dem 5jährigen offenhalten und bei Gelegenheit probieren.

    Gruß

    Sam

  3. Hi,

    interessanter Beitrag, dem ich auch nur zustimmen kann, aber bei der Stern-Vergabe gehört dann doch wohl überall mindestens noch einer abgezogen. Wer das ganze noch vertiefen will, dem ist Herr Lünings Video zu diesem Thema (Margot vs Aldis Rache) zu empfehlen.

    Grüße
    Jasper

  4. Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack.
    Mir zum Beispiel schmeckt der Torfige Whisky überhaupt nicht.
    Meiner Meinung nach ist dieser Whisky für das wenigee Geld echt super. Der fünfjährige ist noch um einiges Besser. Ich Trinke den regelmäßig.
    Bekomme leider den Fünfer momentan nicht.

    1. Hey schon eine Weile her dein Kommentar, aber danke trotzdem dafür! Der Tipp mit dem Queen Margot 5 Jahre klingt gut, wir werden mal die Augen offen halten beim Einkauf im Lidl! Gibt es den nur als Aktionsware?

  5. Mal vorweg, ich bin kein Whiskykenner im Bereich über 20 Euro, aber trinke seit Jahren gerne mal ganz entspannt die eine oder andere Marke. Und was soll ich sagen, ich finde den Queen Margot richtig klasse.Zum einen schmeckt er mir besser als z.B Johnnie W und zum anderen habe ich auch nach etwas reichhaltigem Genuss keinen Kater an nächsten Morgen. Für mich bedeutet das zumindest eine gute Qualität ! Klar ist nach oben viel Platz, aber ich würde ihn wieder kaufen !

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