Pietra Kastanienbier: Nicht nur auf Korsika ein Genuss. (Foto: Alkoblog)

Als Dominique Sialelli während seines Heimaturlaubs auf Korsika ein heimisches Bier trinken wollte, musste der Kellner ihn enttäuschen: „So etwas gibt es hier nicht“. Tatsächlich existierte bis 1995 keine einzige Brauerei auf der französischen Mittelmeerinsel.

Also „Kein Bier auf Korsika“ – angelehnt an den bekannten Schlager von Paul Kuhn? Ganz so schlimm war die Lage nicht, denn es gab natürlich Import-Biere. Vor allem Brauerzeugnisse aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden werden damals wie heute angeboten. Selbst Paulaner-Bier fristet als Bückware im untersten Regal der Supermärkte mancherorts sein Dasein.

In Frankreich hat eher Wein als Bier Tradition

Dass es so lange keine Brauerei auf Korsika gab, dürfte wohl auch damit zu tun haben, dass sowohl Korsen als auch Franzosen traditionell lieber Wein trinken. Bier ist in den Cafés zwar ebenfalls erhältlich, wird aber vor allem in homöopathischen Dosen von 0,25 Liter ausgeschenkt – im Vergleich dazu kommt der Vin de Pays (Landwein) häufig direkt in der großen Karaffe auf den Tisch.

Die Pietra-Brauerei braut Bier aus Gerstenmalz und Kastanienmehl

Und was machte Dominique Sialelli? Der gebürtige Korse gründete die Pietra-Brauerei im kleinen Ort Furiani. Sein Bier wird aus Wasser, Gerstenmalz, Maronenmehl, Hopfen und Hefe gebraut. Die Besonderheit liegt also in der Verwendung von Esskastanien beim Brauprozess. Die Kastanie ist ohnehin so etwas wie das Markenzeichen der Insel und findet sich in Gebäck ebenso wieder wie im Brotaufstrich. Dem Pietra soll sie eine besondere, nussige Note verleihen. Die Maronen werden im bergigen Hinterland geerntet und angeblich noch mit Eseln zur Brauerei transportiert.

Auf Korsika und in Frankreich beliebt: Pietra Kastanienbier

Bei den patriotischen Korsen war der Erfolg von Pietra schnell besiegelt: Innerhalb weniger Jahre gelang es der kleinen Brauerei eine Art Vormachtstellung in Sachen Bier auf Korsika zu erlangen. Kaum eine Kneipe, Café oder Bar, die das Kastanienbier nicht ausschenkt. Und auch in den Supermärkten sind die goldenen Dosen und 0,75 Liter-Flaschen von Pietra überall erhältlich. Interessanter Fakt: Rund 70 Prozent des Biers wird direkt in Korsika getrunken, weitere 20 Prozent auf dem französischen Festland. Die restlichen 10 Prozent werden exportiert – unter anderem nach Deutschland, Japan und in die USA.

Unsere Verkostung

Pietra-Bier aus Korsika in der Flasche (Foto: Pleclown / wikipedia)
Pietra-Bier aus Korsika in der Flasche (Foto: Pleclown / wikipedia)

Schon im Geruch unterscheidet sich das korsische Inselbier von anderen Gebräuen: Es duftet recht jung und frisch, mit süßlicher Note, fast ein wenig sirupartig. Ich habe beim Schnuppern am Glas direkt Lust auf einen Schluck bekommen. Das gut gekühlte „Biera Corsa“ schmeckt leicht, mit nussig-karamelliger Note im Mittelteil, angenehmer Malzigkeit und nur leichter Herbe im Abgang. Die Süße des Bieres wirkt dabei recht dominant – das ist sicher nicht jedermanns Sache! Insgesamt hat Pietra aber eher wenig Körper und ist damit prädestiniert als Sommerbier. Trotz der 6 % Alkohol wirkt es dabei nicht schwer. Zumindest solange es kalt ist. Wird das Pietra wärmer, dann erinnert es an Bockbier und verliert an Eleganz. Insgesamt könnte der Braumeister aus Pietra vielleicht noch etwas mehr Aromen und Fülle herauskitzeln, dann wäre das Kastanienbier aus Korsika noch besser.

Pietra ist kein günstiger Spaß: Eine Dose mit 0,5 Liter kostet zwischen 1,90 und 2,40 Euro im korsischen Supermarkt. In Deutschland ist Pietra in Spezialitätenläden und zum Beispiel hier über das Internet erhältlich.

Pietra Kastanienbier
Gestaltung & Story80
Geschmack82
Preis-Leistung40
67
Fazit
Für einen lauen Sommerabend mit BBQ bietet Pietra eine originelle Ergänzung. Vorausgesetzt man mag den süßen Charakter des Korsen. Gut gekühlt kommen die nussigen Aromen von Pietra am besten zur Geltung. Warm werden lassen sollte man das Spezialbier aber nicht, sonst schlagen die 6 % geballt zu und verderben den Genuss.

1 Kommentar

  1. Pietra ist ein altbekanntes Bier – getreu der Tradition wonach man Biere möglichst mit in der Region vorhandenen Rohstoffen brauen soll. Wahrscheinlich sind sie ja auch so entstanden: zu Klosterzeiten hat man in erster Linie Ueberschussgetreide, nasse Ernten usw „verbraut“ – quasi als Konservierungsmethode. Es ist deshalb auch nur vernünftig wenn man in Asien Reis, in USA Mais und in Afrika Shogum zum Brauen (mit)-verwendet. Die Vorgabe der deutschen Brauer, es sei nur Gerstenmalz (..was ist denn mit den Weizenbiere, Roggen, Dinkel..?) zu verwenden mag für ihr Land stimmen. Wenn man es aber als „Weltstandard für gutes Bier“ betrachtet ist es nur noch arrogant…

    Gruss Wartmann

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