Der Penderyn Myth stammt aus Wales. (Foto: Alkoblog)

Dass Destillerien sich gerne auf alte Legenden berufen, den großen Vorhang der Geschichte rascheln lassen, sind wir ja schon gewohnt. Beim Penderyn Myth wirkt es aber doch ziemlich albern: Die Brennerei wurde erst 2004 neu gegründet und hat damit überhaupt keine Tradition. Wie überhaupt die Brennblasen in Wales lange still standen: Der letzte Whisky wurde angeblich 1894 destilliert, danach sorgten die Kirche, die Abstinenzbewegung und vielleicht auch einfach die fehlende Nachfrage dafür, dass das Land durch ein „trockenes“ Zeitalter steuerte. In den letzten Jahren gab es zwar einige „walisische Whiskys“, die jedoch nicht vor Ort gebrannt wurden. Findige Geschäftsleute kauften einfach schottischen Whisky ein und etikettierten ihn um. Ein Gericht verbot diese Machenschaften dann aber recht schnell und der Weg war frei für Penderyn.

Das Dilemma von Penderyn

Die Brennerei aus dem gleichamigen Ort am Rand des Brecon Beacons National Parks hat das Dilemma vieler junger Whisky-Destillerien: Es wurde viel Geld investiert und doch hat man die ersten Jahre nur unzählige Liter jungen Whisky auf Lager liegen. Ähnlich wie bei Kilchoman auf Islay versucht man auch bei Penderyn schon jetzt möglichst viele Abfüllungen herauszubringen und an Kenner, Sammler und Fans zu verkaufen. Preislich wird dabei die Schmerzgrenze ausgelotet: Fast 50 Euro für einen No-Age-Statement, der vermutlich 5 Jahre alten Whisky enthält, ist eine stolze Hausnummer – vor allem wenn große Destillerien für diesen Preis auch schon mal ihren bewährten 16-jährigen anbieten.

Und doch ist auch beim Penderyn die Spannung da: Versteckt sich in der an eine Weinflasche erinnernden Hülle vielleicht ein Überraschungshit? Welche Grundlagen hat man bei der walisischen Destillerie gelegt? Lohnt sich der erste ausschließlich im Bourbon-Fass gelagerte Whisky von Penderyn? Nur ein Tasting kann die Flut der Fragen an dieser Stelle sinnvoll beenden!

Unser Tasting des Penderyn Myth

Wie riecht er?

Sehr leicht, fruchtig und süß steigt der Duft aus dem Nosing-Glas. Könnte auch ein Rum und kein Whisky sein. Wir riechen Aprikosen, Vanille und Litschi. Eine leichte Säure erinnert an Weißwein. Nach etwas Wartezeit ganz prägnant der Geruch nach dem roten Tee, den es früher in deutschen Jugendherbergen immer gab (und vielleicht noch immer gibt). Ein dünner Hauch Hagebutte und eine dezente Alkoholnote durchziehen das Dram.

Wie schmeckt er?

Die Aromen aus dem Nosing finden sich deutlicher als bei anderen Whiskys auch im Geschmack wieder: Jung und leicht mit einem Hauch Frucht gibt sich der Penderyn Myth als sommerlicher Begleiter zu erkennen. Erinnert etwas an besagten dünnen Früchtetee. Dann Getreide und Erdbeeren auf etwas würzigem Holz. Einerseits ist der Malt mild, weich und samtig – andererseits schiebt sich immer wieder eine alkoholische Bitterkeit und Schärfe ins Bild. Sicher ein Indiz darauf, dass der Penderyn Myth noch so jung ist. Ich habe spontan die Assoziation von einem aromatisierten Vodka gehabt, vielleicht weil die hauchigen Aromen direkt auf dem Alkohol aufzuliegen schienen. Erstaunlicherweise ist aber kaum klassischer New Make zu schmecken.

Wir danken der Schlumberger Vertriebsgesellschaft für die Zusendung des Rezensionsexemplares des Penderyn Myth.

Gestaltung & Story80
Geruch68
Geschmack64
Preis-Leistung40
63
Fazit
"Hauch mich mal an!", möchte man zu diesem Whiskey sagen. Denn die Aromen des Walisers sind so leicht und zart wie ein Parfüm. Freilich eines, das nach rotem Früchtetee riecht. Sieht man über das junge Alter und die dezente, alkoholische Schärfe hinweg, durchaus ein solider Whisky, der Hoffnung macht auf ältere Penderyns. Der Preis von 50-60 Euro rangiert allerdings irgendwo zwischen mutig und dreist.

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