Starker Raucher: Octomore 7.4 Virgin Oak. (Foto: Fabrizio Maestroni / Flickr)

Was gab es 1800 auf Islay im Pub zu trinken?

Whisky natürlich. Und das war ziemlich rauer Stoff.

Denn mangels Bäumen auf der Insel verwendeten die Brenner zum Darren (sprich Trocknen) der Gerste das in großen Mengen vorhandene Torf. Die Torffeuer mussten über mehrere Tage und Nächte in Gang gehalten werden. Doch das tat man gerne, denn am Ende wartete eine hochprozentige Spirituose auf die durstigen Männer. Der Whisky von damals hat mit heutigem Islay-Whisky nicht viel gemein. Denn lange Lagerzeiten waren nicht vorgesehen, der Whisky wurde höchstens noch in den nächsten Pub transportiert und dort sofort an bzw. in den Mann gebracht.

Traditionelle Destillerie, moderner Whisky: Bruichladdich auf Islay (Foto: Alkoblog)
Traditionelle Destillerie, moderner Whisky: Bruichladdich auf Islay (Foto: Alkoblog)

Harte Arbeit für einen harten Whisky

Bei Bruichladdich lässt man die alte Tradition für die Octomore-Whiskys wieder aufleben: Die Gerste für den Octomore 7.4 wird fünf Tage lang über einem Torf- und Kohlefeuer gedarrt. Für die Arbeiter bei Bruichladdich ist dies trotz des zusätzlichen Aufwandes eine besondere Ehre. Einen legendären und zudem limitierten Whisky wie den Octomore brennt man schließlich nicht alle Tage. Auch wenn danach erst mal stundenlang die Mash Tuns und Washbacks geschrubbt werden müssen. Bei einer heftig getorften Gerste wie der für den Octomore, muss man diese schweißtreibende Arbeit übrigens gleich zwei bis drei Mal machen, bis das Torfaroma verflogen ist. Und die Brennblase? Ja, auch da muss ein besonders kleiner Arbeiter (immer auf die Kleinsten!) hineinklettern und sie nach dem Brennvorgang gründlich reinigen.

Wer hat Bock auf Washback schrubben? Nach dem Brennen des Octomore ist das nötig (Foto: Alkoblog)
Wer hat Bock auf Washback schrubben? Nach dem Brennen des Octomore ist das nötig (Foto: Alkoblog)

167 ppm Torfpower und zwei verschiedene Eichenholzfässer

Der Octomore 7.4 Virgin Oak erreicht mit 167 ppm ungefähr gleich viel Torfstärke wie sein Vorgänger mit der Nummer 7.3. Er liegt damit deutlich unter dem Octomore 6.3 mit 258 ppm, dem „torfigsten Whisky der Welt“. Die Besonderheit des Octomore 7.4 liegt im Finishing, welches zu 25% in frischen Eichenholzfässern erfolgt. Für die restlichen drei Viertel wurde zuerst eine dreijährige Reifung in First-Fill-Bourbon-Fässern angesetzt, dann stehen weitere zwei Jahre in frische Eichenholzfässern und abschließend zwei weitere Jahre in First-Fill-Bourbon-Fässern auf dem Programm. Wer jetzt mitgerechnet hat (Kleine Matheaufgabe: 3+2+2=7) weiß, beim Octomore 7.4 handelt es sich um einen siebenjährigen Whisky. Wie wird sich die „Virgin-Octopussy“ wohl im Tasting machen?

Starker Whisky - schwarze Flasche: Octomore 7.4 Virgin Oak. (Foto: Amazon)
Starker Whisky – schwarze Flasche: Octomore 7.4 Virgin Oak. (Foto: Amazon)

Unser Tasting des Octomore 7.4 Virgin Oak

Wie riecht er?

Beim Octomore erwarte ich, dass mir eine dicke Wand aus Torf entgegenschlägt. Doch der erste Eindruck des 7.4 Virgin Oak ist weniger torfig als gedacht. Bin ich schon so abgehärtet von den vielen anderen Islay-Whiskys? Jedenfalls erinnert mich der Geruch des Octomore spontan mehr an Aprikosen und Pfirsiche, dazu Vanille und süßes Karamell. Was ist denn das für eine Prinzessinnenparty? Doch dann schlägt die Torfgranate doch noch ein: Ganz viel Räucherspeck und Schinken, dazu ein fettiger Geruch wie von eingelegten getrockneten Tomaten. Und dann auch noch Röst-, Holz- und Lehmaromen. Legt gut vor, der Octo!

Wie schmeckt er?

Wow, dieser Geschmack ist eine Wucht! Mit voller Kraft ballert der Octomore seine Aromen raus. Bamm, Bamm, da ist das Tannenholz! Aber nicht so klebrig-harzig, wie ihr euch das vielleicht jetzt vorstellt. Dafür intensiv süß und zugleich trocken mineralisch wie Kieselsteine. Ich schmecke Obsthölzer wie Kirschbaum, dazu Rosinen, Zimtgebäck und darüber hinaus Haselnüsse, abgerundet durch Meersalz. Die Aromenfülle des Octomore ist nicht superkomplex, dafür eher konzentiert. Durch diese Kompaktheit im Mund wirkt er fast betäubend. Definitiv ein Whisky mit Drehmoment (61,2 Prozent Alkohol). Fans erweiterter Torfexzesse finden hier neuen Stoff für ihre schwarzen Kehlen.

Octomore 7.4 Virgin Oak
Gestaltung & Story94
Geruch82
Geschmack84
87
Fazit
Acht Buchstaben und bei Torfliebhabern gehen die Mundwinkel hoch: Das ist Octomore! Der 7.4er heizt serienmäßig mit 167 ppm über die Mundpiste namens Zunge. Im Boxenstopp lässt er ein paar Aromen liegen, doch klar ist auch: Hier geht es nicht um Komplexität, sondern um das Torferlebnis. Leider limitiert und damit recht teuer. Wir bewerten die Preis-Leistung deswegen nicht.

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