Whisky

Veröffentlicht am 4. März 2016 | Foto: Alkoblog

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Der torfigste Whisky der Welt: Octomore 6.3 Islay-Barley im Test

Einmal am torfigsten Whisky der Welt schnuppern. Einmal die Power der 258 ppm Torfgehalt auf der Zunge spüren. Nicht auf nur auf den ersten Blick eine verlockende Aussicht. Sehen doch neben dem Octomore 6.3 sogar die „torfigen“ Islay-Whiskys wie Laphroaig mit ppm-Werten um die 40 ppm wie eine Torf-Whisky-Vorschulgruppe aus.

Doch klar ist auch, dass es sich bei den Octomore-Whiskys um erweiterte Whisky-Experimente handelt: Gigantische Mengen Torf wurden verwendet, um herauszufinden wo die geschmacklichen „Schmerzgrenzen“ liegen. Denn eine größere Torfstärke im Malz garantiert nicht automatisch auch einen besseren Geschmack des Whiskys.

Torfbombe für Islay-Liebhaber

Im Gegensatz zum Octomore 6.2, der immerhin auch mit 167 ppm aufwartet, wurde für diese Abfüllung noch eine gute Schippe Torf draufgelegt. Doch früher oder später wird beim Torfgehalt das Ende der Fahnenstange erreicht sein. So trumpft die aktuellste Octomore-Abfüllung 7.4 Virgin Oak  nicht mit einem neuen Torfrekord auf. Ein Zeichen, dass die „Grenze des Erträglichen“ erreicht wurde?

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Gebrannt aus Gerste von Islay – eine Seltenheit

Neben der großen ppm-Zahl weist der Octomore 6.3 noch eine weitere Besonderheit auf. Er wurde aus 100% Islay-Gerste gebrannt. Die meisten Destillerien auf Islay kaufen sich ihre Gerste vom Festland, aus Großbritannien und der ganzen Welt zusammen. Der Whisky wird in der Insel-Destillerie gebrannt und dann per Tanklaster oder Schiff in ein Warehouse irgendwo in Schottland transportiert. Nur ein sehr kleiner Teil der Produktion reift tatsächlich noch auf der kleinen Hebrideninsel.

Mark Reynier ein Weinhändler aus London, welcher die Bruichladdich-Destillerie in den 2000er-Jahren kaufte, wollte ein regionales Produkt mit echter Islay-Gerste und Lagerung vor Ort herstellen und so den Terroir-Gedanken (den man sonst von Wein und Champagner kennt) auch bei Whisky aufleben lassen. Zwar gelingt dies noch nicht für alle Whiskys von Bruichladdich und auch die Gerste für Bruichladdich wird bei Baird’s Maltings in Inverness auf dem Festland gemälzt. Doch immerhin, wo Islay Barley draufsteht ist auch 100% Islay Gerste drin. Und in den Dunnage- und High-Rack-Lagerhäusern von Bruichladdich liegen auch viele Fässer für Octomore.

Islay Barley und 5 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern

Der Octomore 6.3 ist ein sehr junger Whisky: Nach nur fünf Jahren Lagerzeit in Ex-Bourbon-Fässern wird er mit 64% Alkohol abgefüllt. Die Serie ist auf 18.000 Flaschen reduziert. Obwohl sie bereits zum Ende des Jahres 2014 herauskam, ist sie bislang in den Whiskyläden noch nicht vergriffen. Liegt das etwa am Geschmack?

Unser Tasting des Octomore 6.3 Islay Barley

Wie riecht er?

Der Geruch ist angenehm wärmend und erinnert mich an ein glimmendes Feuer, so als würde das Torffeuer noch brennen. Die Torfwucht ist hier eindeutig die bestimmende komplexe Komponente. Dennoch ist der Torf bei weitem nicht so alles beherrschend, wie ich es erwartet hätte. Hinter der würzigen Torfwand rieche ich Meersalz, Gerste, Bratapfel, Marzipan, geröstete Mandeln und Zimt.

Wie schmeckt er?

Wow, dass ist die mal die volle Dröhnung Torf! Gleich nach dem die erste Torfwelle an meinen Gaumen brandet, octomore-bruichladdichkommt zusätzlich eine kohlige rauchige Note im Mund auf. Ein wirklich heftiges Aroma. Als ich das Torfmonster etwas gezähmt habe, schmecke ich Diesel, salziges Karamell, glühende Asche und gepökeltes Fleisch, aber auch viele würzige Holzaromen. Im langen Abgang folgt wieder viel Rauch und Asche. Trotz der 258 ppm ist der Whisky nicht „overpeated“ oder unbalanciert. Die Komplexität kommt dennoch fast ausschließlich aus dem Torf. Der Octomore 6.3 ist aufgrund der massiven Torfstärke ein Erlebnis. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Alkoblog.de Whisky-Test: Octomore 6.3 Islay Barley

Gestaltung
Geruch
Geschmack

Fazit von Samuel: Die 258 ppm Peat in der Gerste sind eine Hausnummer! So kommt das Aroma und der Geschmack des Octomore 6.3 auch hauptsächlich aus diesem omnipräsenten Torf. Dennoch ist der Whisky dabei niemals unerträglich torfig. Absolute Torfliebhaber werden bei dieser Abfüllung mit der Zunge schnalzen, anderen Genießern wird wohl die Komplexität etwas abgehen. Der Octomore 6.3 ist ein guter Whisky, ganz vom Hocker gerissen hat er mich nicht. Auf Grund der Limitierung und den schwankenden Preisen, bewerten wir die Preis-Leistung bei dieser Abfüllung nicht.

4.1



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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