Für den Oban Little Bay kommen die kleinsten Fässer dieser Küsten-Destillerie aus den Highlands zum Einsatz. Wir haben den Oban Little Bay getestet. (Foto: Alkoblog)

Wohl nur wenige schottische Destillerien außerhalb von Islay oder den schottischen Inseln, sind so nah am Wasser gebaut wie die Oban-Destillerie. Nur einen Katzensprung vom Kai entfernt, fügt sich eine der kleineren Whisky-Brennereien in das Panorama der Hafenstadt ein. So übersichtlich wie der Ort sind auch die Whiskys, welche bei Oban gebrannt werden. Neben dem Oban 14 Jahre wird seit einiger Zeit auch ein Oban ohne Altersangabe mit dem Namen Little Bay angeboten. Dieser NAS-Whisky wird laut Herstellerangaben nur in kleinen Batches produziert und in den kleinsten Fässern der Destillerie gelagert.

Wie groß diese Batches letztendlich sind, ist leider nicht bekannt und auch in welchen Fässern der Oban Little Bay lagert wird nicht verraten. Bei den verwendeten Fässern wird es sich wahrscheinlich aber um American Standard Barrels (ASB) handeln, in welchen zuvor Bourbon-Whiskey lagerte. Wenn es sich um Quarter Casks handeln würde, hätte man dies wohl auf der Flasche vermerkt, um vom Erfolg und der großen Bekanntheit des Laphroaig Quarter Cask zu profitieren. Doch wie wirkt sich die Größe der verwendeten Fässer überhaupt auf Whiskys wie den Oban Little Bay aus? Zeit für eine Einordnung.

Lagerung in Eichenholz: American Standard Barrels und Hogshead-Fässer

Für die Lagerung von schottischem Whisky werden in den meisten Fällen Ex-Bourbon-Fässer verwendet. Diese Fässer aus der Bourbon-Industrie kommen entweder als ganzes Fass oder auseinandergebaut per Schiff nach Schottland. Üblicherweise werden die Fässern jedoch nicht als American Standard Barrel (ASB) wieder zusammengebaut und für die Lagerung von Whisky wie dem Oban Little Bay verwendet, sondern davor zu größeren sogenannten Hogshead-Fässern umgebaut. Beide Fasstypen haben ihre ganz eigenen Eigenschaften und Vor- und Nachteile.

Während ein ASB-Fass ein Volumen von etwa 190 Litern ausweist, ist das Volumen eines Hogshead-Fasses um etwa 25-30% größer und beträgt in der Regel ungefähr 250 Liter. Gleichzeitig mit der Erhöhung des Volumens wird jedoch für die Lagerung des Hogshead-Fasses nur etwa 15% mehr Platz benötigt. Mit Hogshead-Fässern kann folglich mehr Whisky in einem Warehouse gelagert werden, was ökonomische Vorteil birgt. Für unseren Oban Little Bay bedeutet das also, dass seine Lagerung in ASB-Fässern im Vergleich zu einer Lagerung in Hogshead-Fässern teurer ist.  Worauf sich die Frage ergibt, aus welchen Gründen die Lagerung in den teurer zu lagernden ASB-Fässern für eine Destillerie dennoch Sinn machen kann?

Einfluss der Holzoberfläche auf den Whisky

Die Lagerung in Eichenholzfässern hat bei Scotch-Whisky den größten geschmacklichen Einfluss. Entscheidende Faktoren dabei sind wie frisch das Fass ist (first fill, second fill, etc.) und wie lange der Whisky im Fass lagern darf. Der genannte zeitliche Aspekt wird aber auch durch die zur Verfügung stehende Oberfläche im Whiskyfass beeinflusst. Je größer ein Fass ist, umso weniger Oberfläche steht jedem Liter Whisky zur Verfügung und desto länger wird er für die Reifung benötigen.

Wie I. Buxton und P. S. Hughes in ihrer Veröffentlichung ‚The Science and Commerce of Whisky‘ darlegen, ist das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen im Vergleich von ASB, Hogshead und Sherry-Butt bei einem ASB-Fass am besten und wird der Annahme zu Folge bei gleichen Bedingungen zu einer schnelleren Reifung führen. Bei der Auswahl der Fässer für die Lagerung von Whisky dreht es sich für Destillerien gleichermaßen um ökonomische und qualitative Erwägungen. Für unseren Oban Little Bay, der vermutlich aus einem ASB-Fass stammt, heißt dies, dass er im Vergleich zur Lagerung in Hogshead-Fässern intensiveren Kontakt zum Holz hatte. Doch macht ihn das zu einem guten Whisky oder hätte es eine längere Lagerung gebraucht? Auf zum liquiden Teil unseres Berichts:

Unser Tasting des Oban Little Bay

Wie riecht er?

Im Glas riecht der Oban Little Bay eher schwer und weist einen kräftigen Geruch auf. Die Aromatik erscheint dementsprechend dicht. Wir riechen leichte Holzrauch, überwiegend aber süße Noten wie Vanille, Bratapfel, Birnenkompott, Orangenschalen, aber auch weiße Schokolade und helles Karamell. Von der „Seaside“ wehen leicht salziger Aromen herüber.

Wie schmeckt er?

Im Mund wechseln sich beim Oban Little Bay die fruchtigen mit den herberen Aromen ab. Wir schmecken salziges Karamell, Vanille, milde Schokolade, Äpfel und eingelegte Birnen. Darüber hinaus auch Vanille, würziges Eichenholz sowie Orangeschalen und Gewürznelken. Im Abgang ist der ‚Little Bay‘ eher kurz und gleitet in milde cremige Aromen ab.

Diese 5 Noten prägen den Whisky besonders: Orangenschalen, Vanille, Apfel, helles und salziges Karamell, leichter Rauch

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Oban Little Bay
Gestaltung & Story75
Geruch68
Geschmack71
Preis-Leistung68
71
Fazit
Der Oban Little Bay schmeckt nicht schlecht und ist von seinen Aromen auch stimmig. Leider geht bei der im Vergleich zum Oban 14 Jahre wohl kürzeren Lagerung ein wenig die geschmackliche Tiefe und der Körper des Whiskys über Bord. Insgesamt wirkt so die Fasslagerung etwas aufgesetzt. So trinkt sich der Oban Little Bay zwar angenehm hinterlässt aber insgesamt keinen prägnanten und nachhaltigen Eindruck. Mit einem Preis von aktuell knapp 50 Euro eher etwas zu hoch bepreist.

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