Den Oban 14 Jahre hatte ich mir schon länger zur Verkostung vorgenommen. Er ist einer der wenigen Küsten-Whiskys Schottlands. Was bei einer Küstengesamtlänge von 3540 km ja durchaus erstaunlich ist. Doch es stimmt: Wie man auf dieser Destillerie-Karte sehr schön sehen kann, liegen nur ganz wenige Brennereien direkt am Meer (die Inseln jetzt mal ausgenommen). Oban jedenfalls ist eine solche Küsten-Destillerie mit nettem kleinen Städtchen drumherum – und der dazugehörige Single Malt landete gestern bei einem Bar-Besuch in meinem Glas.

Nur wenige eigene Abfüllungen von Oban

Oban wird vom Spirituosenkonzerns Diageo als Classic Malt vermarktet, nimmt aber dort neben Größen wie Talisker oder Lagavulin eine Nischenstellung ein. Außer dem 14-jährigen gibt es noch die obligatorische Distillers Edition, ansonsten ist es eher ruhig im Portfolio der Brennerei. Keine Experimente, keine kühnen Neuerscheinungen. Was ja auch mal ganz angenehm ist, dann habe ich wenigstens nicht die Qual der Wahl, sondern kann gleich zur Verkostung des 14 Jahre alten Single Malts übergehen.

Unser Tasting des Oban 14 Jahre

Wie riecht er?

Als sich meine Nase dem Glas nähert, habe ich sofort ein Bild im Kopf: Die schroffe, windzerzauste Küste Schottlands. Ich rieche Heidekraut und Meersalz. Dazu feuchtes Holz wie von einem verrotteten Ruderboot. Auch die nussigen Noten sind beim Oban 14 recht ausgeprägt, würzige Muskatnuss und ein Hauch gebrannte Mandeln sind mit dabei. Getrocknete Rosinen, verbrannter Toast und Kaffeebohnen lassen den Malt reif wirken. Etwas Sherry und Preiselbeeren schimmern durch. Ab und zu schieben sich aber auch Aromen ins Bild, die nicht ganz zum Rest passen wollen: So roch unsere Probe nach kurzer Atempause etwa nach einer blumigen Seife (wie Veilchen).

Wie schmeckt er?

Im ersten Moment überrascht der Oban: Nach dem Nosing hatte ich einen anderen Geschmack erwartet. Doch er ist nicht unspannend. Ölig und intensiv legen sich salzige, maritime Noten auf die Zunge. Praktisch kein Torf, nur etwas Rauch tritt hervor. Herb, männlich und ernst wirkt dieser 14-jährige. Das Eichenholz ergänzt sich mit Bohnerwachs. Hinten schmecken wir etwas Zitrusfruchtschale und Datteln, das war es aber auch mit der Frucht. Das Aufschließen mit Wasser fördert trotz des leicht erhöhten Alkoholgehalts von 43 % nicht wirklich neue Erkenntnisse zu Tage. Insgesamt kein übermäßig komplexer Malt, aber angenehm zu trinken.

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Oban 14 Jahre im Whisky-Test
Gestaltung & Story70
Geruch80
Geschmack76
Preis-Leistung80
77
Fazit
Der Oban 14 ist wie der Stammgast einer Bar: Er war halt schon immer da, hat über die Jahre aber etwas an Glanz verloren. Obwohl die einzelnen Aromen durchaus spannend sind, fehlt diesem Whisky der letzte Kick, um sich ganz vorne einzureihen. Gemütlich, unaufgeregt, aber auch etwas brav.

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