Whisky

Veröffentlicht am 6. Februar 2017 | Fotos: oakbottle.com

4

The Oak Bottle: Whisky-Nachreifung in der Holzflasche

Jeder von euch hat wahrscheinlich ein paar Whiskys im Schrank stehen, die nicht ganz so toll sind. Man hat den vollmundigen Versprechen der Destillerie geglaubt, die von den schönsten Aromen schwärmte. Und dann enttäuscht einen der Whisky im Tasting doch. Mir ist das schon einige Male passiert und so stehen mittlerweile einige Flaschen in meinem Regal, die mich nicht wirklich überzeugt haben.

Natürlich gibt es jetzt noch einen Unterschied zwischen einem Scotch der pur praktisch ungenießbar ist (man denke an einige Discounter-Whiskys) und solchen, die schlicht die eigenen Erwartungen an den Geschmack nicht erfüllt haben. Während bei ersterem Fusel vermutlich jede Hilfe zu spät kommt, gibt es für Flaschen der zweiten Kategorie jetzt möglicherweise eine Lösung: The Oak Bottle.

Eine Holzflasche aus 100 % amerikanischer Eiche

Die Oak Bottle ist eine handgefertigte Flasche aus amerikanischem Eichenholz, welche die Nachreifung von Spirituosen oder Wein ermöglicht. Wie auf den Fotos erkennbar ist, wurde das Innere der Holzflasche ausgebrannt. Diese Methode des „oak charring“ kennt man aus der Bourbon-Industrie, wo sie zum festen Standard jeder Whiskey-Herstellung gehört. Das Versprechen der Macher: Füllt man einen Whisky in die Oak Bottle, soll dieser innerhalb kurzer Zeit die holzkohligen Aromen aus den Wänden ziehen und in sich aufnehmen.

Für die USA typisch wird die Oak Bottle überaus vollmundig beworben: So heißt es auf der Amazon-Verkaufsseite etwa, dass sich mittelmäßige Weine und Spirituosen innerhalb von nur zwei Stunden in teure Spitzenklasse-Qualitäten verwandeln lassen sollen. Das sehen wir nach unseren eigenen Versuchen mit Mooreiche-Aging-Sticks eines deutschen Onlineshops naturgemäß etwas kritischer. So kam bei unserem damaligen Versuch zwar eine kräftige Holznote in den ansonsten eher flachen Glenfiddich 12 Jahre, aber der Single Malt gewann dennoch kaum an Tiefe. Die jahrelange Reifung in Eichenholzfässern lässt sich eben nicht einfach durch eine High-Speed-Methode ersetzen. Auch der mehrfachen Verwendung von Holzflaschen oder Reifungs-Sticks sind naturgemäß Grenzen gesetzt: Wie bei einem richtigen Fass lässt die Intensität von First-Fill über Second-Fill bis zur x-ten Befüllung immer weiter nach.

Weiterlesen:  Das Age-Experiment: Whisky zuhause nachreifen mit Mooreiche

Reifung auch für Cocktails und Bier

Schon eher kann ich mir vorstellen, dass die Oak Bottle zum Beispiel Cocktails oder Bier eine schöne Holznote verpasst. Barrel-aged cocktails sind ja schon seit einigen Jahren in der Bar-Szene im Trend, hier könnte die Oak Bottle eine handlichere Alternative zu den üblichen Mini-Fässern sein, die auf vielen Bar-Tresen vor sich hinschlummern. Man bedenke auch den Show-Effekt, wenn man einen so gelagerten Cocktail aus der Eichenholzflasche direkt ins Glas des Gastes schenkt.

Wer der Oak Bottle eine Chance geben möchte, muss dafür aktuell noch recht tief in die Tasche greifen: 89,95 Dollar plus Versand kostet die große Variante mit 750 ml Fassungsvermögen, eine kleine Variante mit 150 ml wird für 39,95 Dollar angeboten. Passend dazu gibt es ein Whisky-Tumbler aus Eichenholz, der aber wohl eher nur Deko-Charakter hat, als eine Reifung zu bewirken. Denn das ein Drink sich in der kurzen Zeit bis zum Genuss tatsächlich noch Holzaromen aus den Wänden saugt, das glauben wohl nicht mal die Amerikaner.

Beziehungsweise tun sie es vielleicht doch. Zitat von der Webseite: „The new Oak Tumbler allows you to pour your favorite beer, spirit or wine into the vessel and speed age it in no time at all. Quickly infuse aromas and flavors of oak with a minimal amount of waiting time.“

   Mehr zu Oak Bottle & Tumbler erfahren…


Schlagworte: ,


4 Responses to The Oak Bottle: Whisky-Nachreifung in der Holzflasche

  1. anonymus says:

    Da kenne ich ne günstige Alternative: Vanilin, gibt’s im Supermarkt bei den Backzutaten

  2. C. Meier says:

    Ein durchaus interessanter Ansatz, wenn eines klar sein muss, dass eine kurze Lagerung in dieser Flasche sicherlich nicht eine Jahrelange Ruhephase in einem Holzfass ersetzen kann. Aber dies ist sicherlich auch nicht das Ziel sondern eher ein Aufhübschen bzw. Abrunden eines Whiskys mit leichten Defiziten.

  3. Jayson says:

    Nun ja – eine tolle Idee, für den Hersteller der Flasche :-))

  4. Stefan Müller says:

    Für Schnapstrinker wohl geeignet. Für Whiskyliebhaber ein Gräuel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


Nach oben ↑