Wer sich mit japanischem Whisky beschäftigt, wird schnell auf zwei große Namen stoßen: Suntory und Nikka. Die beiden Getränkekonzerne sind in Japan allgegenwärtig. Wer durch Tokio läuft, stolpert über „Nikka-Bars“, auf dem Heimweg lockt alle paar Meter ein Getränkeautomat mit Boss-Kaffee (Suntory) oder diversen Grüntee-Limonaden. Auch im Whiskygeschäft sind beide aktiv. Da die Japaner ihren Whisky am liebsten mit viel Wasser und Eis als Highball trinken, sind Suntory Kakubin und Nikka Black zwei der beliebtesten Mainstream-Blends des Landes.

Doch auch bei den Premium-Malts mischen Suntory und Nikka mit: Während Suntory mit Yamazaki und Hakushu zwei der bekanntesten Destillerien des Landes betreibt und hat mit Hibiki einige vorzügliche Blends am Start hat, sind es bei Nikka die auf der nördlichsten Insel gelegene Destillerie Yoichi und die Miyagikyo-Destillerie, aus denen die hochwertigen Whiskys fließen. Auch für den wohl bezahlbarsten japanischen Premium-Blend Nikka from the barrel.

Der Klassiker unter den japanischen Blends: Nikka from the barrel
Der Klassiker unter den japanischen Blends: Nikka from the barrel (Foto: Hersteller)

„Ein weiterer Whisky aus Japan“, könnte man nun sagen, wenn man den Nikka 12 Jahre in seiner edel wirkenden Dekanterflasche in die Finger bekommt. Doch das wäre zu kurz gegriffen. Denn der Whisky ist aus mehreren Gründen einen genaueren Blick wert:

  1. Das Alter
    Wenige Monate nach Beginn des aktuellen japanischen Whisky-Booms, mitbefördert durch Jim Murrays mittlerweile legendäre Auszeichnung eines Yamazaki-Whiskys als „bester Whisky der Welt“  im Herbst 2014, gab Nikka bekannt, seine Single Malts Yoichi und Miyagikyo auf No-Age-Statement umzustellen. Vom „Nikka Shock“ war damals zu lesen. Kein Wunder, fielen doch unter Fans geliebte Abfüllungen wie Yoichi 10, 12, 15, and 20 Jahre oder Miyagikyo 10, 12, 15 Jahre der Umstellung zum Opfer. Bei Nikka hatte man offenbar den Markt völlig falsch eingeschätzt und viel zu wenig alte Whiskys auf Lager, um der neu entfachten Nachfrage etwas entgegen setzen zu können. So betrachtet hat der Nikka 12 Jahre etwas liebevoll altmodisches – er wirkt wie ein Relikt aus Zeiten, als japanische Whiskys mit Alter nur eingefleischten Fans bekannt und somit bezahlbar waren.
  2. Die Mischung
    Der Nikka 12 Jahre ist ein Blended Whisky. In deutschen Onlineshops findet man die verschiedensten Aussagen zum Inhalt. So heißt es bei einem Anbieter, dass der Nikka 12 auf Coffey Grain Whisky basiert und um Malts ergänzt wird. Bei einem anderen wird der Nikka 12 hingegen zum „Pure Malt“ erklärt, der nur aus Malt Whiskys von Yoichi oder Miyagikyo bestehe. Beides stimmt so nicht. Richtiger scheint die Angabe zu sein, die auch von amerikanischen Whisky-Bloggern bestätigt wird: Demnach besteht der Nikka 12 Jahre zu 70 % aus Malt Whiskys der genannten Nikka-eigenen Destillerien und zu 30 % aus Grain-Whisky, der im Säulenbrennverfahren hergestellt wird (auch Coffey Still genannt).

Beide Dinge führen dazu, dass ich mich schon richtig auf die Probe freue, die ich heute im Nosing-Glas habe und die nun darauf wartet, dass ich sie endlich verkoste.

Unser Tasting des Nikka 12 Jahre

Wie riecht er?

Edle Flasche: Nikka 12 JahreEine intensive Süße durchzieht den Duft. Zuckrig, betörend, aber auch ein wenig klebend. Ein Hauch UHU-Alleskleber hängt über dem Glas. Doch da sind auch die Früchte wie getrocknete Äpfel, Bananen, Pfirsich und Aprikose. Und da ist das Getreide, welches im Duft des Nikka an Müsliflocken erinnert. Beides zusammen, Früchte wie Getreide, verleihen dem süßen Whisky eine feine Struktur. Sie verhindern, dass der Whisky in rein süße Gefilde abgleitet und beliebig wird.

Wie schmeckt er?

Leicht, mild, schlank – ein Light-Whisky für die figurbetonte Generation? Nach dem ersten Schluck könnte man genau zu diesem Schluss kommen. Gibt man dem Nikka 12 Jahre etwas Zeit, gewinnt er an Struktur: Ich schmecke Haferflocken und Kekse, ein getreidiges Aroma. Letztens habe ich auf einer Veranstaltung den Begriff „Frühstückswhisky“ aufgeschnappt, der passt hier ausgezeichnet. Hinten macht sich das Holz breit, sorgt für fein-würzige Noten. Ein eleganter, insgesamt aber vielleicht etwas kühler (sprich: allzu schlanker, geradliniger) Whisky, der mich im Vergleich zu anderen Japanern nicht völlig gepackt hat.

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