Beim Verkosten von Mezcal bin ich immer wieder erstaunt wie vielfältig und aromatisch der Geschmack dieser Agaven-Spirituose ist. Denn die Aromen kommen hier nicht aus einer Fasslagerung (Mezcal wird meistens nicht gelagert) sondern aus den Rohstoffen und den Herstellungsmethoden. Viel des Geschmacks kommt aus den Agaven-Sorten, wobei für Mezcal alle der über 200 vorkommenden Agaven-Sorten zugelassen sind. Aktiv genutzt werden für die Mezcal-Herstellung allerdings lediglich 22 Sorten.

Mezcals werden aus unterschiedlichen Agaven gebrannt

Welche Agave für den jeweiligen Mezcal verwendet wurde wird meistens direkt auf dem Etikett der Flasche angegeben. Für den Mezcal Atenco ist dies die Agave Angustifolia, welche auch als Espadín bezeichnet wird. Sie ist die am häufigsten verwendete Agave für Mezcal, da sie keine allzu hohen Ansprüche stellt und dementsprechend leichter kommerziell anzubauen ist. (Wenn man beim Anbau von Agaven von leicht sprechen kann.) Der Mezcal aus der Espadín-Agave ist auch der derzeitige Standard bei Mezcal Atenco.

Wilder Wuchs: Die Agave Angustifolia Espadín in den mexikanischen Bergen. (Foto: Mezcal Atenco)
Wilder Wuchs: Die Agave Angustifolia Espadín in den mexikanischen Bergen. (Foto: Mezcal Atenco)

Traditionelle Herstellung von Mezcal Atenco

Bei der Herstellung von Mezcal Atenco in den Bergen von Oaxaca geht es noch ziemlich traditionell zu, wie wir im Interview mit den Gründern erfahren durften. So sind von der Ernte der Agaven, über den Transport, bis hin zur Weiterverarbeitung und dem Brennvorgang die meisten Schritte noch reine Handarbeit. Die Agaven werden nach alter Tradition in Erdöfen gebacken und dann mit einem Mühlstein, der von einem tapferen Gaul gezogen wird, gemahlen. Ob sich die viele Handarbeit auch im Geschmack wiederfindet?

Unser Tasting des Mezcal Atenco Espadín

Wie riecht er?

Im Glas riecht man den Alkohol, was bei einer ungelagerten Spirituose auch nicht so verwunderlich erscheint. Darüber hinaus ist der Geruch dieses Espadín-Mezcals aber ausgesprochen frisch, fruchtig und leicht. Speckige, fettige und rauchig-erdige Noten sind zu bemerken. Bei mir werden Assoziationen von feuchter Blumenerde, Röstzwiebeln, geröstetem Brot und Kieselsteinen geweckt. An fruchtigen Noten rieche ich Honigmelone und Trauben.

Nach etwas Standzeit möchte ich meiner Nase jedoch im ersten Moment nicht so recht trauen. Wisst ihr wie es riecht, wenn man auf der Landstraße an einem gedüngten Feld vorbeifährt…? Ein spannender und ungewöhnlicher Geruch..!

Aber auch leichte Weißwein- und Cognacnoten sowie salzige Nuancen wie von Laugengebäck entdecke ich im Duft des Mezcal Atenco Espadín.

Wie schmeckt er?

Im Mund ist sogleich dominant ein rauchiger und minderalischer Geschmack von Asche zu schmecken. Aber da kommt noch einiges nach… Deutlich ist der Agaven-Charakter herauszuschmecken. Grüner Tee, Moos und Algen sind die Assoziationen dazu. Im Mittelteil kommen grasige Aromen von Stroh und Heu dazu. Aber auch eine leichte Zitrusschalennote, helle Trauben sowie Kaktusfeige mischen sich als Geschmacksnoten darunter.

Mezcal Atenco Espadín
Gestaltung & Story90
Geruch84
Geschmack80
Preis-Leistung78
83
Fazit
Bei Mezcal Atenco sind viele Produktionsschritte noch reine Handarbeit. In Geruch und Geschmack erinnert dieser Craft-Mezcal dann auch an einen Tag auf dem Bauernhof. Mit seinen vielschichtigen Aromen ist dieser komplexe Espadín-Mezcal eine Entdeckung. Der aktuelle UVP für eine formschöne Flasche Mezcal Atenco Espadín ist 45 Euro.

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