Lohnt sich Whisky kaufen in Schottland?

Auf den ersten Blick klingt es verlockend: Eine Reise durch Schottland damit zu verknüpfen, ein paar schöne Flaschen Whisky als Souvenir zu kaufen und im Koffer nach Deutschland mitzubringen. Jeder Erwachsene darf legal bei Einreise aus einem EU-Land bis zu zehn Liter Spirituosen (Zoll-Deutsch: „Branntwein“) importieren. Und in Schottland müsste es doch genug Whisky geben – immerhin wird er doch dort ohne Ende produziert. Oder etwa nicht?

1. Grund: Geringere Auswahl

Erstaunlicherweise ist das Whiskyregal in vielen schottischen Supermärkten ziemlich kurz: Es gibt viele mehr oder weniger gute Blends und ein paar ausgewählte Single Malts aus dem Einsteigerbereich. Besondere Whiskys sucht man vergeblich. Warum ist das so? Die Antwort findet sich gleich rechts oder links daneben: Das Weinregal ist mindestens dreimal so groß. Die Schotten fahren aktuell sehr auf Rotwein ab, der aus der ganzen Welt (vor allem Italien, Spanien und Südamerika) importiert wird. Das Land der Whiskytrinker – es geht mit dem Wein fremd!

Viel Gin und Vodka - wenig Whisky: Blick in einen Spirituosen-Laden. (Foto: Alkoblog)
Viel Gin und Vodka – wenig Whisky: Blick in einen Spirituosen-Laden. (Foto: Alkoblog)

 2. Grund: Höhere Preise

Ein weiterer Grund, warum es sich Whisky kaufen in Schottland nicht lohnt, liegt im Preisgefüge: Zum einen macht der hohe Kurs des Britischen Pfunds einen Whiskykauf unattraktiv. Zum anderen ist das Preisniveau in Schottland generell höher. Fast alle Lebensmittel kosten mehr – also auch der Whisky. So kann ein Single Malt wie der Glenfiddich 12 schon unglaubliche 38 Pfund kosten – umgerechnet rund 47 Euro. Viel Geld für einen Whisky, der hier häufig für um die 20 Euro im Angebot ist.

Weitere Beispiele gefällig? Wir haben die Preistabelle eines typischen Whisky-Ladens in Pitlochry festgehalten:

Whisky ist in Schottland häufig teurer als in Deutschland. (Foto: Alkoblog)
Whisky ist in Schottland häufig teurer als in Deutschland. (Foto: Alkoblog)

Auch bei Blends sieht es nicht besser aus. Ein Johnnie Walker Red Label, bei uns teilweise im Discounter für 10 Euro verramscht, geht im schottischen Supermarkt schon mal für 17 Pfund (rund 21 Euro) über die Theke.

Auch viele Markenwhiskys sind in Deutschland günstiger zu haben. (Foto: Alkoblog)

3. Grund: Hohe Alkoholsteuer

In Großbritannien werden Spirituosen sehr hoch besteuert: 70 % des Einzelhandelspreises einer Flasche fließen in die Staatskasse. Darin enthalten ist die Mehrwertsteuer, welche auf den gesamten Verkaufspreis erhoben wird (die bereits berechnete Alkoholsteuer wird also gleich noch einmal versteuert). Zum Vergleich: Die „Branntweinsteuer“ in Deutschland ist deutlich niedriger und ist an den Alkoholgehalt gekoppelt. Für eine 0,7 Liter-Flasche mit Whisky und 40 % Alkoholanteil sind 3,65 Euro Steuer fällig.

Destillerie-Shops oder Duty Free als Alternative?

Neben Supermärkten und Whisky-Fachgeschäften gibt es natürlich auch noch die Destillerie-Shops sowie die Duty Free-Läden am Flughäfen. In ersteren werden meistens alle Standardabfüllungen und ausgewählte Whiskys anderer Brennereien, die zur selben Gruppe gehören (z.B. Diageo), angeboten. Auch Sondereditionen sind im Angebot – manche gibt es sogar nur vor Ort. Sie können ein schönes Souvenir für Whisky-Genießer sein. Das gleiche Phänomen findet man auch am Flughafen im Duty Free wieder: Einige Abfüllungen werden exklusiv für diese Läden produziert. Auf einem eng begrenzten Markt können die Destillerien so einen Whisky „testen“. Verkauft er sich im Duty Free gut, kommt er später in den allgemeinen Handel. Doch auch hier ist das Preis vergleichen angesagt, wenn man ein Whisky-Schnäppchen machen möchte. Unser Eindruck war, dass wir viele Flaschen günstiger in deutschen Whiskyläden bzw. Onlineshops bekommen können. Wer auf den Kick verzichten kann, eine Flasche vor Ort in Schottland gekauft zu haben, kommt dort häufig besser weg.

Fazit

Das Kaufen von Whisky in Schottland lohnt sich leider häufig nicht. Die hohen Preise (begründet durch höheres Preisniveau und schlechten Wechselkurs) vermiesen das Urlaubsmitbringsel. Zudem ist die Whiskyauswahl in vielen schottischen Supermärkten schlechter, als man dies vermuten würde. Die Schotten trinken Wein und Bier – und wenn es um die harten Sachen geht, greifen sie auch häufig zu einem Vodka, Gin oder Rum. Wer hätte das gedacht…

Was sind eure Erfahrungen mit dem Whiskykauf in Schottland? Konntet ihr ein Schnäppchen machen?

3 Kommentare

  1. Gleiche Erfahrungen bzgl. der mangelnden Auswahl an Whiskys musste ich letzten Urlaub leider auch machen. Es scheint als ob das Land diesbezüglich sprichwörtlich im Umbruch ist. Das spiegelt sich auch am großen Exportanteil der Destillerien ins Ausland wieder.

  2. Nur mal zu Info in Bezug auf die Aktuellen Zollbestimmungen inerhalb der EU. Whisky, Rum und Wodka zählen zu den Klassikern unter den Mitbringseln aus dem Urlaub. Von den Spirituosen darf man innerhalb der EU zehn Liter abgabefrei mit sich führen.

    1. Danke für den Hinweis. Wir haben die Bestimmungen jetzt im Artikel aktualisiert. Jetzt wo in Schottland gerade Mindestpreise für Whisky eingeführt wurden, könnte ich mir aber gut vorstellen, dass die Schotten demnächst Single Malts in Deutschland kaufen und sie quasi re-importieren. Dann allerdings auch nur zehn Liter pro Person – aber das ist ja auch schon ein Koffer voll.

      Viele Grüße
      Lukas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*