Trinkkultur

Veröffentlicht am 3. Oktober 2014 | Foto: Archiv

1

Literatur & Alkohol (Folge 1) – Ernest Hemingway

Kunst und Schnaps, Literatur und Alkohol – seit jeher haben Whisky, Wodka und andere alkoholische Getränke eine große Bedeutung für das kreative Schaffen von Schriftstellern gehabt. Doch warum ist das so? Mit welchen Longdrinks, Shots und Cocktails haben Hemingway, Fitzgerald und Co. ihrer Phantasie am liebsten auf die Sprünge geholfen und die Muse an ihren Schreibtisch gelockt? Diesen und weiteren Fragen möchte unsere neue Serie auf den Grund gehen. Literaturbloggerin Deborah begibt sich auf eine spannende Reise in die Welt der Dichter & Denker und wirft einen Blick in die Flaschen und Gläser großer Schriftsteller.

Hemingway und der Alkohol

Ernest Hemingway, Autor großer Romane und Erzählungen wie „Fiesta”, „Der alte Mann und das Meer“ und „Wem die Stunde schlägt“, gilt als einer der größten Trinker unter den alkoholisierten Literaten. In seiner Jugend sagte er vor allem dem Wein zu – disziplinierte sich aber angeblich noch so weit, nicht während des Schreibens zu trinken. Nur in seiner Freizeit bevorzugte er es mit Freunden um die Häuser zu ziehen und sich einen ordentlichen Rausch anzutrinken. Morgens war er eisern, zu dieser Zeit wurde geschrieben: „Ich war eintausendfünfhundert und siebenundvierzig Mal in meinem Leben betrunken, aber nie am Morgen.“

Je älter, desto mehr Drinks – auch in seinen Romanen

Am liebsten trank Hemingway in jungen Jahren also Wein – er schätzte ihn aber auch so ein, dass er dem Schöpfungsprozess nicht immer förderlich sein würde. Diese Einstellung zum Alkohol sollte sich im Lauf seines Lebens jedoch ändern. Die Literaturwissenschaftlerin Claudia Wankmüller-Kiefer wies in ihrer Dissertation zum Thema „Hemingway und Alkohol“ sogar nach, dass die Figuren in Hemingways Romanen und Erzählungen mit den Jahren immer mehr Alkohol zu sich nahmen. Diese Entwicklung läuft parallel zu seinem eigenen Lebenswandel, denn auch Hemingway trank immer größere Mengen, je älter er wurde. Während in den frühen Werken eher aus hedonistischen Gründen getrunken wird, sind sich die Protagonisten in Hemingways Spätwerk zwar mehr der destruktiven Kraft von Schnaps & Co. bewusst, ertränken ihre Sorgen und Ängste aber dennoch mit Vorliebe in Alkohol.

Paris: Rotwein in rauen Mengen

Keine Frage, das Thema des Alkoholrausches ist allgegenwärtig in Hemingways Werken. In seinem Frühwerk „Fiesta“ trinken die jungen amerikanischen Hauptfiguren Rotwein in rauen Mengen (es fällt häufig das Wort Gallone und dass diese schon wieder nachgefüllt werden muss -> 1 Gallone enthält umgerechnet etwa 3,8 Liter!). Auch in seinem Erinnerungsbuch „Paris, ein Fest fürs Leben“, in dem Hemingway über seine Jugendjahre in der französischen Metropole reflektiert, fließt in zahlreichen Erzählungen viel Alkohol – vornehmlich Whisky, Champagner, aber auch diverse Weinsorten – in enormen Mengen die Kehlen der Schriftsteller- und Künstlerfreunde Hemingways hinunter. Die Kombination von Whisky und Aspirin wird hier sehr gerne als Medizin für Krankheiten und Befindlichkeiten jeglicher Art zu Rate gezogen – naja, wenn’s hilft…

Das Trinken führte bei Hemingway persönlich oft zu schlechten Manieren und dazu, sich mit seinen Aussagen allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. So fasste er den Entschluss: “Always do sober what you said you’d do drunk. That will teach you to keep your mouth shut.” Seinem langjährigen engen Freund F. Scott Fitzgerald schildert er in Briefen immer wieder seinen arg verkaterten Zustand und entschuldigt sich für Äußerungen, die er wohl im alkoholisierten Zustand von sich gegeben habe und die ihm jetzt leidtun.

Floridita Bar Cuba (Foto: Franck Vervial / flickr.com)
Hemingways Lieblingsbar in Havanna: Floridita (Foto: Franck Vervial / Flickr)

Seine Lieblingsdrinks: Hemingway Sour bzw. Daiquiri

Doch was hat es eigentlich mit dem berühmten Cocktail Hemingway Sour auf sich? Schon längst ein Klassiker auf unzähligen Getränkekarten nahezu jeder modernen Cocktailbar stellt sich die Frage, ob Hemingway tatsächlich diesen Drink am liebsten zu sich nahm. Der Hemingway Daiquiri, wie er in Fachkreisen manchmal alternativ genannt wird, wurde in der Bar El Floridita in Havanna, Kuba entwickelt. Hier lebte und trank Hemingway einige Jahre seines Lebens. Bestehend aus Rum, frisch gepresstem Limettensaft und Rohrzuckersirup zählte er angeblich zu Hemingways absoluten Favoriten.

Barkeeper Constantino Ribalaigua Vert servierte den Drink seinem berühmten Gast mit einer besonderen Rezeptur. Diskussionen gibt es bis heute allerdings immer noch, aus welchen Zutaten dieses Original bestand. So kursieren im Internet unter dem gleichen Namen auch unzählige Cocktails, die Gin oder Whisky statt Rum enthalten. Zudem gibt es Gerüchte, dass Hemingway seine Drinks gerne ungezuckert zu sich nahm und sein Daiquiri immer mit ein wenig Maraschino-Likör und der doppelten Menge Grapefruitsaft ergänzt wurde – diese Kreation bekam den Namen Papa Doble.

Schlichte Drinks ohne Schnickschnack

Ziemlich sicher scheint jedoch zu sein, dass Hemingway schlichte Drinks bevorzugte – ohne viel Schnickschnack. Denn nicht nur sein karger, lakonischer Schreibstil lässt diese Vermutung aufkommen, auch zahlreiche Zeitgenossen äußern sich, dass Hemingway sich manchmal auch schon damit begnügte, direkt aus der Flasche zu trinken. Viel mit quietschbunten Cocktailschirmchen und Zuckerrand am Glas, wie der Hemingway Sour heutzutage in Bars serviert wird, war da also sicher nicht…

Die Frage, wie Hemingway seinen Lieblingsdrink zu sich nahm ist ebenso wenig geklärt, wie in welcher Bar er sich am liebsten aufhielt. Auch in Key West, Florida gibt es eine Bar, die bis heute von sich behauptet, Hemingways Lieblingsbar gewesen zu sein und damals dem großen Schriftsteller den einen oder anderen angenehmen Rausch beschert zu haben. Sloppy Joe’s, wie die Bar heute heißt (angeblich hat Hemingway zu dieser Namenswahl angeregt) wurde schon bald zur Kultkneipe für Hemingway und seine Freunde. Unter anderem trank und philosophierte er hier nächtelang mit Berühmtheiten und Kollegen wie John Dos Passos, Waldo Pierce, J.B. Sullivan, Hamilton Adams, Captain Eddie Saunders und Henry Strater.

Da Hemingway aber nicht nur sehr ein sehr berühmter, sondern auch sehr trinkfester Schriftsteller war, gibt es aber sicherlich noch unzählige Bars und Kneipen weltweit, in denen er auftauchte, um den einen oder anderen Drink zu sich zu nehmen. Die Legende lebt!



One Response to Literatur & Alkohol (Folge 1) – Ernest Hemingway

  1. T. Müller says:

    Du hast den Mojito vergessen. „Mojito in der Bodeguita, meinen Daiquiri im Floridita.“ (E. Hemingway) Sein Hotel, in dem er anfangs wohnte, war genau in der Mitte zwischen beiden Bars.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Deborah

ist leidenschaftliche Leserin und Genießerin. Vor allem die Literaten des 19. und 20. Jahrhunderts begeistern sie – eine Zeit, in der Wein, Whisky & Co. in Strömen flossen und den Schriftstellern vielleicht auch die eine oder andere gute Idee entlockten.


Nach oben ↑

Mehr in Trinkkultur
Suffkowski: Whisky mit Bart

Wer Vollbart trägt, trinkt gerne Laphroaig? Am Bart eines Mannes soll man erkennen können, welchen Whisky er gerne trinkt. Wir haben Charles Suffkowski auf die Story angesetzt!

Schließen