Laphroaig-Destillerie auf Islay am Meer (Foto: Alkoblog)

Mit dem Laphroaig Select will die bekannte Islay-Destillerie vor allem Einsteiger für die rauen Insel-Malts begeistern. Diese sollen sich mit dem Select „langsam an intensivere Torfaromen“ herantasten. Ob das gelingt? Und wie schlägt sich der Select im Vergleich zum 10-jährigen? Unser Whisky-Test soll Klarheit schaffen…

NAS-Whisky von Islay: Laphroaig Select

Ähnlich wie beim Talisker Storm handelt es sich auch beim Laphroaig Select um einen No-Age-Statement-Whisky. Das Alter der enthaltenen Single Malts wird nicht auf dem Etikett der Flasche angegeben. In Whiskys ohne Altersangabe mischt die Destillerie vermeintlich ältere und jüngere Whiskys miteinander. Da bei Scotch Whisky stets das Alter des jüngsten enthaltenen Whiskys angegeben werden muss, verzichten Destillerien bei NAS-Whiskys auf diese Angabe.

Eine Mischung von älterem und jüngerem Whisky

Im Fall des Laphroaig Select wurden die in der Abfüllung enthaltenen Whiskys in Ex-Bourbon-Fässern und neuen Fässern aus amerikanischer Eiche gelagert. Die enthaltenen Whiskys sind mindestens 3 Jahre alt, da dies das Mindestalter für Scotch Whisky ist. Im Schnitt werden die Whiskys für den Select aber etwas jünger als im Laphroaig 10 Jahre sein, sonst würde die Destillerie das Alter ja stolz auch die Flasche schreiben können.

Klassische Gestaltung, aber keine Altersangabe auf der Flasche (Foto: Amazon)
Klassische Gestaltung, aber keine Altersangabe auf dem Laphroaig Select (Foto: Amazon)

Unser Tasting des Laphroaig Select (NAS)

Wie riecht er?

Wie schon bei der Standardabfüllung Laphroaig 10 Jahre entwickelt sich ein intensiver Rauch- und Torfgeruch aus dem Glas, der erste Eindruck stimmt also schon mal. Hierzu gesellt sich eine leichte Zitrusnote, sowie ein Hauch salziger Himbeere. Die Aromen steigen beim Laphroaig Select sehr kompakt und nicht besonders komplex in die Nase. Vom Charakter her ist dieser Laphroaig im Vergleich zur zehnjährigen Abfüllung  jünger und spritziger, aber auch schärfer.

Wie schmeckt er?

Kräftig, deftig und mit einer ordentlichen Portion markantem Rauch trumpft der Laphroaig Select auf. Unmittelbar fühlt man sich an ein BBQ-Grillen oder ein glühendes Grillfeuer erinnert. Im schmalen Mittelbau gehen dem No-Age-Statement dann allerdings schon die Pferdestärken flöten: Der Laphroaig Select wirkt nicht richtig reif, Alkoholnoten brennen scharf durch und ein metallischer Geschmack breitet sich aus.

Auch hier ist die Komplexität überschaubar: Etwas Süße, die aber nicht klar in eine bestimmte Richtung weist, etwas bittere Zitronenschale. Der Abgang ist relativ lang mit charakteristischem Rauch und etwas Schwefel. Für Laphroaig typisch dürfen auch die maritimen Klänge mit salzigem Seetang nicht fehlen. Die medizinischen Jodaromen – ebenfalls fester Bestandteil anderer Laphroaig-Abfüllungen – fehlen beim Select hingegen völlig.

Laphroaig Select vs. Laphroaig 10 Jahre

Wie schlägt sich der Neuankömmling in der Laphroaig-Familie gegen den bekannten 10-jährigen? Wir wagen den direkten Vergleich und schenken beide Whiskys ein. Der erste Eindruck lässt nicht lange auf sich warten: Beim Laphroaig 10 gehen unsere Mundwinkel schlagartig nach oben. Dieser Whisky ist doch noch mal ein ganz anderes Kaliber. Wie die Welle einer Sturmflut reißt uns der Aromen-Korso vom Sessel. Gläser festhalten! Haben alle ihre Rettungswesten und Nebelhorn dabei?

Interessanterweise wirkt der 10jährige sogar etwas weniger rauchig und torfig als der Select. Dafür überzeugt er mit Zitrusnoten und einem viel komplexeren und runderen Geschmack – und spätestens als wir die markanten medizinischen Jodnoten schmecken, sind wir wieder hin und weg von diesem unversöhnlichen 10-jährigen Islay-Malt.

Probefläschchen des Laphroaig Select (Foto: Alkoblog)
Probefläschchen des Laphroaig Select (Foto: Alkoblog)

Ist der Laphroaig Select für Einsteiger geeignet?

„Entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn“ ist ein beliebtes Bonmot zu Laphroaig. Das markante und unangepasste Aroma des Islay-Whiskys ist das Markenzeichen der Destillerie. Mit dem Select versucht die Brennerei in meinen Augen einen Spagat, der nicht gelingen kann: Wer den kraftvollen Laphroaig 10 mag, wird mit dem etwas weniger starken Laphroaig Select wahrscheinlich nicht glücklich werden, da er die typischen Aromen nur abgeschwächt repräsentiert.

Und wer ein Whisky-Einsteiger ist und vielleicht von milden Blends, Highland oder Speyside Malts kommt, der wird dennoch von den die rauen, kräftigen und teilweise alkoholisch brennenden Aromen des Select abgeschreckt werden.

Was ist besser? Laphroaig 10 Jahre oder Laphroaig Select?

Qualitativ erscheint mir die 10-jährige Standardabfüllung der Destillerie hochwertiger, komplexer und reifer. Alle Whisky-Freunde die einen Schritt in Richtung Islay wagen möchten, empfehlen wir deshalb: Age-Statements unterstützen und lieber zum Laphroaig 10 Jahre greifen. Und das nicht zuletzt, weil dieser Malt für vergleichbares Geld einen gereiften und hochklassigen Whisky bietet. Der Laphroaig Select ist kein wirklich schlechter Whisky, dennoch ist er in meinen Augen nichts Halbes und nichts Ganzes. Den Charakter der Destillerie gibt aber ganz klar der Laphroaig 10 Jahre deutlich besser wieder. Wenn schon Islay-Whisky, dann richtig.

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Laphroaig Select
Gestaltung & Story82
Geruch72
Geschmack74
Preis-Leistung70
74
Fazit
Der Laphroaig Select soll einen leichten Einstieg in die Welt der Islay-Malts bieten. Doch die Stärke von Laphroaig sind gerade die kompromisslosen und rauen Aromen. Diese bringt zwar auch der Select mit, ist aber zugleich weniger komplex und rund als die ältere Abfüllung. Vor die Wahl gestellt, empfehlen wir den Laphroaig 10 Jahre. Wenn schon Islay, dann gleich richtig!

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