Whisky

Veröffentlicht am 14. April 2016 | Foto: Alkoblog

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Der ZickZack-Whisky: Laphroaig Lore im Test

Der Freundschaft stolzes Siegel tragen viele, die in der Prüfungsstunde treulos fliehn. – Friedrich Schiller

Laphroaig und mich verbindet eine Tasting-Freundschaft. Ich erinnere mich noch gut, wie ich die erste Flasche Laphroaig 10 Jahre im Angebot kaufte. Der Rauch, der Torf, das war mein Ding. Wie stolz war ich, als mein neu gewonnener Freund mir einen Plot – ein Stück Destillerie-Land – schenkte. Um meinen Plot „zu claimen“, musste ich nur noch nach Islay. Dass ich mich aber auch unter vollem Einsatz, durch ein mitteltiefes Feuchtbiotop kämpfen muss, mit dem mein Ökologie-Prof seine Freude gehabt hätte, wurde vorab nicht erwähnt. Wenn dieses Erlebnis aber eine Freundschaft nicht festigt weiß ich auch nicht!

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„Danke“ Laphroaig. Dieser Weg wird ein feuchter sein… (Foto: Alkoblog)

Breites Angebot von No-Age bis Age-Statement

Wer einmal mit Laphroaig anfängt, kommt nicht mehr davon los. Abfüllungen wie Cask Strength, Triple Wood über Laphroaig 15, dem 18jährigen bis hin zu Laphroaig 32 Jahre kamen und gingen in mein Tasting-Glas und hinterließen bleibende Eindrücke. Einem Freund sieht man es eben auch mal nach, wenn er mal eine schräge Freundin mitbringt oder komische Flausen (wie zum Beispiel NAS-Whisky) im Kopf hat. Die neueste Prüfung, die sich Laphroaig für mich ausgedacht hat, ist so ein NAS – der Laphroaig Lore. Der Name hat glücklicherweise nichts mit Bergbau-Loren zu tun und der Whisky wurde auch (noch?) nicht in tiefen Bergwerken gelagert. Er leitet sich schlicht aus dem Wort Folkore ab.

Neuer NAS-Whisky von Islay: Laphroaig Lore

Der „Neue“ bei Laphroaig, soll der bisher gehaltvollste Whisky der Marke sein und die 200jährige Geschichte in einer Abfüllung vereinen. Eine stolze Aufgabe für Destillerie Manager John Campbell. Mit dem Laphroaig Lore, schafft er nach eigenen Angaben, seine ganz eigene Interpretation der bisherigen Traditionen und muss folglich ziemlich viele Geschmacksebenen in einer Flasche unterbringen. Neben torfig-rauchig, soll der Whisky auch fruchtig und floral sowie trocken und süß sein. Um all diese Geschmäcker zu vereinen, wird eine ganze Fass-Parade aus den Warehouses gerollt. Wie John Campbell bei einem Event in Hamburg verrät, sind folgende Whiskys im Laphroaig Lore enthalten:

  • Virgin European Oak Casks 9 Jahre bildet die Basis

Darüber hinaus befinden sich folgende Fässer im Laphroaig Lore:

  • First Fill Bourbon-Casks 8 Jahre
  • Bourbon-Cask 21 Jahre
  • Quarter Cask 9 Jahre
  • Oloroso Sherrycask 13 und 14 Jahre
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Blick auf das legendäre Warehouse No 1 bei der Laphroaig-Destillerie. (Foto: Alkoblog)

Lobenswerte Offenheit beim Laphroaig-NAS

Lobenswert ist die Offenheit, sucht man bei vielen anderen NAS-Whiskys die genauen Inhalte vergeblich. So dass man als Verbraucher, anders als bei Age-Statements, häufig gar nicht mehr einschätzen kann, mit was für einem Whisky man es genau zu tun hat. Doch die genauen prozentualen Anteile für den Laphroaig Lore, möchte natürlich auch John Campbell nicht verraten. Der „Premium-NAS“ ist limitiert und war zunächst ein exklusives Angebot für die Friends of Laphroaig. Nun ist er aber auch im regulären Handel angekommen.

Eine genaue Zahl der Limitierung wird nicht genannt, daher kann man schwer einschätzen, ob die Abfüllung bald vergriffen sein wird. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 95 Euro, was für einen NAS schon eine Ansage ist und den Anspruch an die Qualität nach oben schraubt. Der Vielfass-Whisky Laphroaig Lore, wird mit ordentlichen 48% abgefüllt, so dass man den Geschmack, wenn man möchte, mit etwas Wasser nachjustieren kann. Wir hatten die Gelegenheit, während des Events in Hamburg, mit John Campbell, ein Dram des Laphroaig Lore zu verkosten. Unsere Tasting Notes setzen sich aus diesem Tasting und einer späteren Verkostung in ruhigerem Rahmen zusammen.

Unser Tasting des Laphroaig Lore

Wie riecht er?

Den anfänglichen Geruch würde ich für eine Laphroaig-Abfüllung sogar als zart beschreiben. Kaum eine Spur vom sonst rauen Charme des Islay-Whiskys. Cremig, süßlich ist Vanille neben leichten salzigen und mineralischen Noten zu riechen. Ein trockener Geruch. Recht schnell setzen sich auch Früchte wie helle Weintrauben, Pfirsich und getrocknete Banane durch. Der Duft ist vielschichtig. Ich rieche „frische Wäsche“ mit Flieder, Griespudding. Nach etwas Standzeit auch Rosine und Sherryaromen sowie Torf-Rauch und Speck.

Wie schmeckt er?

War der Geruch noch verhältnismäßig sanft und leicht, ist der Geschmack das Gegenteil. Mit Wucht und Schärfe (Pfeffer/Chilli) tritt der Laphroaig Lore an. Voll, stark mineralisch, kohlig und intensiv, tritt dieser Whisky auf. Den Geschmack empfinde ich insgesamt als schwer, er erdrückt die Fruchtaromen anfänglich. Ich schmecke viel Eichenholz und etwas würzigen Waldhonig. Ich empfehle dem Laphroaig Lore etwas Luft zu gönnen. Nach etwas Standzeit wandelt sich nämlich das Bild. Der Whisky wird trockener. Weiterhin sind scharfe Noten zu schmecken, aber es setzen sich auch Aromen von getrockneten Früchten wie Rosinen, Feige und Bananenchips durch. Der Abgang ist lang, intensiv und süßlich bis hin zu leicht bitter.

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Alkoblog.de Whisky-Test: Laphroaig Lore

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Der Laphroaig Lore ist ein NAS-Whisky der eine sehr komplexe Aromenpalette präsentiert. Kein Wunder, schaut man sich an, welche Fässer im Whisky enthalten sind. Durch diese Vielzahl an Aromen wirkt er etwas unrund und lässt einen wegen des "Aromen-Zick-Zacks" auch leicht ratlos zurück. Definitiv kein typischer Laphroaig, sondern ein Experiment. In meinen Augen kommt der rote (Geschmacks-)Faden beim Laphroaig Lore zu kurz. Der Whisky ist lecker, die Konzeption interessant. Doch so ganz gepackt bin ich noch nicht. Auch der recht hohe UVP von 95 Euro schlägt ins Kontor.

3.9



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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