Whisky

Veröffentlicht am 4. September 2015 | Foto: Alkoblog

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Für ein paar Dollar mehr: Laphroaig 32 Jahre im Test

Es ist schon ein sehr erhabener Moment, einen Whisky zu verkosten, der älter ist als man selbst. Noch dazu, wenn es der niegelnagelneue Laphroaig 32 Jahre ist, der offiziell erst in vier Wochen auf den Markt kommt. Ein Tasting in der „Laphroaig Lounge“ von Szene-Legende Werner Hertwig in Berlin-Schöneberg bot heute genau diese Gelegenheit.

Der 32-jährige Laphroaig ist nicht nur vom Alter her eine Besonderheit: Die Abfüllung erscheint als limitierte Edition mit nur 6.000 Flaschen weltweit. Da kann sich jeder ausrechnen, wieviele Flaschen davon letztlich in Deutschland landen (und wieviele davon ungeöffnet in Sammlervitrinen). Gelagert wurde der Single Malt unter anderem in ehemaligen Sherry-Fässern, was für Laphroaig eher ungewöhnlich ist. Setzt die Islay-Destillerie doch sonst eher auf klassische Bourbon Casks oder die kleineren Quarter Casks.

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Wein & Whisky-Inhaber Werner Hertwig in gemütlicher Tasting-Runde

Das hohe Alter, die weltweite Nachfrage und der Kultstatus von Laphroaig spiegeln sich auch im Preis wieder: Rund 1.200 Euro müssen Genießer für den „Laphi 32“ auf den Tresen blättern – wenn sie überhaupt einen Händler finden, der eine Flasche hat und verkauft. Viele von euch fragen sich jetzt sicher:

„So viel Geld für einen Whisky? Ist das nicht völlig verrückt?“

Ja ist es natürlich irgendwie. Andererseits ist auch klar, an wen sich eine Flasche wie der Laphroaig 32 Jahre richtet: An Millionäre, Milliardäre und ihre Kinder. An die Rich Kids von Instagram. Vielleicht lesen ein paar von ihnen hier im Blog mit? Es gibt definitiv einen Markt für diese superreichen Whisky-Genießer, denen es egal ist ob eine Flasche nun 500, 700 oder 1200 Euro kostet. It’s only money so who cares…und mal ehrlich: Wenn wir Millionen auf dem Konto hätten, würden wir uns vielleicht auch alle Jahrgänge von Glenfarclas in den klimatisierten Whiskykeller holen oder uns mal eben vier Flaschen vom Laphroaig 32 zulegen…

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Bis es soweit ist, genießen wir einfach weiter die astreinen Standards von Laphroaig – und freuen uns, wenn wir bei einem Tasting mal ein Dram vom 32-jährigen verkosten dürfen:

Laphroaig 32 Jahre im Tasting

Wie riecht er?

Der für Laphroaig so typische Rauch und Torf ist über die Jahre fast verflogen, ein wenig Asche das letzte Überbleibsel des einst glühenden Feuers. Ölig läuft der Malt am Glasrand herunter, erinnert im Geruch an Räucherspeck. Ein volles und tiefes Aroma entfaltet sich zwischen Orange/Bitterorange, Pfirsich, Aprikose und Nelken. Dazu Holznoten, etwas Leder und Sherry. Letzterer ist sehr fein abgestimmt, wirkt nicht übermächtig. Lässt man den Laphroaig 32 atmen, kommen immer wieder neue Nuancen zum Vorschein. So war kurzzeitig der Geruch von Feuerwerkskörpern und Schwefel über dem Nosing-Glas zu riechen. Sehr komplex und spannend.

Wie schmeckt er?

Lässt sich so ein starkes Nosing noch toppen? Der Laphroaig 32 kann genau das: Ungemein fein und üppig zugleich entblättert er seine Aromen, offenbart Schicht für Schicht seine Kostbarkeiten. Er ist so voll und konzentriert, dass unsere Sinne sich erst an diese Fülle an Eindrücken gewöhnen müssen. Besitzer einer ganzen Flasche haben es da leichter. Feine Vanille und Orange treffen auf Herrenschokolade. Eine Affäre auf höchstem Niveau, Kakao statt Kaffee. Dazu Salmiak und salziges Lakritz, aber nie so viel, dass es einem überdrüssig würde. Immer wenn wir uns an eine Note gewöhnt haben, zaubert dieser Whisky eine neue Variation hervor. Ohne Zweifel der komplexeste Laphroaig, den wir je getrunken haben.

Alkoblog.de Whisky-Test: Laphroaig 32 Jahre

Gestaltung
Geruch
Geschmack

Fazit von Lukas: Der Laphroaig 32 ist ein Genießer-Whisky auf allerhöchstem Niveau. Vergleichbar am ehesten mit einigen japanischen Kostbarkeiten (Hibiki 17!) - und doch Islay-typisch einzigartig. Keine Spur vom eher straighten Charakter eines Laphroaig 10, dieser Malt ist komplex, abwechslungsreich und tiefgründig. Wer Kies auf Kante und einen Sohn hat, der demnächst 32 wird, findet in dieser Flasche ein erlesenes Geschenk. Übrigens: "Mama und Papa, ich habe auch bald Geburtstag..."

4.7



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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